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Pilzsaison : Geld verdienen mit Pilzen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Forstexperten klagen über gewerbliche Sammler / Konkrete Zahlen zu Gesetzesverstößen fehlen aber

svz.de von
erstellt am 25.Sep.2014 | 07:50 Uhr

Die aktuelle Speisekarte des Schloss-Restaurants Ziethen im Kreis Oberhavel liest sich verführerisch: „Gebratene heimische Steinpilze mit grünen Bohnen und Speck vom Schwanter Wollschwein“ gibt es zum Beispiel. Heimische Steinpilze? Gewerbliches Pilzesammeln ist laut Landeswaldgesetz verboten, also wo kommen die Ziethener Leckereien her? „Von Händlern aus Bayern und Österreich“, räumt Küchenchef Carsten Obermayr freimütig ein. „Leider haben wir keine Hobbysammler an der Hand, die uns Pilze aus dem hiesigen Wald bringen.“ In anderen Restaurants sei es gang und gäbe, dass Privatleute gegen Bezahlung ihre Pilze anbieten.

Eine Einschätzung, die der Direktor des Landesbetriebs Forst teilt – und bitter beklagt. „Statt Spargelzeit sind jetzt vielerorts Pilzwochen. Das ist offenbar gut für das Geschäft“, konstatiert Hubertus Kraut. „Und da die Gastwirte wohl kaum selbst sammeln, dürften die Pilze auf den Tellern oft von illegalen gewerblichen Sammlern stammen.“ Diese würden ihre Ware zudem zuweilen auch am Straßenrand zum Verkauf anbieten, ergänzt Kraut. Ein Phänomen, das seit Jahren bundesweit zunimmt und nun auch Brandenburg erfasst hat, wie Forstexperten beobachtet haben.

Martin Hasselbach, Geschäftsführer des Waldbesitzer-Verbands Brandenburg, erzählt, dass mitunter Busse mit zehn, 15 Leuten an Bord in die Wälder fahren, und diese Sammler dann mit extra großen Körben ausschwärmen und den Wald leer suchen. Wie viele solcher Fälle es gibt, vermag er nicht zu sagen. Und er wolle die Lage auch überhaupt nicht dramatisieren. Aber es sei an der Zeit, klarzustellen, dass das Sammeln „nicht geringer Mengen“ eine Ordnungswidrigkeit ist. „In der Vergangenheit wurde das zu leger gehandhabt. Damit muss Schluss sein.“


Massensammler bleiben oft noch unbehelligt


Hubertus Kraut betont, dass es nicht nur um den Schutz von Eigentum gehe, sondern auch um die Bewahrung des natürlichen Gleichgewichts. Großflächiges Absammeln beeinträchtige die Vermehrung der Pilze. Es gelte also, die Übernutzung zu vermeiden. In welchem Umfang diese Vergehen in Brandenburg geahndet werden, vermag der Direktor des Landesforstbetriebs nicht zu sagen. „Mir ist kein einziger solcher Fall bekannt“, erklärt Hubertus Kraut.

Henry Herold, dem Leiter der Oberförsterei Siehdichum südlich von Frankfurt (Oder), geht es ähnlich. Fälle von massenhafter Sammelei seien ihm vereinzelt zu Ohren gekommen, aber nicht in seinem Beritt. Man müsste diese Sammler dann auf frischer Tat ertappen und schauen, ob es sich um Wiederholungstäter handelt, erst dann werde man sich dazu entscheiden, ein Bußgeld zu verhängen, schildert Herold. Eine Konstellation, die es in Praxis selten geben werde, vermutet Herold.

Auch die gesetzliche Auflage, pro Tag maximal die Menge Pilze für eine Mahlzeit zu sammeln, würden er und seine Kollegen großzügig auslegen. „Jetzt ist nun mal Pilzsaison, und mir ist klar, dass sich die Liebhaber für die nächsten Monate bevorraten wollen“, sagt Herold. Hubertus Kraut verweist ebenfalls auf die Verhältnismäßigkeit möglicher Vergehen. „Holz stehlen oder Müll abladen im Wald sind wesentlich schwerere Verstöße. Deshalb dürften gewerbliche Pilzsammler im Fall der Fälle zunächst auch einmal mit einer Belehrung davonkommen“, schätzt Hubertus Kraut ein. Schleierhaft sei ihm jedoch, wie sich Restaurants oder Privatleute darauf einlassen können, Waldpilze von Fremden zu kaufen. „Natürlich besteht dabei das Risiko, dass mal ein giftiger Pilz dabei ist.“

In Bayern etwa geben die Behörden übrigens anders als in Brandenburg auf Antrag Genehmigungen für das gewerbliche Sammeln aus. Trotzdem stammen längst nicht alle bayerischen Steinpilze tatsächlich aus dem Freistaat.

Der bundesweit agierende Gemüsegroßhändler Walhalla aus Barbing bei Regensburg zum Beispiel bezieht seine Steinpilze aus Osteuropa. „Gestern in Rumänien geerntet, heute bei uns frisch im Laden, das ist gar kein großer Aufwand“, erzählt Walhalla-Geschäftsführer Peter Brunsch.

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