Mordprozess fortgesetzt : Fast 80 Stiche in den Körper

In Eichwalde wird ein 14-jähriges Mädchen von seiner Internet-Bekanntschaft erstochen.
In Eichwalde wird ein 14-jähriges Mädchen von seiner Internet-Bekanntschaft erstochen.

Der Täter traf mehrere lebenswichtige Organe. Mehrmals durchtrennte er die Hauptschlagader seines Opfers.

svz.de von
16. Dezember 2014, 08:00 Uhr

Schon die ersten Worte des Rechtsmediziners sind für Jeannette B. zu viel. Als der Arzt beginnt, dem Gericht die Ergebnisse der Obduktion zu erläutern, verlässt die Mutter des getöteten Mädchens fluchtartig den Saal. Seit Monaten sitzt sie dem Angeklagten im Landgericht Cottbus als Nebenklägerin gegenüber, muss immer wieder um Fassung ringen – gestern vergeblich. In ihrer Abwesenheit berichtet der Rechtsmediziner nun von mindestens 78 Stich- und Schnittverletzungen, mit denen Maurice M. die 14-jährige Alyssa aus Eichwalde (Dahme-Spreewald) am 18. November 2013 auf offener Straße getötet haben soll.

Die meisten Messerstiche hätten die Schülerin tief in Kopf, Hals und Rumpf getroffen, nur wenige seien oberflächlich geblieben, sagt Rechtsmediziner Jürgen Becker. Der Täter traf mehrere lebenswichtige Organe. Mehrmals durchtrennte er die Hauptschlagader seines Opfers. Die Stiche trafen Alyssa mit großer Wucht. Zuletzt hatte M. so brachial auf den Bauch des Mädchens eingestochen, dass die Messerspitze auf ihrem Rücken wieder austrat. Zu diesem Zeitpunkt war Alyssa bereits tot. Die wenigen unterbluteten oder angeschwollenen Verletzungen würden darauf hindeuten, dass sie bereits verblutet war, als Maurice M. immer und immer wieder auf sie einstach, erläutert Becker.

Das Bild, das sich dem Bad Saarower Arzt während der Leichenschau am 19. November 2013 darbot, sei sehr selten, sagt er. „Ich weiß nicht, was in einem Menschen vorgeht, der so brutal tötet.“ Eine Affekthandlung – ein Mord aus rasender Wut heraus – steckt aus seiner Erfahrung nicht dahinter. Dafür würden einige Schnitte am Rücken sprechen, die belegten, dass der Täter das Mädchen extra auf den Bauch legte.

Der Angeklagte nimmt die Ausführungen Beckers in gewohnter Pose entgegen. Den Kopf hält er nach unten gerichtet, zeigt kaum eine Regung, vermeidet jeglichen Blickkontakt. Alyssa hatte der 20-Jährige aus Nordrhein-Westfalen im Internet kennengelernt. Dass die Freundin den Kontakt wenig später wieder abbrach, konnte er offenbar nicht akzeptieren. Am Freitag will das Gericht eine Psychologin hören, die der Kammer vermutlich lang ersehnte Einblicke in M.s Psyche gibt. Er selbst hat sich bisher lediglich über seine Anwälte geäußert.

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