Kriminalität : Geldautomat samt Bank gesprengt

Das war eine Bank: In Vehlefanz haben Räuber einen Geldautomaten gesprengt und dabei gleich das ganze Haus aus den Angeln gehoben.  Fotos: Patrick Pleul/Petra Waschescio
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Das war eine Bank: In Vehlefanz haben Räuber einen Geldautomaten gesprengt und dabei gleich das ganze Haus aus den Angeln gehoben. Fotos: Patrick Pleul/Petra Waschescio

Explosion zerstört Gebäude in Oberhavel vollständig. Täter fliehen mit Geldsumme bislang unbekannter Höhe.

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04. Juni 2015, 17:43 Uhr

Der Bürgersteig ist übersät mit Glassplittern, der Geruch von geschmolzenem Kunststoff und Feuer liegt über dem Grundstück. Dort, wo bis Mittwoch die Außenwand der Volksbank-Filiale in Vehlefanz (Oberhavel) stand, klafft gestern ein mehrere Meter großes Loch. Die übrigen Wände des Klinkerbaus stehen windschief unter Bäumen.

In den Gesichtern der Nachbarn nur Fassungslosigkeit. „Jetzt weiß ich, wie es im Krieg gewesen sein muss“, sagt Johannes Krüger. Der 35-Jährige wohnt ganz in der Nähe des zerstörten Geldinstituts. Kurz nach 3  Uhr hat ihn ein ohrenbetäubender Knall aus dem Schlaf gerissen. „Ich dachte, ein Flugzeug ist abgestürzt.“ Der Blick aus dem Küchenfenster korrigierte ihn: kein Flugzeug. Aber was er sah, war nicht weniger abenteuerlich. Maskierte Männer rannten auf ihr Fluchtauto zu. Bevor sie Richtung Autobahn davonrasten, verloren sie Geldkassetten und Gasflaschen. Mit gezückter Waffe jagte ihnen zu Fuß ein Polizeibeamter hinterher. Johannes Krüger war Zeuge der vorläufig letzten Etappe eines Banküberfalls.

Auch die anderen Nachbarn können am Tag nach dem Krimi im Dorf noch nicht begreifen, was passiert ist. Sie alle waren mitten in der Nacht von der Explosion geweckt worden.

Das Wachschutzunternehmen hatte die Polizei alarmiert. Schnell waren die Beamten vor Ort. Polizeisprecherin Ariane Feierbach bestätigte gestern die Beobachtungen der Zeugen weitgehend. Zwei Räuber seien noch am Tatort gewesen, als die Polizei eintraf. Augenzeugen hatten von drei Männern gesprochen. Sie flohen in einem dunklen Pkw mit Berliner Kennzeichen Richtung Autobahn und konnten entwischen.

Was genau in der Nacht passiert ist, ist auch gestern Nachmittag noch nicht klar. Stundenlang warten die Kriminalisten, bis sie ins Haus dürfen. Statiker müssen zunächst prüfen, ob akute Einsturzgefahr besteht. Am Nachmittag scheint aber zumindest festzustehen, dass die Täter Geld erbeutet haben, obwohl sie bei ihrer Flucht Geldkassetten verloren hatten. Das bestätigt Nancy Mönch, Pressesprecherin der Berliner Volksbank. Für sie ist die Sprengung des Geldautomaten nicht zu verstehen: „Wir sind schockiert, dass Menschen wegen so wenig Geld ein so wahnsinniges Risiko eingehen und andere Leute einer solchen Gefahr aussetzen. Man wird nicht reich, wenn man einen Geldautomaten sprengt. Das lohnt nicht.“

In der Vergangenheit wurden in Brandenburg immer wieder Bankautomaten gesprengt. Laut Polizeisprecherin Feierbach aber waren die Auswirkungen noch nie so gravierend.

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