zur Navigation springen

Drohnen als Problemlöser: : Es surrt am Himmel

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Unbemannte Fluggeräte kommen in immer mehr Bereichen zum Einsatz: in der Landwirtschaft, in Wäldern oder zur Überwachung von technischen Anlagen.

svz.de von
erstellt am 15.Okt.2014 | 08:30 Uhr

In der nahen Zukunft, wie sie sich Arno Fischer ausmalt, könnte es am Himmel mächtiges Gedränge geben. Die Vision: Wenn Menschen im Internet ein Produkt bestellen, wird es in einem riesigen Lager verpackt und sofort einer Roboter-Drohne übergeben. Die setzt das Paket dann im heimischen Vorgarten ab. „Ich bin davon überzeugt, dass dies funktioniert“, sagt der Forscher.

Fischer ist Professor an der Fachhochschule Brandenburg/Havel und beschäftigt sich seit Jahren mit Fluggeräten, die selbstständig navigieren sollen. In einem Labor tüfteln die Informatiker an einer Software für die Drohnen der Zukunft. „Wir brauchen ein neues Betriebssystem, um sie sicherer zu machen“, erklärt er. Bislang gebe es noch nicht einmal ein Antikollisionssystem.

Die Forschung, die in Brandenburg betrieben wird, steht derzeit absolut im Trend. So haben ­Google und Amazon angekündigt, Drohnen zur Paketzustellung zu entwickeln. Auch die Deutsche Post testete unlängst, wie sich mit den fliegenden Helfern etwa Medikamente zustellen lassen.

Astro Teller, Chef des Forschungslabors Google X, erklärte unlängst, womöglich seien künftig sämtliche Waren innerhalb von zwei Minuten erhältlich. Doch davon ist man noch weit entfernt: Es fehlen Regeln für den automatisierten Luftverkehr sowie entsprechende Luftkorridore. Auch Fragen, die sich mit Sabotage, Diebstählen oder Unfallrisiken beschäftigen, sind noch nicht geklärt.

„Die Behörden müssten zuerst Luftstraßen für Drohnen definieren, die von Flugzeugen nicht gekreuzt werden dürfen“, erklärt Fischer. Somit lässt sich aus seiner Sicht ein Netz zwischen Warenlagern und ländlichem Raum spannen. „Das ist wie geschaffen für die Versorgung von Dörfern“, meint er. Derzeit testen Studenten und Mitarbeiter der Fachhochschule, wie sich mit zwei Octocoptern, die von acht Propellern angetrieben werden, Missionsflüge absolvieren lassen. Projekte beschäftigen sich etwa mit 3-D-Ansichten von Sehenswürdigkeiten. „In zwei Jahren wollen wir einen Prototypen vorführen“, gibt Fischer seine Zielrichtung vor.

Auch an der TH Wildau beschäftigen sich Wissenschaftler seit acht Jahren mit unbekannten Fliegern. „Wir können uns einen Einsatz von Drohnen dort vorstellen, wo Gefahren für Menschen bestehen“, sagt Projektmitarbeiter Andreas Frahm. Mit dem elektrisch angetriebenen Motorsegler „Atiss“ ließen sich auch Lasten von bis zu zehn Kilogramm transportieren, sagt der Hochschulmitarbeiter.

Freilich haben Hersteller von Drohnen längst begonnen, die Eigentümer weitläufiger Ländereien von ihren Produkten zu überzeugen. So werden Fluggeräte mit Kameras eingesetzt, um etwa die Düngung der Felder zu überwachen. „Das Interesse der Landwirtschaft daran steigt immens“, teilt die agrarische Gesellschaft DLG mit. Das fliegende Auge der Bauern hat jedoch seinen Preis: Mehr als 70 000 Euro kann ein Octocopter kosten. Ebenso finden die surrenden Geräte bei Vermessungsfirmen einen Absatzmarkt. Auch Förster schwärmen von neuen Möglichkeiten, die ihnen Drohnen bieten.

In Brandenburg werden die kleinen Hubschrauber von beauftragten Firmen unter anderem bei der Erfassung von Waldgebieten eingesetzt. „Wir sehen genau, wo Schädlinge wie Kiefernspinner oder Nonnen sitzen“, erläutert Jan Engels vom Landeskompetenzzentrum Forst.

Ebenfalls in Wildau hat sich eine Firma angesiedelt, die Octocopter weltweit vertreibt: Die Fluggeräte des Unternehmens Aidrones werden bereits zur Überwachung von Pipelines oder im südafrikanischen Krüger-Nationalpark eingesetzt. Hierzulande müssen vor dem gewerblichen Einsatz allerdings Genehmigungen eingeholt werden: Eine Flughöhe von 100 Metern sowie ein Gewicht von 25 Kilogramm gelten als äußerste Grenzen. Zudem muss auf Sichtkontakt zum Piloten am Boden geflogen werden. Die Deutsche Bahn scheiterte mit ihrem Vorhaben, Graffiti-Sprayer nachts aus der Luft filmen zu können – eine Genehmigung erteilten die Behörden nur tagsüber.

Die gesetzlichen Regeln reichen jedoch längst nicht aus, findet Professor Fischer. „Es gibt auf dem Markt noch einen großen Wildwuchs.“ Zudem könnten Behörden gar nicht flächendeckend überprüfen, ob Drohnen nicht zum Ausspionieren von Nachbarn eingesetzt werden. „Wir brauchen klare Richtlinien, sonst werden die Unfälle zunehmen“, mahnt er. Beim Modellfliegerverband heißt es, dass intensive Aufklärung von Hobby-Piloten etwa zur Versicherungspflicht betrieben wurde.

Insgesamt wurden 31 Genehmigungen für Aufstiege in Brandenburg erteilt, in Berlin 75 – fast nur für Foto- und Filmaufnahmen, Arbeitseinsätze sowie wissenschaftliche Zwecke. Mehr als drei Mal so viele Anträge wurden gestellt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen