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Exoten in Brandenburg : Gefährliche Hausfreunde

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Weil sich immer mehr Brandenburger Exoten halten, steigt auch die Zahl der ausgesetzten Tiere

svz.de von
erstellt am 05.Okt.2015 | 12:00 Uhr

Immer mehr Brandenburger entscheiden sich für ein exotisches Haustier. Schlangen, Spinnen und Echsen gehören zum Standard-Sortiment fast jeder Zoohandlung. Zugleich steigt die Zahl ausgesetzter Tiere und gefährlicher Begegnungen mit ihnen.

Die Schlangen haben noch mal Glück gehabt. „Wären die exotischen Tiere nicht gefunden worden, hätten sie kaum eine Überlebenschance gehabt“, sagt Judith Pein von der Tierschutzorganisation Peta. Die Rede ist von zwei Königspythons und einer Kornnatter, die vor wenigen Tagen in einem Wald nahe Finsterwalde (Elbe-Elster) entdeckt wurden. Sie sind nicht giftig, beißen aber zu, wenn sie sich bedroht fühlen.

Inzwischen hat die Feuerwehr die Tiere nach Cottbus gebracht, wo sie von Marcus Meritz betreut werden. Der Reptilienfreund hält auf seinem Grundstück Riesenschlangen, Geckos und einen Mississippi-Alligator. Dem Veterinäramt half er schon einige Male, wenn exotische Tiere ausgesetzt wurden. Nach acht Wochen Quarantäne will Meritz die Schlangen abgeben, aber nur in fachkundige Hände, sagt er.

Aufwand und Kosten oft unterschätzt

Noch ist unklar, ob die Schlangen ausgesetzt wurden oder aus einer Tierhaltung entkamen. „Wurden sie ausgesetzt, hat sich der Halter strafbar gemacht“, erklärt Peta-Aktivistin Pein. Immer wieder würden Tiere von verantwortungslosen Menschen wie Wegwerfware behandelt. „Oft sind es Reptilien, deren Halter sich nicht ausreichend mit den Bedürfnissen der anspruchsvollen Lebewesen auseinandergesetzt haben, sodass ihnen dann Aufwand, Kosten und – im wahrsten Sinne – die Tiere selbst über den Kopf wachsen“, meint Pein.

Weil immer mehr Menschen in Deutschland Exoten halten, steigt die Zahl ausgesetzter oder entkommener Tiere. Auch im Land wurde in den vergangenen Jahren regelmäßig von ungewöhnlichen Entdeckungen berichtet. Vor zwei Jahren meldete ein Mann aus Bernau (Barnim), dass vor seinem Haus ein Serval unterwegs ist. Ein spezialisierter Tierarzt fing das männliche Jungtier mit einem Netz ein. Gut möglich, dass die Raubkatze illegal gehalten wurde.

Im Fall des vor wenigen Wochen ausgesetzten Tigerbabys Diego vermutet Ziehmutter Doris Tesch, dass das Tier aus einem Zirkus stammt. Der Tierärztin aus Bernau gelang es, den völlig dehydrierten Patienten wieder aufzupäppeln. Unbekannte hatten das Tier vor ihrer Haustür abgelegt.

Vor allem aber werden immer wieder exotische Schlangen von ahnungslosen Passanten entdeckt. Vor zwei Monaten bemerkten Bewohner von Schönow (Barnim) im Vorgarten eine Boa constrictor. Anderthalb Jahre zuvor war eine Spaziergängerin auf einer Wiese zwischen Bernau und Schwanebeck (Barnim) einem vier Meter langen Tigerpython begegnet. Für ein Kind könnte eine so große Würgeschlange zur tödlichen Gefahr werden, warnen Experten.

Selbst in Baumärkten könne man empfindliche Tiere wie Schlangen, Spinnen und Echsen für wenig Geld erwerben, sagt Peta-Mitglied Judith Pein. „In nahezu jeder größeren Stadt finden regelmäßig Börsen statt, auf denen
Tiere wie auf Flohmärkten verschachert werden.“

30000 Reptilien in fünf Jahren

Der Deutschen Tierschutzbund spricht von einem traurigen Trend, weil letztlich viele Exemplare im Tierheim landen. Drei Viertel der etwa 750 angeschlossenen Vereine hätten in den vergangenen fünf Jahren Reptilien aufnehmen müssen – hochgerechnet rund 30  000 Tiere, berichtet Sprecher Marius Tünte. Es seien auch gefährliche Arten wie Schnappschildkröten, Riesenschlangen, Warane und ein Brillenkaiman beim Tierschutz gelandet. „Dabei geraten die Vereine an ihre Grenzen, was die geeignete Unterbringung und Versorgung betrifft“, sagt Tünte.

Tierschützer wie er lehnen das Halten von Exoten im Haushalt generell ab – auch, weil die artgerechte Haltung in Gefangenschaft nicht möglich sei. Tatsächlich aber ist für die Haltung vieler Exoten in Brandenburg keine Genehmigung notwendig. Im Gegensatz zu anderen Bundesländern ist hierzulande selbst die Haltung von gefährlichen Tieren kaum beschränkt.

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