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Ist das Land nicht vorbereitet? : Furcht vor der Seuche

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

In Polen und Weißrussland herrscht die höchste Alarmstufe: Immer wieder werden Wildschweine gefunden, die an der afrikanischen Schweinepest verendet sind.

In Polen und Weißrussland herrscht die höchste Alarmstufe: Immer wieder werden Wildschweine gefunden, die an der afrikanischen Schweinepest verendet sind. Eine gefährliche Tierseuche, die in Mitteleuropa noch nicht heimisch ist, und die bei einem Landwirt dazu führen würde, dass der gesamte Schweinebestand getötet werden müsste. Und Wildschweine halten sich nicht an Ländergrenzen. Ähnlich wie Wölfe oder Elche könnten auch mit dem Schweinepesterreger infizierte Sauen und Keiler von Polen nach Brandenburg zuwandern.

„Wir sind alarmiert und nehmen die Situation ernst“, sagt Lothar Wiegand, stellvertretender Sprecher im Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft. So wie bei der herkömmlichen Schweinepest würden auch im Fall der afrikanischen Schweinepest Schutzmaßnahmen greifen, um eine weitere Ausbreitung der Seuche zu verhindern.

Der Landesbauernverband warnte schon im April seine Mitglieder, sich auf die Tierkrankheit vorzubereiten. „Wir haben allen Landwirten geraten, etwa den Besucherverkehr in den Ställen einzuschränken“, sagt Pressesprecher Holger Brantsch. „Seuchenwannen zum Durchfahren sind auch eine Sache, die man als Landwirt selber machen kann.“ Die afrikanische Schweinepest sei ohne Frage eine Gefahr.

Auch das Gemeinsame Landeslabor der Länder Berlin und Brandenburg ist auf einen Ausbruch der Tierseuche vorbereitet. Pro Woche könnte in 1 000 Proben der Virus und in 2 000 Proben serologische Antikörper nachgewiesen werden, heißt es in einer Antwort des Ministeriums für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz auf eine Anfrage des FDP-Landtagsabgeordneten Gregor Beyer.

Doch wird es keine verstärkte Jagd auf Wildschweine geben: Eine Studie des Friedrich-Löffler-Instituts gehe vielmehr davon aus, dass die größte Gefahr bei der Einschleppung der Schweinepest der Mensch darstellt. „Dieser Eintrag kann an jedem Ort in Deutschland erfolgen“, heißt es in der Antwort des Ministeriums. „Deshalb steht derzeit die verstärkte Überwachung der Wildschweinpopulation durch vorrangige Untersuchung von verendeten Wildschweinen – als sogenannte Indikatortiere – im Vordergrund.“

Der Hobbyjäger Beyer wirft der Landesregierung trotzdem vor, nicht hinreichend auf die afrikanische Schweinepest vorbereitet zu sein. Brandenburg sei ein Bundesland mit einer hohen Wildscheinpopulation. Nötig seien spezielle Sammelstellen für Wildschweine, die im Wald an der Schweinepest verendet seien und unverzügliche Untersuchung solcher Kadaver.

Bei vergangenen Ausbrüchen der Schweinepest hätten Jäger die erlegten Wildschweine in teils weit entfernte Wildsammelstellen bringen müssen. Das sei „kontraproduktiv“ gewesen, sagt Beyer: Die Zahl der erlegten Wildschweine ging wegen des Mehraufwands sofort zurück. Kritisch äußert sich auch der Sprecher des Landesbauernverbands: Denn wenn etwa zu einer massenweisen Tötung von Schweinen kommen müsste, wäre der Einsatz spezialisierter Fachfirmen nötig. „Dazu müssen schon im Vorfeld Rahmenverträge abgeschlossen werden, damit man im Fall des Falles, der hoffentlich nie eintritt, vorbereitet ist“, so Brantsch. Doch die Verträge gebe es derzeit noch nicht.

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