Erhöhung der Haftpflichtprämien : Hebammen bangen um ihre Existenz

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Schon jetzt fehlen in vielen Regionen freiberufliche Hebammen für die Betreuung der Mütter.

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04. August 2015, 09:59 Uhr

Es ist ein düsteres Szenario, welches Marina Schmeißer für ihre Branche malt: „Es wird in naher Zukunft darauf hinauslaufen, dass es keine Hebammen außerhalb der Krankenhäuser mehr gibt“, sagt die Mitbetreiberin des Geburtshauses Eberswalde. Dort erblickten im vergangenen Jahr 40 Babys das Licht der Welt. Angesichts der zuletzt von 5100 auf 6300 Euro gestiegenen Haftpflichtprämie sei es jedoch kaum noch wirtschaftlich, diese Geburtshilfe zu leisten. Im kommenden Jahr soll die Gebühr auf 7200 Euro steigen. „Wir werden aufgeben müssen, wenn sich die Rahmenbedingungen nicht ändern.“

Auch die Landesvorsitzende des Hebammenverbandes, Martina Schulze, spricht von einer dramatischen Entwicklung. Sie höre oft von jüngeren Kollegen, die angesichts der steigenden Kosten bei gleichbleibender Vergütung sich beruflich umorientieren wollen. „Gleichzeitig gehen in den kommenden Jahren viele Hebammen in Rente“, sagt sie. Für Eltern werde es daher noch schwieriger, einen Termin bei den Fachkräften zu erhalten. „Wir sind bereits viele Monate ausgebucht.“ Mittlerweile bieten von den 200 freiberuflichen Hebammen in Brandenburg nur noch 40 eine Hausgeburt an. Zudem existieren nur noch fünf Geburtshäuser. Im Land kamen im vergangenen Jahr außerhalb der Kliniken 250 Kinder zur Welt. Krankenkassen und Hebammen ringen seit Monaten um eine Lösung, wie die Branche entlastet werden kann. Während Hebammen einen Haftungsfonds fordern, mit dem Schadensersatzforderungen bei Geburtsschäden ausgeglichen werden, bieten die Krankenkassen einen Ausgleich für die steigenden Versicherungsprämien sowie einen individuellen Zuschlag an, der jedoch an bestimmte Voraussetzungen gekoppelt ist.

Demnach sollen Hausgeburten nur dann möglich sein, wenn Risiken ausgeschlossen werden und gegebenenfalls Mediziner konsultiert werden. „Das ist im Interesse der Gesundheit von Mutter und Kind“, so die Sprecherin des GKV-Spitzenverbandes, Ann Marini.

Der Deutsche Hebammenverband hält dagegen, dass die von den Krankenkassen geforderten Ausschlusskriterien nicht automatisch zu einer Gefährdung des Kindes führen. Jetzt soll eine Schiedsstelle eine Einigung herbeiführen. Derweil erhalten die Hebammen auch Schützenhilfe vom neu gegründeten Elternverband „Motherhood“. „Unsere Sorge ist groß, dass die Betreuung der Mütter schlechter wird“, meint die Landeskoordinatorin Jeannine Herzberg. So gebe es in Märkisch-Oderland nur noch zwei freiberufliche Hebammen.

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