Nächstes Ziel Australien : Heidi hetzt nun durch China

Heidi Hetzer (77) ist mit ihrem 84 Jahre alten Hudson bereit für die Abfahrt.
Heidi Hetzer (77) ist mit ihrem 84 Jahre alten Hudson bereit für die Abfahrt.

Hetzer ist auf Weltreise, natürlich im Auto. Im Juli ging es los. Seitdem hat die Berlinerin viele Länder durchfahren. Zunächst immer Richtung Osten.

svz.de von
18. Dezember 2014, 07:00 Uhr

Irgendwo in China, kurz vor der Grenze zu Laos. Ein lauter Knall – es ist wieder passiert. Der Wagen springt nicht mehr an. Zwangspause für Heidi Hetzer. Doch sie bleibt ruhig. Nach viereinhalb Reisemonaten im Auto kann sie keine Panne mehr erschrecken. „Und in China bekommen die irgendwie alles hin“, sagt sie. Die 77-jährige Berlinerin soll recht behalten. Zwar ist eine Messingplatte gebrochen. Doch in Handarbeit wird das kaputte Stück neu angefertigt. Der Oldtimer fährt wieder.

Hetzer ist auf Weltreise, natürlich im Auto. Einst ist sie als Ralleyfahrerin berühmt geworden. Mehr als 43 Jahre war sie zudem Chefin der familieneigenen Opel-Autohäuser, bis das Unternehmen 2012 verkauft werden musste. Danach hatte sie Zeit, ihre große Reise zu planen. Im Juli ging es los. Seitdem hat die Berlinerin viele Länder durchfahren. Zunächst immer Richtung Osten. Mit Überquerung des Bosporus erreichte die rüstige Dame Asien. Am Ende der Reise sollen es 60 Länder auf allen Kontinenten sein.

Ihre Fans hält Hetzer derweil in Audio-Mitteilungen auf dem Blog heidi-um-die-welt.com auf dem Laufenden. Auch bildhaft dokumentiert sie ihre Erlebnisse und stellt die Fotos Freunden und Interessierten auf dem Online-Fotodienst Instagram zur Verfügung. Dort ist regelmäßig auch Hetzers ständiger Begleiter, ein Hudson Great Eight, Baujahr 1930, zu sehen. Sie nennt ihn liebevoll „Hudo“. Dabei hat der Oldtimer schon so manche Probleme bereitet. Aber bisher ist er immer wieder angesprungen. Schwieriger war die Grenzüberschreitung ins Reich der Mitte.

Wegen des herannahendem Winters wollte die Rennsportlegende eine Abkürzung nehmen. Sie entschloss sich kurzerhand, die Grenze nach China über Kasachstan und nicht wie ursprünglich geplant über die Mongolei zu passieren. Leider kam es dadurch zu Verzögerungen und Visaproblemen. Sie musste einige Wochen in der kasachischen Hauptstadt Almaty (ehemals Alma-Ata) ausharren. Mitte November sollte es endlich soweit sein: Heidi schaffte es von Kirgisien aus über das Tian-Shan-Gebirge in die Volksrepublik China. „Dieses Land ist wahnsinnig beeindruckend“, schwärmt sie.

Nur die Sprachbarriere macht ihr zu schaffen. „Niemand spricht hier Englisch. Es ist schon doof, dass ich vier Wochen lang nur mit meinem Guide reden konnte – und mit dem ist die Verständigung auch sehr schwierig.“

Ihr Guide, Mister Vang, hat sie als Beifahrer durch ganz China begleitet. Voller Freude berichtet sie über Terracotta-Soldaten, riesige Buddhas, die Kälte im Gebirge und Sonnenschein in den weiten Tieflandebenen des Landes. In Anbetracht der goldenen Pagoden und der abwechslungsreichen Umgebung fühlte sie sich auf dem Land wohler als in den immer grauen Millionenstädten. „Überall die gleichen Wohnblöcke, grau und beige“, sagt sie. „Aber in den Dörfern, wo es zum Teil wie in der Steinzeit zugeht, fühle ich mich am wohlsten. Da kann man mit den Leuten lachen.“

Nach 30 kurzen Tagen in China, ein längeres Visum hat sie nicht bekommen, ist die 77-Jährige agil und fit wie eh und je. Mittlerweile ist sie in Laos, nahe der thailändischen Grenze. Mit dem Schiff soll es bald in Richtung Australien gehen. Es ist die gleiche Route, die Clärenore Stinnes genommen hat. Heidis großes Vorbild hat zwischen 1927 und 1929, als erster Mensch überhaupt, eine Weltrundfahrt mit dem Auto durchgeführt. Heidi Hetzers Weltreise soll bis zum Jahr 2016 gehen. Bleibt zu hoffen, dass auch im australischen Outback schnelle Hilfe kommt, wenn es mal wieder knallt.

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