Lieberoser Heide : Grüne Pläne für „Klein Sibirien“

Der Blick auf den ehemaligen Truppenübungsplatz der sowjetischen Armee in die Lieberoser Heide.
1 von 2
Der Blick auf den ehemaligen Truppenübungsplatz der sowjetischen Armee in die Lieberoser Heide.

Umweltministerium sagt nach langen Verhandlungen Unterstützung der Internationalen Naturausstellung zu

von
05. Juni 2015, 17:48 Uhr

Spektakuläre 250 Quadratkilometer umfasst das nördlich von Cottbus gelegene Areal, eine Fläche von der Größe der Insel Malta. 50 Jahre rollten hier die Panzer, zu DDR-Zeiten fanden Großmanöver des Warschauer Pakts statt. Für die Öffentlichkeit waren weite Teile die Heide auch nach dem Abzug der Roten Armee im Jahre 1992 tabu.

Aus heutiger Sicht ist das Schicksal der Heide Fluch und Segen zugleich. Einige Gebiete sind nach wie vor mit Munition verseucht, menschliches Leben gibt es nicht. Aber jene insgesamt 70 Jahre ohne größere Eingriffe des Menschen in die Natur haben der Liebero-ser Heide eine beispiellose Artenvielfalt beschert, eine unzerschnittene Landschaft samt Urwäldern, und nicht zuletzt auch die größte Wüste Deutschlands, „Klein Sibirien“ genannt.

Dieses Potenzial soll nun für Forschung, Umweltschutz, Wirtschaft und Tourismus genutzt werden. Mit weltweiter Ausstrahlungskraft, denn die Frage einer Nachnutzung solcher Militärflächen stellt sich vielerorts. Dafür wurde bereits vor sechs Jahren das Projekt Internationale Naturausstellung Lieberoser Heide (INA) ins Leben gerufen. Bernd Boschan, Direktor des Amtes Lieberose/Oberspreewald, wirbt als Leiter der kommunalen Arbeitsgemeinschaft INA für das Vorhaben. „Wir wollen Natur zum Anfassen und zum Erleben. Experten und Laien sollen hier studieren können, wie der Mensch die Umwelt vernichten, aber auch bewahren kann“, sagt er. „Schon jetzt kommen jedes Jahr 8000 Fachbesucher aus der ganzen Welt in die Lieberoser Heide.“

Naturlehrpfade, einen besonderen Ökologie-Park sowie ein weit verzweigtes Wegenetz wurden bereits eingerichtet. Für die nächste Entwicklungsstufe auf dem Weg zur Dauerausstellung stellt der Bund 4,7 Millionen Euro Fördergeld bereit, wenn das Land Brandenburg ebenfalls mit einer „angemessenen Unterstützung“ zum Gelingen beiträgt.

Aber damit haperte es bis zuletzt. Die Aussagen des zuständigen Umweltministers Jörg Vogelsänger (SPD) blieben vage. „Er sieht die INA nur als regionales Projekt. Sie hat aber Bedeutung für das ganze Land“, ärgerte sich Bernd Boschan jüngst. Vogelsängers Sprecher Jens-Uwe Schade protestierte: „Wir nicken doch nicht einfach so eine Wunschliste von 60 Projekten ab. Boschan soll sagen, wofür er Geld will. Dann unterhalten wir uns über jeden Einzelfall.“

Für Donnerstag hatte Bernd Boschan Politiker und Umweltexperten noch einmal zur Krisensitzung geladen. Dort kursierte auch ein neues Schreiben von Vogelsänger, in dem er mit Bezug auf die 4,7-Millionen-Euro-Zusage des Bundesamts für Naturschutz und die notwendige Zuarbeit erklärt: „Das Land wird sich in diesem Sinn an INA-Projekten beteiligen.“

Für Sylvia Lehmann, SPD-Landtagsabgeordnete aus Dahme-Spreewald, ist die Sache damit durch. „Das ist die Zusage des Landes, den finanziellen Eigenanteil zu leisten“, sagt sie. Es geht um rund 800  000 Euro ab 2016, verteilt auf vier Jahre.

Zurückhaltender beurteilt Benjamin Raschke von den Bündnisgrünen den Wert von Vogelsängers Erklärung. „Bei dem Treffen am Donnerstag herrschte unter den Anwesenden Uneinigkeit darüber, ob dem Bund diese Erklärung genügt.“ Noch vor der Sommerpause soll eine Antwort des Bundesamts vorliegen. Sylvia Lehmann ist zuversichtlich: „Bund und EU wollen die INA unbedingt als Musterbeispiel für Umweltbildung und ländliche Entwicklung auf ehemaligen Militärflächen.“

Knackpunkt zwischen Ministerium und INA-Initiatoren war der künftige Wildnis-Anteil in der Heide. Das Land, dem drei Viertel der Flächen gehören, möchte die Wälder auch künftig zur Holzgewinnung nutzen. Ein Grund für Vogelsänger, sich mit flammenden Bekenntnissen zur INA zurückzuhalten. Bislang hat das Land in der Lieberoser Heide 700 Hektar Wald für Wildnisprojekte abgegeben. Mehr werde es nicht geben, stellt Vogelsänger in seinem jetzigen Schreiben noch einmal klar.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen