zur Navigation springen

Polizeistatistik: : Fahrerflucht nimmt zu

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

„Die Zahl der Unfallfluchten steigt seit Jahren“, sagt die Polizeisprecherin der Direktion Nord, Dörte Röhrs. Oft führten erst Zeugenaufrufe dazu, dass sich Unfallverursacher stellen.

svz.de von
erstellt am 05.Feb.2015 | 08:00 Uhr

Eine Autofahrerin rammt vergangenen Mittwoch in Velten (Oberhavel) eine 14-jährige Radfahrerin. Kurz erkundigt sich die Frau nach dem Befinden, dann braust sie weiter. In der Schule klagt das Mädchen über Kopfschmerzen. Erst am Abend erstatten die Eltern Anzeige. Fälle wie dieser ereignen sich immer häufiger in Brandenburg, wie Polizeibehörden berichten. „Die Zahl der Unfallfluchten steigt seit Jahren“, sagt die Polizeisprecherin der Direktion Nord, Dörte Röhrs.

Oft führten erst Zeugenaufrufe dazu, dass sich Unfallverursacher stellen. Oder sie können gar nicht ermittelt werden, da Zeugen fehlen. Landesweit wurden 2013 – eine aktuellere Statistik existiert noch nicht – vom Polizeipräsidium rund 15  800 Fälle registriert, bei denen sich Autofahrer unerlaubt vom Ort des Geschehens entfernen.

Angesichts von insgesamt 81  000 Unfällen in jenem Jahr ergriff demnach jeder sechste Verkehrsteilnehmer die Flucht, nachdem er einen Zusammenstoß verursachte. 2012 gab es laut der Statistik 1300 Fälle weniger. Auch im vergangenen Jahr müsse mit einem Anstieg gerechnet werden, sagt Röhrs. Vor allem bei Blechschäden auf Parkplätzen informieren viele Unfallverursacher nicht – wie vorgeschrieben – die Polizei oder warten maximal 30 Minuten auf den Fahrer des beschädigten Wagens. In der Hoffnung, dass keine Zeugen den Vorfall beobachtet haben. „Doch wir bekommen immer wieder Hinweise“, sagt Präsidiumssprecher Mario Heinemann. Herausreden könne sich später niemand: Anhand von Spuren an beiden Fahrzeugen und Gutachten würden die Täter meist überführt, sagt er.

Nach einer Erhebung des Auto Clubs Europa (ACE) werden jährlich bundesweit mehr als 500  000 Fahrerfluchten angezeigt – genaue Zahlen gibt es nicht, da die Versicherungen darüber keine Statistik führen. In 95 Prozent der Fälle handelte es sich um Sachbeschädigung. Der Automobilclub beklagt zudem eine „magere“ Aufklärungsquote der Polizei.

Nach einer Schätzung des ACE werde nur jeder dritte Unfallverursacher in solchen Fällen ermittelt. „Dadurch entziehen sich immer mehr Autofahrer der Verantwortung“, sagt Clubsprecher Rainer Hillgärtner.

Ihnen drohen nach dem Gesetz eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder Geldstrafen. „Die Leute drücken sich regelrecht davor, dass ihre Versicherung eingeschaltet wird und sie höhere Beiträge zahlen müssen“, sagt Unfallforscher Siegfried Brockmann. Andere Fluchtfahrer würden verschleiern, dass sie sich betrunken hinter das Steuer gesetzt haben oder gar keinen Führerschein besitzen.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen