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Polizei warnt : Erst freundlich, dann erpresserisch

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Am Dienstagnachmittag standen vier Polen am Gartentor und klingelten. Als der ältere Mann öffnete, fragten sie, ob er nicht das alte Dach seines Schuppens reparieren lassen wolle. Am Ende der Schwarzarbeit stehen Drohungen und Angst

svz.de von
erstellt am 09.Sep.2014 | 13:45 Uhr

Vor Geschäften mit Unbekannten, die per Handschlag und ohne ordentliche Rechnung geschlossen werden, wird allgemein gewarnt. Ein Rentnerpaar aus Wandlitz hatte gerade ein besonders schlimmes Erlebnis.

Die Stimme von Antje Wolff zittert, als sie erzählt, was ihren Eltern aus dem Wandlitzer Ortsteil Klosterfelde (Barnim) in der vergangenen Woche passierte. „Am Dienstagnachmittag standen vier Polen am Gartentor und klingelten. Als mein Vater öffnete, fragten sie, ob er nicht das alte Dach seines Schuppens reparieren lassen wolle, der von der Straße gut sichtbar ist. Das Verrückte war, dass mein Vater sich schon lange mit diesem Gedanken trug. Ansonsten wäre er vielleicht gar nicht darauf eingegangen.“

Als die Polen auf dem Grundstück waren, fiel ihnen auch noch der Bungalow hinterm Haus ins Auge. „Den machen wir gleich mit, für insgesamt 700 Euro“, boten sie dem 73-Jährigen an. „Als mein Vater sagte, dass er darüber erst mit seiner Frau sprechen müsse, redeten sie auf ihn ein: Du bist doch der Meister im Hause, die Frau ist nur zum Kochen da.“ Die Arbeit sollte schon am nächsten Tag erledigt werden.

Tatsächlich rückten am Mittwoch sechs Männer an und verlegten neue Metallplatten auf den Dächern. „Sie waren erst nett und freundlich, erzählten über ihre Familien, mein Vater hat für sie Kaffee gekocht.“ Das böse Erwachen sollte kommen, als der Chef der Gruppe mit dem Rentner zur Geldübergabe ins Haus ging. „Als der Pole plötzlich 23 000 Euro verlangte und auf die ersten Einwände wissen wollte: Wie viel Geld hast Du denn im Haus?, fiel mein Vater in Ohnmacht“, berichtet Antje Wolff. Ihre Mutter habe nur noch den Notarzt alarmieren können, was immerhin dazu führte, dass die Männer bei dessen Eintreffen verschwanden. Doch schon am Abend kamen insgesamt drei Anrufe der Polen, an deren Ende es hieß: „Wir kommen morgen um elf, um das Geld zu holen.“

Inzwischen hatten die Eltern, denen es natürlich auch peinlich war, dass sie auf Betrüger hereingefallen waren, ihre Tochter alarmiert. Diese informierte die Polizei, die versprach, am Donnerstag in der Nähe zu sein, um die Männer stellen zu können.

Allerdings tauchten diese nicht erst um elf, sondern bereits zwei Stunden früher auf. „Nur deshalb, weil außer mir noch Nachbarn da waren, sind sie dann doch wieder weg“, sagt die Tochter. Die Familie hatte inzwischen zahlreiche Nachbarn davor gewarnt, auf ähnliche Angebote einzugehen, aber auch darum gebeten, der Familie verdächtige Beobachtungen mitzuteilen.

„Seither haben meine Eltern Angst, dass es wieder anfängt.“ Die Polizei habe empfohlen, auf keinerlei Geldforderungen einzugehen und keine kleinere Summe als Kompromiss anzubieten. Leider haben sich die Rentner nicht die Autokennzeichen der Betrüger notiert. Anfang Juli soll es einen ähnlichen Fall in Schöneiche gegeben haben. Für die Familie und die Polizei wäre es wichtig zu wissen, ob andere Menschen solche Erfahrungen gemacht haben.

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