„Weissensee“ : Filmdreh in Mielkes Büro

Familie Kupfer unter sich: Die Schauspieler Ruth Reinecke, Uwe Kockisch, Florian Lukas, Jörg Hartmannund Anna Loos am Rande der Dreharbeiten zur dritten Staffel der ARD-Hauptabendserie „Weissensee“ (l.-r.).
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Familie Kupfer unter sich: Die Schauspieler Ruth Reinecke, Uwe Kockisch, Florian Lukas, Jörg Hartmannund Anna Loos am Rande der Dreharbeiten zur dritten Staffel der ARD-Hauptabendserie „Weissensee“ (l.-r.).

Ehemalige Stasi-Zentrale in Lichtenberg ist Schauplatz der dritten Staffel von „Weissensee“

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05. Dezember 2014, 11:49 Uhr

Auf dem Tisch von Stasi-Chef Erich Mielke liegt eine Ausgabe des „Neuen Deutschland“ vom 9. November, neben einer Schachtel mit Reißzwecken sind Protokollblätter lose auf dem braunen Holz verstreut. Die Notizen zeugen vom immer lauteren Aufbegehren des Volkes. Lange wird es nicht mehr dauern, bis die Protestler auch die Stasi-Zentrale stürmen werden.

Doch noch hat Stasi-Offizier Falk Kupfer (Jörg Hartmann) seine Uniform nicht abgelegt. „Hey, Kollege, das ist alles original“, ruft der Schauspieler, als ein allzu eifriger Fotograf beim Set-Termin im holzgetäfelten Konferenzraum ein weißblaues DDR-Kaffeeservice vom Tisch zu schieben droht. Dann ruft Regisseur Friedemann Fromm auch schon zum Dreh. Es gilt, keine Zeit zu verlieren. Bis Dezember soll die dritte Staffel abgedreht sein, die im Herbst 2015 in der ARD zu sehen sein wird.

Sie beginnt am Vormittag des 9. November 1989. Stasi-Familie Kupfer sitzt beim Essen am Tisch. „Eine merkwürdige Szene“, findet Uwe Kockisch. „Ich sitze ruhig da, aber alle Zuschauer wissen, was an dem Abend passiert“, sagt der gebürtige Cottbuser. Er selbst habe am 9. November die Schabowski-Pressekonferenz Wodka trinkend vor dem Fernseher erlebt. „Ich bin dann raus zur Telefonzelle und habe eine Freundin angerufen.“ Sie bestätigte, dass er sich nicht verhört hatte. Also fuhr Kockisch ins Berliner Maxim-Gorki-Theater, um mit den Kollegen zu feiern. „Die haben mich erst nur blöd angeguckt.“

Bei dem Dreh in der Stasi-Zentrale mit den alten grauen Vorhängen kommen auch bei den Schauspielern eigene Erinnerungen hoch. „Wenn ich mit Uwe im Wartburg fahre, dann ist das wie eine Zeitreise“, sagt Katrin Sass, die den Mauerfall in Babelsberg erlebte. Als Sängerin Dunja Hausmann schließt sie sich in „Weissensee“ der DDR-Protestbewegung an. So politisch sei sie selbst nicht gewesen, „auch wenn ich einen starken Freiheitsdrang gehabt habe“, gesteht die 58-Jährige. Obwohl es auch einen Anwerbungsversuch durch die Stasi gegeben habe, sei sie niemals in der Zentrale gewesen. „Das war doch hier alles total abgeschottet“, erinnert sich Sass, die die historischen Räume als „beklemmend“ empfindet.

Auch Florian Lukas hat den Ort an der Lichtenberger Normannenstraße immer gemieden, selbst nachdem er schon Museum war. „Weil er mich an Dinge in meiner Jugend erinnert, die ich nicht so toll fand, zum Beispiel die militärische Erziehung“, sagt Lukas, der an diesem Tag im Blaumann-Kostüm unterwegs ist.

Es macht fast den Eindruck, als würde der Schauspieler, dem in der Serie die Liebe wichtiger ist als die Staatsmacht, ein wenig sich selbst spielen. Während des Mauerfalls ging Lukas noch in Prenzlauer Berg zur Schule. „Ich war schon aufmüpfig“, sagt der 41-Jährige. Doch erst am 11. November 1989 sei er rüber nach Kreuzberg und habe gedacht, „eigentlich haben sie hier doch das gleiche Pflaster wie bei uns“.

Die Szene, wie er als Martin Kupfer über die Bornholmer Brücke geht und plötzlich im Wedding steht, hat er gerade abgedreht. „Florian weiß in dem Moment gar nicht, was er eigentlich im Westen soll.“ Doch dann fasst er den Mut, seine durch Zwangsadoption entrissene Tochter zurückzuholen. Helfen soll ihm dabei die West-Journalistin Katja Wiese (Lisa Wagner).

„Unser Quoten-Wessi“, sagt Regisseur Fromm lachend über die Neue im Team. Ihm sei es bei der Wende-Staffel vor allem um das große Thema Freiheit gegangen, mit allen Licht- und Schattenseiten. Und so stellen die Ereignisse die Familie Kupfer vor Zerreißproben.

In den nächsten Tagen wird die Stürmung gedreht. Am 15. Januar 1990 wurden in Lichtenberg die Zentrale der Geheimpolizei besetzt und ihre Akten gesichtet. „Obwohl es ohne Blutvergießen ging, haben wir danach noch lange Angst gehabt, einer der alten Stasi-Mitarbeiter zieht aus seiner ausgebeutelten Anoraktasche doch noch eine Waffe“, berichtete ein Zeitzeuge am dem Team. Genug Stoff für eine vierte Staffel. „Von uns aus gerne“, sagt Produzentin Regina Ziegler.

Hintergrund:

Weissensee
Die ARD-Serie „Weissensee“ über DDR-Familien in Berlin kurz vor der Wende könnte auch ihren Weg ins Kino finden. „Diese Pläne gibt es, und die Produzentin Regina Ziegler arbeitet voller Energie daran“, sagte Drehbuchautor Friedemann Fromm. Man müsse allerdings eine Geschichte dafür finden, die über das hinausgehe, „was die Serie erzählt und die dem Format Kino gerecht wird, ohne die Identität der Serie zu verlieren“. Im Mittelpunkt stehen dabei der Mauerfall und die Änderung der Machtverhältnisse in der DDR. Die Ereignisse dieser Zeit stellen alle vor schwere Zerreißproben.

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