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„Wald der Erinnerung“ : Gedenkstätte in der Kaserne

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Im Einsatzführungskommando wird der „Wald der Erinnerung“ errichtet / Dort stehen Namen der im Einsatz getöteten Soldaten

svz.de von
erstellt am 01.Okt.2014 | 15:04 Uhr

Ein mit erdfarbenen Ziegeln gepflasterter Weg führt von einem kleinen, geduckten Informationsgebäude in ein lichtes Wäldchen. Links und rechts stehen sieben Stelen, auf denen Namen eingraviert sind, Namen und Einsatzorte von getöteten Soldaten. 104 Bundeswehrangehörige haben bei Auslandseinsätzen bislang ihr Leben verloren, ein Drittel davon starb in Gefechten. „Ich finde, es ist ein würdevoller Ort geworden“, sagt Mario Carlsson.

Der Oberstleutnant meint den „Wald der Erinnerung“, der in den vergangenen Monaten in der Henning-von-Tresckow-Kaserne in Geltow (Potsdam-Mittelmark) gestaltet wurde, auf einer kleinen Anhöhe. Der 4500 Quadratmeter große und mit zwei Millionen Euro Baukosten veranschlagte Gedenk- ort strahle allein schon durch seine Lage abseits der zentralen Kasernenbauten des Einsatzführungskommandos viel Stille aus, meint Presseoffizier Carlsson.

Zwischen den Bäumen wurden zudem Ehrenhaine wieder aufgebaut, die ursprünglich in den Einsatzgebieten in Afghanistan und Bosnien standen – darunter eine lange Mauer, die von Soldaten im Feldlager Kundus in Eigenregie errichtet wurde.

„Hier soll aber an alle Soldaten und zivile Kräfte gedacht werden, die im Dienst ihr Leben verloren haben, etwa bei Manövern oder Verkehrsunfällen“, erklärt Carlsson.

Insgesamt 3200 Todesfälle wurden seit Gründung der Bundeswehr registriert. Die Angehörigen können Schilder wie in Friedwäldern an den Bäumen anbringen. Nur Bestattungen sind auf dem Gelände ausgeschlossen, stellt der Oberstleutnant klar. „Die meisten Soldaten werden ja am Wohnort der Familien beigesetzt.“

Die Initiative für die neue zentrale Gedenkstätte, die es in anderen Staaten in der Form noch nicht gibt, sei von Angehörigen ausgegangen, berichtet Carlsson. So hatte die Mutter der im Jahr 2008 auf der Gorch Fock ums Leben gekommenen Kadettin Jenny Böken immer wieder Anstoß gegeben. Mittlerweile leitet die 56-jährige Marlis Böken eine Stiftung, die sich um die Hinterbliebenen verunglückter Bundeswehrangehöriger kümmert. In Arbeitsgruppen wurde lange über den Gedenkort diskutiert, mehr als ein Dutzend Liegenschaften wurden geprüft.

Doch gerade an der Auswahl des Ortes gibt es Kritik. Die Gedenkstätte ist zwar für jedermann zugänglich – allerdings erst nach einer Passkontrolle und der Begleitung durch einen Besucherdienst. „Ich hätte mir einen zentralen Ort gewünscht, insbesondere in der Nähe des Bundestages. Dort wird über die Einsätze entschieden“, sagt Johann Clair, Vize-Vorsitzender des Bundes Deutscher Veteranen. „Aber es ist ein erster großer Schritt hin zu einer Erinnerungskultur in der Bundeswehr.“ Clair diente selbst sieben Monate als Fallschirmjäger in Afghanistan.

Letztlich entstehe die Anlage dort, wo die Auslandseinsätze der Truppe koordiniert werden, betont Carlsson. „Im Einsatzführungskommando besteht eine große Nähe zur Thematik, da hier auch zuerst die Nachrichten von gestorbenen Soldaten eintreffen.“ Jede dieser Nachrichten mache sehr betroffen. „Und sie führen uns immer wieder vor Augen, mit welchen Risiken und Konsequenzen der Dienst in einer Einsatzarmee verbunden ist.“

Einen Tag vor dem Volkstrauertag, am 15. November, soll der „Wald der Erinnerung“ von Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und Bundespräsident Johannes Gauck eröffnet werden. Überhaupt sei über die Planungen direkt im Verteidigungsministerium entschieden worden, sagt Carlsson. „Es war Chefsache.“

 

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