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Gericht : Erster Prozesstag nach Baby-Tötung

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Zum Motiv heißt es in der Anklage am Landgericht Frankfurt (Oder), ein zweites Kind hätte die Frau überfordert. Die Staatsanwaltschaft wirft der Frau vor, im Oktober 2013 dem Kind zu Hause in Golzow (Märkisch-Oderland) Mund und Nase zugehalten zu haben.

Als es weiter wimmerte, soll sie mit einem Küchenmesser mehrfach auf den kleinen Körper eingestochen haben. Ein Stich ins Herz führte zum Tod des kleinen Jungen, der nach Worten eines Gutachters vor Gericht lebensfähig war. Die 22-Jährige sitzt seit gestern wegen Totschlags vor Gericht.

Die Angeklagte antwortete am ersten Prozesstag nur auf Fragen. Die Anklage kommentierte sie mit Kopfnicken und einem leisen „Ja.“ „Es war ein großer Fehler“, sagte die 22-Jährige, die oft weinte. An Details könne sie sich nicht erinnern.

Laut Anklage soll sie auch versucht haben, dem Jungen die Kehle durchzuschneiden. Den Leichnam wickelte sie in Plastikfolie und legte ihn in einen Karton. Die Leiche wurde wenige Stunden nach dem Tod des Säuglings im Keller des Wohnhauses entdeckt. Während der Tat in der Nacht zum 22. Oktober schlief die Tochter der Angeklagten nebenan.

Schon die erste Schwangerschaft der damals 18-Jährigen war anfangs nicht gewollt. Sie habe davon in der 32. Woche erfahren, bei einer Ultraschalluntersuchung wegen eines Nierenleidens, berichtete sie.

„Ich war geschockt.“ Weil aber die Familie zu ihr hielt, habe sie das Kind akzeptiert und sich trotz der Ausbildung zur Verkäuferin darum gekümmert. „Sie hat sich im Laufe der Zeit als liebevolle Mutti entwickelt“, sagte der Vater ihres Stiefvaters als Zeuge.

Die Frau ging eigenen Angaben zufolge davon aus, dass ihre Partner verhüteten. Die Pille setzte sie ab – und wurde zum zweiten Mal schwanger. Nach eigenem Bekunden nahm sie dies aber nicht wahr. „Ich habe das nicht in Betracht gezogen“, sagte sie. In der Familie gab es Vermutungen, doch dementierte die junge Frau. Die Gewichtszunahme begründete sie mit stärkerem Appetit.

Wollte sie ein zweites Kind? „Vielleicht, irgendwann mal später“, beantwortete sie diese Frage des Gerichts. In der Tatnacht schließlich klagte sie über heftige Bauchschmerzen und rief ihre Mutter in Köln an. Diese aktivierte im Ort der Tochter lebende Familienmitglieder.

Der Stiefvater der jungen Frau und sein Vater fuhren rasch zu ihr; doch sie ließ die beiden nicht herein. „Sie hat sich vehement gewehrt“, sagte der 46-jährige Stiefvater. Sie habe ein „schweißiges Gesicht“ gehabt und am nächsten Morgen zum Arzt gehen wollen. Dieser wies sie in ein Krankenhaus ein. Dort stellten Mediziner fest, dass die Frau ein Kind zur Welt gebracht hat. Kurz danach wurde die Leiche des Säuglings gefunden. „Wir waren fassungslos“, sagte der 71-jährige Stiefvater.

Der Prozess wird heute fortgesetzt.

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erstellt am 01.Apr.2014 | 23:48 Uhr

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