Klage: : Ex-Soldat gegen die Bundeswehr

David Lange mit seiner Mutter Bärbel vor dem Sozialgericht.
David Lange mit seiner Mutter Bärbel vor dem Sozialgericht.

Das Sozialgericht in Frankfurt hat sich am Mittwoch mit der Klage eines Ex-Soldaten gegen die Bundeswehr befasst. Der junge Mann wollte einen Versorgungsausgleich erwirken, nachdem bei ihm ein Rückenleiden festgestellt wurde.

von
11. Juni 2015, 10:00 Uhr

„Die Sache hat mein ganzes Leben zerstört“, sagt David Lange, als er gestern als Kläger in Saal 4 des Sozialgerichts in Frankfurt (Oder) sitzt. Dort berichtet der 28-Jährige von einem Vorfall, der sich während seines Wehrdienstes ereignete. Lange war ab April 2008 in der Kürassierkaserne in Vierecke (Vorpommern) zum Panzergrenadier ausgebildet worden. Vor Gericht erzählt er, dass er im Sommer 2009 plötzlich starke Rückenschmerzen bekam, als er gemeinsam mit einem Kameraden eine 100 Kilo schwere Munitionskiste tragen musste. Wenige Monate später hätte sich die Situation weiter verschlimmert. Es folgten diverse Behandlungen. Doch die Schmerzen seien bis heute geblieben.

Inzwischen weiß Lange, dass er unter der sogenannten Scheuermann-Krankheit leidet – eine Wachstumsstörung der Wirbelsäule, die bereits in der Pubertät auftritt, sich aber zumeist erst Jahre später durch starke Schmerzen bei Belastung bemerkbar macht. Die Ärzte bei der Bundeswehr hätten ihm die Diagnose aber nicht mitgeteilt, berichtet Lange. Also habe er alle Anforderungen des Dienstes auch weiterhin erfüllt. Er habe seine Dienstzeit sogar freiwillig verlängert. Später habe er sich zum Kriegseinsatz in Kundus (Afghanistan) verpflichten wollen. Doch mit Ende des Wehrdienstes im Februar 2010 sei er aus der Bundeswehr entlassen worden.

Mittlerweile lebt der junge Mann aus Letschin (Märkisch-Oderland) von Hartz-IV-Leistungen. Seit Jahren schon ist er vergeblich auf der Suche nach einem neuen Job. Seinen ursprünglichen Beruf als Metallbauer kann er nicht mehr ausüben. Und auch die absolvierte Umschulung zum Feinmechaniker nützt ihm nichts. Denn den Anforderungen dieses Berufs ist er wegen seines Rückenleidens ebenfalls nicht gewachsen.

Heute macht der 28-Jährige seinem ehemaligen Arbeitgeber schwere Vorwürfe. „Ich habe einen Eid für dieses Land geleistet“, sagt er. Die Bundeswehr hätte eine Fürsorgepflicht, hätte sich aber nicht um ihn gekümmert. Auch Langes Mutter meint, sie hätte ihrem Sohn davon abgeraten, den Wehrdienst zu verlängern, wenn sie frühzeitig um den Gesundheitszustand ihres Sohnes gewusst hätte. „Ich hätte doch nicht zugelassen, dass er jetzt ein Krüppel ist. Die Krankheit ist doch nur wegen der hohen Belastung ausgebrochen“, sagt Bärbel Lange. Schließlich seien sie und ihr Sohn von einem Amt zum nächsten geschickt worden. Doch geholfen hätte niemand.

Vor Gericht will der ehemalige Hauptgefreite einen Versorgungsausgleich von der Bundeswehr erwirken. Ein entsprechender Antrag war im Juli 2010 vom Brandenburger Landesamt für Soziales und Versorgung abgelehnt worden. Allerdings hat es Lange versäumt, gegen den Bescheid in Widerspruch zu gehen – eine Tatsache, die sich vor Gericht als sein größtes Problem in dem Rechtsstreit entpuppt.

Die Richterin macht Lange deutlich, dass seine Klage abzuweisen wäre, weil die Bundeswehr an die Entscheidung des Landesamtes gebunden ist. Zugleich bemängelt die Vorsitzende allerdings, dass das Landesamt Langes Antrag nur sehr oberflächlich geprüft hat. Die Verantwortlichen hätten keine eigenen Untersuchungen angestellt, sondern sich lediglich die Akte von der Wehrbereichsverwaltung schicken lassen. Am Ende will sie dem Kläger die Möglichkeit geben, bei der Bundeswehr einen Überprüfungsantrag zu stellen. Diesem Vorschlag folgt Lange, nachdem er seine Klage zurückgezogen hat.

Nun wird also die Bundeswehr prüfen müssen, ob es während Langes Wehrdienst zu einer Schädigung seiner Gesundheit kam. In diesem Fall würde der Bescheid des Versorgungsamtes aufgehoben, erklärt die Richterin. Dann sei wieder alles offen. Lange zeigt sich zufrieden mit dem Ausgang der Verhandlung. Seine Mutter meint, am besten wäre es, wenn ihr Sohn zur Bundeswehr zurück könne und dort eine geeignete Arbeit bekäme.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen