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Empörung ist groß : GEMA kassiert Seniorenchöre ab

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Die Tarifstrukturen der Verwertungsgesellschaft Gema bringen immer mehr Seniorenchöre in Nöte. Selbst für kleine Auftritte oder öffentliche Proben werden teilweise Gebühren fällig. Dagegen regt sich Protest.

svz.de von
erstellt am 25.Mai.2015 | 22:00 Uhr

Die Tarifstrukturen der Verwertungsgesellschaft Gema bringen immer mehr Seniorenchöre in Nöte. Selbst für kleine Auftritte oder öffentliche Proben werden teilweise Gebühren fällig. Dagegen regt sich Protest.

Eine Seniorengruppe trifft sich einmal im Monat in einem Café und trällert Volkslieder. Als die „Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte“ (kurz: Gema) dafür eine Gebührenrechnung schickt, ist die Aufregung groß. Der Fall aus Fahrdorf in Schleswig-Holstein sorgte jüngst bundesweit für Kopfschütteln.

Auch in Brandenburg haben Singkreise und kleine Chöre ähnliche Probleme, wie Seniorenvertreter betonen. „Das ist ein absolutes Unding“, sagt Hertha thor Straten, Vorsitzende des Brandenburgischen Seniorenverbandes. Viele Rentner würden sich treffen, um der Einsamkeit zu entfliehen. Oft sei bereits Raummiete fällig, jetzt kämen die Gema-Gebühren hinzu.

Dem Verband werden Klagen aus allen Landesteilen zugetragen, dabei versucht dieser mit einer Pauschalgebühr schon ein Großteil der Veranstaltungen abzudecken. „Die Gema handelt falsch“, meint thor Straten. „Die Senioren sind keine Künstler, die mit Auftritten ihr Geld verdienen. Im Gegenteil: Viele haben eine kleine Rente.“ Allein die Erfassung der Lieder sei sehr aufwändig, ergänzt Inka Hettfleisch, Vorsitzende der Storkower Singgemeinschaft. „Da fragt man sich: Muss man alles mit Geld bewerten?“ Für Senioren sei gemeinsames Singen wichtig. In der Konsequenz führen die Forderungen bereits dazu, dass viele Veranstaltungen nicht mehr öffentlich angekündigt werden, berichtet thor Straten. Denn Mitarbeiter der Gema würden die Meldungen gezielt auswerten.

Dieses Vorgehen bestätigt die Verwertungsgesellschaft. „Wir gehen dem gezielt nach“, sagt Sprecherin Gaby Schilcher. Veranstalter seien verpflichtet, Auftritte auch in kleinem Rahmen zu melden. Dabei richten sich die Gebühren nach der Größe des Raums sowie der Höhe der Eintrittsgelder. Allerdings betont Schilcher, dass für nichtöffentliche Proben keine Abgaben fällig seien. Ebenso ist das Singen vieler Volkslieder kostenfrei, da deren Autoren seit mehr als 70 Jahren tot sind.

Auch die Volkssolidarität übt Kritik: Wenn Senioren sich in Ortsgruppen engagieren, dann müssten auch die Rahmenbedingungen stimmen, meint Jörg Jutzi vom Landesverband Brandenburg. „Die Gema-Forderungen sind kontraproduktiv.“ Für den Landeschorverband sind Gema-Gebühren mittlerweile ein großer Posten: zwischen 14  000 und 16  000 Euro würden jährlich gezahlt, sagt Vizepräsidentin Vera Schmidt. „Wenn man Schlager singt, wird es richtig teuer“, sagt sie. Selbst bei Proben in Kneipen würden mitunter Abgaben fällig. Das brandenburgische Kulturministerium fordert mehr Augenmaß von der Gema. „Es kann frustrierend sein, wenn für ehrenamtliche Veranstaltungen noch Rechnungen fällig werden“, so Sprecher Stephan Breiding.

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