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Verspielt : Flughafen aus Klötzchen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Zwei Computerspieler bauen den BER nach – ohne Pannen, aber auch ohne konkreten Eröffnungstermin

svz.de von
erstellt am 14.Okt.2014 | 11:57 Uhr

An manche Details wollen sich Patrick Walde und Christoph Basler bei ihrem virtuelle Bau des neuen Schönefelder Flughafensdann doch nicht wagen, etwa den Bau der Brandschutzanlage, was im BER-Terminal zu dramatischen Problemen, personellen Konsequenzen und mehrfacher Verschiebung des Eröffnungstermins geführt hat. Auch bei ihrem „Project BER“ gibt es Verzögerungen – und technische Probleme. „Das ist eine Nummer zu groß, es würde Monate an Arbeit kosten“, sagt Walde. Und ob sich dann die Entrauchungsklappen per Knopfdruck öffnen lassen – dies sei mehr als fraglich.

„Wir haben das Ding bewusst weggelassen.“ „Monster“ nennt Flughafenchef Hartmut Mehdorn die komplizierte Anlage, an der sich derzeit Siemens-Techniker die Zähne ausbeißen. Walde und Basler sind aber keine neu eingestellten Ingenieure, die das Pannenprojekt vorantreiben sollen, für das sich schon Ingenieure verantwortlich zeichneten, die über keine Qualifikation verfügten. Die beiden Computerfans aus Eichwalde (Dahme-Spreewald) und dem Münsterland haben den Anspruch, den Flughafenbau zumindest virtuell zum Abschluss zu bringen – ein Projekt, welches insgesamt auch schon zweieinhalb Jahre dauert.

Die Gebäude des Airports, Innenansichten und Plätze werden dabei mit einzelnen Klötzchen nachgebaut. Als Plattform dient Minecraft, mit 100 Millionen Spielern das derzeit größte Computerspiel der Welt. Dort entstehen aus den kleinen Bausteinen gigantische Werke. So wurde unter anderem die Star-Trek-Enterprise, Königsschlösser oder Wolkenkratzer in New York nachgebaut. „Das ist Lego für Erwachsene“, meint Walde. Dabei ist er auf Fotografien des Originals angewiesen. Für Nachschub sorgte im Sommer die Flughafengesellschaft, die beide Hobby-Architekten zu einem Rundgang auf der Baustelle eingeladen hatte. Hunderte Aufnahmen seien entstanden, berichtet Walde, auch von Details, Stufen, Säulen, Fassaden.

Schon beim Probebetrieb im Frühjahr 2012 waren sie als Komparsen dabei. „Wir waren vom Terminal absolut überwältigt“, meint der 24-jährige Walde, der eine Ausbildung zum Berufkraftfahrer absolviert. Sein 23-jähriger Mitstreiter arbeitet als Fluggerätemechaniker bei Rolls Royce in Dahlewitz.

„Als Flughafen-Fans können wir auch Begeisterung entwickeln.“ Allerdings gerät das Projekt immer wieder ins Stocken, wenn die Freizeit knapp wird. Ebenso nehmen sich beiden schöpferische Pausen, um nicht die Lust am Bauen zu verlieren. Dennoch seien bereits 60 Prozent des Flughafens fertiggestellt, berichtet Walde, ein gebürtiger Berliner. Das Terminal steht, ebenso Parkhäuser, Kongress-Zentrum, das Hotel Steigenberger, der unterirdische Bahnhof sowie Tower und Start-und Landebahnen. Nur die Sicherheitsbereiche sind tabu.

Viel Arbeit steht noch bevor: Allein das Dach des Terminals wurde von den virtuellen Baumeistern aus 300 000 Klötzchen zusammengefügt. Wann sie Eröffnung des Computer-Flughafens feiern können, steht noch nicht fest. „Wir machen keine leeren Versprechungen“, sagt der Projektleiter mit Blick auf die BER-Planer. Auch technische Probleme hat Walde schon gemeistert. So ließ er bei einer Simulation einmal ein Gewitter über den Flughafen ziehen, daraufhin brannte es im Parkhaus. Eine bauliche Veränderung brachte die Lösung.

Immerhin hat sich bereits eine kleine Fangemeinde um das Projekt gescharrt, im Internet gibt es viel positive Resonanz. Auch die Flughafengesellschaft hat den virtuellen Airport schon in einem Blog erwähnt. „Da sind wir fast in die Luft gesprungen. Das ist eine Würdigung unserer Arbeit“, sagt Walde.

 

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