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Fliegende Mimosen und Gewaltverbrecher

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Was Vögel eigentlich den ganzen Tag machen und welche von ihnen wahre Rowdys der Lüfte sind

„Ich wollt, ich wär’ ein Huhn“, sangen die Comedian Harmonists. „Ich hätt’ nicht viel zu tun.“ Jeder Vogelkundler weiß, dass der Männerchor hier falsch lag, denn Hühner und Wildvögel haben alle Federn voll zu tun. Zu ihrem Tagesablauf gehört das Fressen, Singen, Balzen, Kämpfen, die Federpflege, das Baden und das aktive Ausruhen.

Gibt es unter den Vögeln Vielfraße? Der Vogelfachmann des Naturschutzbundes, Ulf Bähker, schüttelt den Kopf. „Das würde ich so nicht sagen. Es gibt unter ihnen Vegetarier, Aasfresser, Räuber und Fischspezialisten. Die Vogelwelt ist sehr abwechslungsreich“, erklärt der Hobby-Ornithologe. Zu den Vegetariern in unserem Landstrich gehören die Finken, die sehr kräftige Schnäbel haben, um an die „körnige Nahrung“ zu kommen. Zu den typischen Fleischfressern gehören Greifvögel, die Bussarde an den Straßenrändern, weil dort einiges an tierischen Verkehrsopfern anfällt: Mäuse, Hasen oder auch mal etwas Größeres. Auch Kolkraben oder Rabenkrähen sind Fleischliebhaber. Zu den Fischspezialisten gehören hier die Fisch- und die Seeadler.

Welche Vögel sind besonders faul? Ulf Bähker lacht und meint, dass er als Vogelfreund keinen Vogel als besonders faul bezeichnen würde. Es gebe im Gegenteil sogar Vögel, die ihre Zeit sinnvoll nutzen, wenn sie gerade nichts zu tun haben. „Rabenvögel sind nachgewiesen clever. Die spielen dann durchaus, ähnlich wie Sittiche und Papageienarten“, erklärt er. Ein Zeichen, dass die Gehirne weiter entwickelt sind, als nur zwischen Fressen und Vermehrung zu unterscheiden.

Eine typische Aufgabe, mit der sich Vögel im Tagesverlauf herumplagen, ist die Revierverteidigung. Das klassische Beispiel dafür seien die Singvögel, die mit dem Singen nicht nur eine Partnersuche verbinden, sondern auch ihre Reviere verteidigen. Die Größe der Reviere sei unabhängig von der Art. „Das kommt nur auf das Nahrungsangebot an. Wenn viel Nahrung da ist, dann sind die Reviere kleiner, manchmal sogar nur ein Grundstück groß“, erläutert Bähker. Gerade beim Eisvogel und beim Rotkehlchen hat man das beobachtet. „Man sollte beim Stimmen-Nachmachen nicht übertreiben, vor allem mit einem Rekorder. Denn es kann dabei vorkommen, dass ein Vogel aus dem Revier vertrieben wird.“ Lautes Singen ist wie ein Angriff für die gefiederten Tiere.

Typische Beispiele für Revierkämpfe kennt der Laie von Weißstörchen. „Bei denen geht es stellenweise richtig brutal her. Insbesondere die Halbstarken unter ihnen verletzen ihre Artgenossen manchmal schwer, wenn sie einen Horst erobern wollen“, erklärt der Nabu-Experte. In der Rangliste der häufigsten Tätigkeiten von heimischen Vögeln kommt nach der Nahrungssuche das Ruhen, Singen und das Putzen. Erst an fünfter Stelle folgen aggressive Auseinandersetzungen.

Zu den üblichen Beschäftigungen von Vögeln gehört bei Wandervögeln auch der Zug oder das Wegstreichen. Es fliegen nicht nur Vögel aus Brandenburg in den Süden. Der Nordosten der Republik ist gleichzeitig das „Afrika“ für skandinavische oder osteuropäische Vögel. In diesem Jahr wurden wieder relativ viele Seidenschwänze aus dem Norden bei uns gesichtet, wie Ulf Bähker berichtet. Auch eine Sumpfohreule wurde gesehen. „Das ist ein Zeichen dafür, dass bei ihnen Zuhause die Nahrung knapp war.“



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