Lesen : Futter für den Geist

Stephanie, Karla und Ulrich Schmook sowie Mitarbeiterin Angelika Kapps (2.v.l.).
Foto:
1 von 2
Stephanie, Karla und Ulrich Schmook sowie Mitarbeiterin Angelika Kapps (2.v.l.).

Angermünder Ehm Welk-Buchhandlung gehört bundesweit zu den besten unabhängigen Händlern für Lesestoff

svz.de von
25. September 2015, 10:52 Uhr

Die Angermünder Ehm Welk-Verlagsbuchhandlung ist mit dem Deutschen Buchhandlungspreis 2015 ausgezeichnet worden. Der erstmals verliehene Preis der Bundesregierung ehrt deutschlandweit 108 unabhängige Buchhandlungen, davon zwei in Brandenburg. Es ist nicht die erste Auszeichnung, die Inhaberin Karla Schmook erhielt. Aber es ist eine mit großer politischer Signalwirkung.

Mit dem Deutschen Buchhandlungspreis würdigt die Bundesregierung lokale, inhabergeführte Buchhandlungen, die sich durch besonderes Engagement bei der Leseförderung von Kindern und Jugendlichen, Qualität im Sortiment und Literaturförderung, durch kulturelle Veranstaltungen und innovative Geschäftsmodelle abheben.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters, nannte bei der Preisverleihung lokale Buchhandlungen wie die Angermünder Ehm Welk-Verlagsbuchhandlung „geistige Tankstellen unserer Kulturlandschaft“. In der Deutschen Nationalbibliothek betonte Monika Grütters, die Kulturpolitik müsse alles daran setzen, die Freiheit der Kunst und die ästhetische Vielfalt zu sichern – zum Beispiel, indem durch den Erhalt der Buchpreisbindung dafür gesorgt werde, dass „Bücher auch künftig anders behandelt werden als bloße Handelsobjekte, als Gartenmöbel oder Staubsaugerbeutel“.

Für Karla Schmook und ihre Familie ist die Ehrung eine Ermutigung, ihren Weg weiterzugehen. „Wir sind einzigartig. Nur so konnten wir bis heute bestehen“, sagt die Buchhändlerin selbstbewusst. Als sie nach der Wende die Volksbuchhandlung Angermünde, die zuvor den staatlichen Auftrag hatte, Betriebe und Bevölkerung mit Büchern zu versorgen, als Familienunternehmen privat weiterführte, musste sie sich der rasant verändernden Gesellschaft umorientieren. Lesegewohnheiten, Kundenwünsche und Vertriebsformen änderten sich, hinzu kam die mächtige Konkurrenz im kaum überschaubaren Büchermarkt. Um sich zu behaupten, musste sich Karla Schmook ihre Nische finden.

Der Zwangsauszug aus dem Geschäft in der Berliner Straße nach einem Wasserschaden und der Neubau unter strengen Denkmalschutzauflagen in der Rosenstraße habe sich trotz Problemen und existenziellem Druck als Glücksfall erwiesen, resümiert Karla Schmook. Die Lage in der historischen Altstadt sowie die Orientierung auf qualitativ hochwertige und regionale Literatur machen die Ehm Welk-Buchhandlung unverwechselbar.

„Man muss sich immer wieder neu an den Kundenwünschen orientieren und ihnen mit einer behaglichen Gestaltung des Geschäftes und Veranstaltungen einen Ort zum Wohlfühlen und Austausch bieten. Wir sind auch ein kultureller und sozialer Treffpunkt“, sagt die Buchhändlerin.

Vor fünf Jahren gründete die Familie mit Tochter Stephanie als Fachfrau den eigenen Verlag, der auf Regionalität setzt und vorrangig mit Autoren und Illustratoren aus Angermünde und der Uckermark zusammenwirkt.

„Buchhandel ist ein sehr lebendiger Markt, auf den wir ständig neu reagieren müssen. Aber wir wollen nicht beliebig sein und uns nur an Bestsellerlisten orientieren, sondern guten kleinen und Nischen-Verlagen die Tür öffnen“, erklären die Schmooks. Das Konzept wurde nun den Preis gewürdigt.  

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen