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Eichenschädling : Gerichtsurteil stärkt die Raupen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Forstexperten fürchten die Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners.

Forstexperten befürchten eine neuerliche Verbreitung des Eichenprozessionsspinner im Land. Nachdem Umweltschützer eine Bekämpfung des Schädlings in Naturschutzgebieten vor Gericht stoppten, können befallene Eichen dort nicht mehr behandelt werden.

Im Havelland denkt Christine Blanke, Leiterin der Oberförsterei in Rathenow, mit Sorge an die Bundesgartenschau (Buga) 2015. Lange Zeit sah es so aus, als hätte man die gefährliche Raupe unter Kontrolle. „Wir hatten die Hoffnung, der Befall würde eingedämmt sein, so dass wir den Eichenprozessionsspinner 2015 mit Rücksicht auf die Buga nicht mehr aus der Luft bekämpfen müssen“, erzählt sie. Doch der milde Winter und die optimalen Bedingungen in diesem Frühjahr kamen dem Schädling wie gerufen, um sich zu vermehren. Trotz erfolgreicher Befliegung mit dem umstrittenen Mittel Dipel ES vor wenigen Wochen ist die Gefahr nicht gebannt.

1360 Hektar Eichenwald sind landesweit aus der Luft mit Hubschraubern bekämpft worden. „Die Wirkung des eingesetzten Mittels Dipel ES liegt witterungsabhängig zwischen 70 und 90 Prozent“, bilanziert Jens-Uwe Schade, Sprecher des Forstministeriums in Brandenburg.


Auch in der Prignitz sind die Folgen spürbar


Doch das ist nur die halbe Wahrheit, denn nach dem erfolgreichen Veto des Naturschutzbundes Nabu vor dem Verwaltungsgericht in Potsdam waren so genannte Fauna-Flora-Habitat-Gebiete (FFH) für die chemische Keule tabu. Das könnte verheerende Folgen haben, glaubt Christine Blanke.

Denn auch das erste zu DDR-Zeiten entstandene Naturschutzgebiet Friesacker-Zootzen mit einer Größe von fast 150 Hektar durfte nicht mehr behandelt werden. „Aber der Eichenprozessionsspinner macht vor einem Naturschutzgebiet nicht Halt“, wundert sich die Forstexpertin über das Urteil. In diesem Gebiet war 2008 der erste große Raupenbefall im Land registriert worden. Betroffen sind Pflanzen und Menschen gleichermaßen: Befallenen Eichen droht der Kahlfraß, Personen, die mit den feinen Härchen in Berührung kommen, leiden unter Juckreiz, Bronchitis oder Asthma.

4,5 Millionen Euro kostete die Großoffensive gegen den Schädling vor einem Jahr – 9000 Hektar Eichenwald und Alleen waren aus der Luft mit Dipel ES besprüht worden.

In der kommenden Woche wertet der Landkreis Prignitz die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners aus. Vorab war bereits aus Einsatzkreisen zu erfahren, dass vom Umweltministerium Druck ausgeübt worden sein soll, geplante Flächen nicht zu besprühen.

Im Schlosspark Rühstädt war in der Folge der Befall mit den Schädlingen so stark, dass der Park in dem Urlauberdorf gesperrt werden musste. Auch in Gnevsdorf am Elberadweg konnten die Raupen ungestört schlüpfen, Touristen vertreiben. Die Amtsverwaltung Bad Wilsnack hatte daraufhin entschieden, die Nester abzusaugen.

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