Entsetzen und Empörung : Gericht lässt brutale Autoschieber frei

Gericht und Polizei sind sich nicht immer einig in der Bewertung eines Verbrechens.
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Gericht und Polizei sind sich nicht immer einig in der Bewertung eines Verbrechens.

Scharfer Protest von Polizei und Gewerkschaft – mehrere Beamte waren durch die Verdächtigen verletzt worden.

svz.de von
10. Juli 2014, 23:15 Uhr

Am Dienstagmorgen hatten auf der A 15 bei Forst zwei Polen mit zuvor gestohlenen Autos eine Kontrollstelle der Polizei durchbrochen. Kurz darauf rammte im Rahmen einer Verfolgungsjagd einer der Männer mit einem Audi Q7, also einem schweren Geländewagen, nacheinander zwei Polizeiautos. Beide Streifenwagen überschlugen sich, vier Beamte wurden leicht verletzt. Der danach zu Fuß geflüchtete 25 Jahre alte Hauptverdächtige wurde wenig später mit Hilfe eines Spürhunds gefasst, ebenso ein zweiter Verdächtiger. Ein dritter Mann entkam samt des gestohlenen Wagens.

Polizeipräsident Arne Feuring hatte sich in einer ersten Reaktion entsetzt über die Skrupellosigkeit der Autoschieber geäußert. Inzwischen hat sich bei ihm zu diesem Ärger noch Frust über die Reaktion des Cottbuser Amtsgerichts gesellt. So hat eine Richterin den Haftbefehlsantrag der Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) gegen den zweiten Täter abgelehnt.

Begründung: Ihn erwarte lediglich eine Bewährungsstrafe und damit bestehe keine Fluchtgefahr. Der 23-Jährige kam daraufhin sofort auf freien Fuß. Dem Antrag gegen den Hauptverdächtigen gab die Richterin zwar statt – aber nicht wie von den Anklägern gefordert wegen versuchten Mordes, sondern lediglich wegen Körperverletzung und anderer Delikte.

Feuring erklärt dazu: „Angesichts der außerordentlichen Brutalität des Vorgehens der Verdächtigen, die bewusst das Leben der Beamten aufs Spiel gesetzt haben, um sich der Strafverfolgung zu entziehen, habe ich kein Verständnis für diese Entscheidungen.“ Ähnlich fällt die Bewertung durch die Gewerkschaft der Polizei aus. „Wir sind empört. Mindestens wegen versuchten Totschlags müsste man gegen den Verdächtigen ermitteln“, findet Landeschef Andreas Schuster. „Die Entscheidungen sind leider eine Ermutigung für Straftäter, bei Vergehen auch Attacken auf das Leben und die Gesundheit von Polizisten in Kauf zu nehmen.“

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) will nun gegen beide Cottbuser Entscheidungen Beschwerde einlegen, wie ein Sprecher erklärte. Eine Tötungsabsicht sei spätestens beim Rammen des zweiten Streifenwagens zu unterstellen, da der Mann dann gewusst haben muss, was er mit dem schweren Wagen anrichten kann.

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