Ermittlungen gegen Jugenddorf-Betreiber

Nach dem Unfalltod eines Zwölfjährigen wird jetzt ermittelt

svz.de von
02. Juli 2014, 15:05 Uhr

Nach dem tödlichen Unfall eines Zwölfjährigen in einem Jugenddorf bei Joachimsthal (Barnim) wird gegen den Betreiber wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. „Wir prüfen, ob eine Verletzung der Verkehrssicherungspflicht vorliegt“, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder). Der bauliche Zustand der Treppe, an der der Junge vor gut einer Woche gestürzt und gestorben sei, deute auf eine Pflichtverletzung hin. Laut Behördensprecher ist der Bereich seit dem Unglück abgesperrt.

Der Junge war an einer Treppe so unglücklich auf den Hals gefallen, dass jede Hilfe zu spät kam. Nach dem tragischen Unglück wurden weitere Sicherheitsmängel bekannt. Die Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN) ordnete eine Sperrung des Geländes an, der Vollzug wurde aber zunächst außer Kraft gesetzt. Gemeinsam mit der Unfallkasse Brandenburg, der Versicherung des verunglückten Schülers, erstellte die BGN einen „Sofortmaßnahmeplan“. Beanstandet wurden nach Angaben eines Sprechers ein unverschlossener Brunnenschacht, umgestürzte Bäume und gefährliche Treppen.

Nach einem Ortstermin am Dienstag sahen die Versicherer jedoch von einer Schließung ab. Den Betreibern sei es gelungen, in der gesetzten Frist wesentliche Sicherheitsmängel zu beheben, hieß es.


Staatsanwaltschaft soll aufklären


Der Geschäftsführer des Betreibers EJB Werbellinsee GmbH, Reinhard Meier, äußerte gestern erneut Bestürzung über den Unfall. Er sprach den Eltern des Jungen sein Beileid aus. „Mir ist es wichtig, dass die Umstände des Unfalltodes lückenlos im Interesse der Betroffenen und der Öffentlichkeit aufgeklärt werden“, hieß es in einer Erklärung von Meier. „Die Aufklärung obliegt ausschließlich der ermittelnden Staatsanwaltschaft, so dass weder ich als Geschäftsführer noch meine Mitarbeiter dazu Auskünfte geben können.“

Auf dem Gelände am Werbellinsee befand sich von 1952 bis 1989 die Pionierrepublik „Wilhelm Pieck“ – benannt nach dem ersten Präsidenten der DDR. Zu den jährlichen Internationalen Sommerlagern kamen Kinder aus fast 50 Ländern.

Seit 1990 ist das Gelände in der Schorfheide allen Kindern und Jugendlichen zugänglich. Nach Angaben des Betreibers kommen pro Jahr 30 000 Gäste, darunter viele Gruppen und Vereine.

Das Unternehmen hat eigenen Angaben zufolge 85 Mitarbeiter.

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