Endrunde für den Deutschen Schulpreis : Geltow greift nach Schulpreis

Außen trist, innen innovativ: Die Meusebach-Grundschule ist für den Deutschen Schulpreis nominiert.
Außen trist, innen innovativ: Die Meusebach-Grundschule ist für den Deutschen Schulpreis nominiert.

„Das ist das Ergebnis von zehn Jahren harter Arbeit“, sagt Schulleiterin Monika Nebel.

von
10. Juni 2015, 08:00 Uhr

„Das ist das Ergebnis von zehn Jahren harter Arbeit“, sagt Schulleiterin Monika Nebel. „Wir haben diese Schule komplett umgekrempelt.“ Nebel setzt mit ihrem Kollegium vor allem darauf, die Kinder an der Gestaltung des Unterrichts zu beteiligen und das Gemeinschaftsgefühl zu stärken. Mit Erfolg: Die Meusebach-Grundschule in Geltow (Potsdam-Mittelmark) ist mit 14 weiteren Schulen aus ganz Deutschland in der Endrunde für den Deutschen Schulpreis nominiert, der heute von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verliehen wird. Und der hat es in sich: Der Sieger bekommt den Hauptpreis von 100  000 Euro.

„Wir wollen alle Schüler mitnehmen, jeden nach seinen Fähigkeiten“, sagt Nebel. So gibt es unterschiedliche Hausaufgaben zu einem Thema, unter denen die Kinder auswählen können. Kreativität wird ausdrücklich gefördert. „Bei Kunstprojekten können Kinder immer erfolgreich sein – und ein erfolgreiches Kind lernt auch gern“, erläutert Nebel das Konzept. So habe die Schule in den vergangenen Jahren bei Vergleichsarbeiten in Mathematik stets gut über dem Landesschnitt gelegen.

Der 11-jährige Jonas hofft sehr, dass seine Schule das Rennen macht und verweist auf vier Filme, die die Schüler in einer Arbeitsgemeinschaft gedreht haben. Einer handelt von ihrem Mitschüler Robby mit Down-Syndrom, der als Titelheld die Zirkus AG der Schule rettet. „Davon waren die Inspektoren schon beeindruckt“ erzählt er.

Die zwölf Jahre alte Nele ist auch sehr optimistisch, sie hat schon mit einer selbst geschriebenen Geschichte einen Preis beim Wettbewerb für neue Märchen der Stadt Brandenburg/Havel gewonnen. Ihre zehnjährige Schulkameradin Zoé ist besonders vom Kunstunterricht an ihrer Schule begeistert: „Da malen wir nicht nur mit dem Farbkasten, sondern bekommen ständig andere Materialien und Techniken“, sagt sie stolz. „Wir haben schon aus Seife geschnitzt, Pigmente verwendet und Ton bearbeitet.“

Gemeinsam mit Lehrern und Eltern haben die Kinder selbst eine Schulordnung geschrieben, die auch Regeln für Erwachsene gebietet: „Die müssen ihr Reden reduzieren“, sagt Jonas. Und Schüler, die etwas kaputt gemacht haben, müssen dem Hausmeister bei der Reparatur helfen. Auch gesunde Ernährung gehört dazu: Coole Kids verzichten auf Chips und Cola.

Den größten Erfolg hat die Schule sich schon selbst beschert: Die Zahl der Schüler ist in den vergangenen zehn Jahren von gut 70 auf knapp 180 gewachsen. „Und nun die Nominierung für den Schulpreis – das ist schon phänomenal“, freut sich Nebel. Und wenn es dabei bleibt? „Dann werden die dafür bereits fälligen 2000 Euro Preisgeld zwischen Lehrern und Schülern jeweils für Ausflüge redlich geteilt.“ Falls es mehr wird, stehen interaktive Tafeln, ein Beamer und Laptops auf der Wunschliste. Neben dem Hauptpreis gibt es fünf weitere Auszeichnungen mit einer Dotierung von jeweils 25  000 Euro.

Auch Brandenburgs Bildungsminister Günter Baaske (SPD) drückt der Grundschule die Daumen. „In diesem Jahr waren die Geltower schon Preisträger beim bundesweiten Wettbewerb ,Demokratisch Handeln‘“, sagt der Minister. „Und die Lehrerin Fritzi Rothe konnte ich im Mai als ,Lehrerin des Jahres‘ auszeichnen. Mit offenen Arbeitsformen und methodisch variabel unterstützt sie die Selbstständigkeit ihrer Schülerinnen und Schüler.“

In der Schule gibt es heute auf jeden Fall ein großes Fest: Die Preisverleihung wird vom im Fernsehen übertragen, so gibt es auf dem Schulhof ein Public Viewing auf Großleinwand. Der elfjährige Timon setzt darauf, dass seine Schule den ersten Preis bekommt. „Wir haben ja auch eine Schul-Hymne geschrieben“, sagt er selbstbewusst. Grundlage ist die Melodie „Horch, was kommt von draußen rein“ – und ein Liederbriefchen des Namenspatrons Karl Hartwig Gregor Freiherr von Meusebach, der vor 200 Jahren in Geltow lebte und den Grundstock für die Berliner Staatsbibliothek legte.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen