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Gartenfreunde : Gesucht: Kleingärtner aus Berlin

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Im Kampf gegen den Leerstand von Lauben suchen Vereine verstärkt in der Hauptstadt nach Mitstreitern

svz.de von
erstellt am 26.Feb.2015 | 17:51 Uhr

Kleingartenanlagen auf dem Land haben seit langem mit Leerstand zu kämpfen. In der Prignitz musste nun ein Verein deshalb aufgeben. Hoffnungen setzt man indes auf neue Pächter aus Berlin, wo es lange Wartelisten für eine Parzelle gibt.

Fred Schenk kann sich nicht so recht entscheiden, ob das Glas eher halb voll oder halb leer ist. „Der Leerstand und der notwendige Rückbau von Gärten ist abseits der Städte weiter ein großes Thema“, sagt der Geschäftsführer des Landesverbands der Gartenfreunde. „Allerdings steht kein Verein vor der Insolvenz. Dank unermüdlicher Arbeit vieler Ehrenamtler überleben die Anlagen, obwohl altersbedingt viele Gärtner ausscheiden.“


Hiobsbotschaften aus der Prignitz


Hiobsbotschaften kommen jedoch aus der Prignitz. Mehr als 800 Parzellen stehen dort leer, also jeder fünfte Garten. Ein Verein musste jüngst aufgeben. „Von einst 42 Mitgliedern waren dort am Ende noch acht Männer übrig“, erzählt Jörg Swierczinski, Chef des Kreisverbands. „Und das kann sich jederzeit wiederholen. Die Schmerzgrenze ist erreicht“, warnt er.

Ähnliche Töne kommen aus der Uckermark. „Vor allem Anlagen, die verkehrstechnisch schlecht zu erreichen sind, haben Probleme“, berichtet Klaus Zschernitz, der Vorsitzende des dortigen Kreisverbands der Gartenfreunde. „Und bei vielen jungen Leuten fehlt das Interesse an einem Garten.“

Eine große Herausforderung seien der Abriss leer stehender Lauben und die Herrichtung der Parzellen für Neulinge. „Ziel ist, größere Flächen frei zu machen. Ein Flickenteppich aus zwei belegten und fünf freien Gärten ist ungünstig.“ Mit mindestens 3000 Euro Abrisskosten müsse man pro Parzelle rechnen. „Bei 50 leer stehenden Gärten kommt da schnell eine große Summe zusammen, die ein Verein unmöglich allein stemmen kann“, gibt der Verbandschef zu bedenken.

Man helfe sich oft damit, lediglich einen Container zu bezahlen und den Abriss in Eigenregie durchzuführen. „Aber das kann man den älteren Vereinsmitgliedern kaum mehr zumuten“, schränkt Klaus Zschernitz ein.

Klar ist für ihn jedoch: „Wir lassen uns nicht entmutigen. Es muss weitergehen.“ Genauso sieht es Josef Hofmann vom Verband der Gartenfreunde Eisenhüttenstadt. „Wir haben gute Angebote, müssen sie nur an den Mann und die Frau bringen“, sagt er. Auf der Homepage des Kreisverbands sind zahlreiche konkrete Offerten gelistet. „Mit jährlichen Kosten von 70 Euro ist man dabei, bekommt ohne weitere Gebühren oder Abstandszahlungen einen Garten.“ Im Januar hat Hofmann eigens mit einem Stand auf der Grünen Woche in Berlin um Mitstreiter geworben. Das Interesse habe sich bei der Premiere in Grenzen gehalten, räumt er ein. Dennoch sei das ein Weg, den man in Abstimmung mit Berliner Vereinen weiter verfolgen werde.


Aus der Hauptstadt an Elbe und Oder


Gut ein Dutzend Gärtner aus der Hauptstadt habe man im Raum Eisenhüttenstadt bereits durch Mundpropaganda gewonnen. Denn mehr als 10  000 Menschen würden bei den dortigen Vereinen auf der Warteliste stehen. Es sei keineswegs aussichtslos, sie für einen Garten an der Oder zu begeistern, sagt Hofmann.

Das bestätigen der Prignitzer Kreischef und der Geschäftsführer des Landesverbands. „Die Berliner fahren auch gern etwas weiter. Da können wir durchaus Leute abwerben“, hat Fred Schenk beobachtet. In der Prignitz weise man solcherlei Anfragen jedoch wegen drohender Konflikte mit dem Bundeskleingartengesetz zurück, erklärt Jörg Swierczinski. „Die Gärten müssen bewirtschaftet werden und dürfen nicht als Wochenendgrundstücke genutzt werden.

In Eisenhüttenstadt sehe man das lockerer, erklärt Josef Hofmann. Auch Fred Schenk vom Landesverband empfiehlt den Vereinen Flexibilität: „Wir sollten nicht päpstlicher sein als der Papst. Eine verpachtete Zelle ist immer besser als eine leere.“ Natürlich gelte es, Regeln zu beachten, etwa die, dass nur gelegentliches Übernachten zulässig ist. „Aber wo es möglich ist, sollte man im Interesse des Vereins Zugeständnisse machen.“  

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