Polnischer Nachwuchs für die Polizei : Erfolgreiche Fahndung

Anfassen erlaubt: In der Polizeifachhochschule Oranienburg werden polnischen Schülern Waffen und Schutzausrüstung erläutert.
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Anfassen erlaubt: In der Polizeifachhochschule Oranienburg werden polnischen Schülern Waffen und Schutzausrüstung erläutert.

Eine Polizeischule will junge Menschen aus dem Nachbarland anlocken. Brandenburgs Werbeoffensive in Polen zeigt bereits erste Ergebnisse.

svz.de von
06. März 2014, 06:45 Uhr

„Das hat hohe Wellen geschlagen, uns liegen bereits 50 Bewerbungen aus Polen vor“, sagt Rainer Grieger, Präsident von Brandenburgs Polizeifachhochschule in Oranienburg.

Erst wenige Wochen ist es her, dass erstmals die Nachwuchssuche der Polizei in Polen bekannt wurde. In dieser Woche folgte die nächste Akquise-Phase. 40 polnische Schülerinnen und Schüler aus der Kreisstadt Sulecin besuchten die Polizeifachhochschule.

Anfang Februar bekam Rainer Grieger etliche Anrufe aus Polen. Zeitungen und Fernsehsender wollten mehr erfahren, über die brandenburgische Fahndung nach uniformiertem Fachpersonal im Nachbarland. „In einer polnischen Netzzeitung wurde unser Angebot viel kommentiert“, sagt der Leiter der Fachhochschule. „Das reichte von Sprüchen wie: ,Aha, die Deutschen kommen wieder!’ Bis hin zu: ,Ja, – das ist Europa!’“ Grieger ist zufrieden mit der Resonanz auf seine Idee. Sogar gestandene Polizisten aus Polen und in Brandenburg lebende Polen, „die von dieser Karrieremöglichkeit noch nichts wussten“, hätten nachgefragt.

Dass Brandenburgs Polizei Werbung für sich in Polen macht, liegt an der Qualität der Bewerber, sagt Grieger. Obwohl sich jährlich rund 4000 junge Menschen auf die rund 250 freien Plätze an der Fachhochschule in Oranienburg bewerben, konnten 2013 erstmals nicht alle freie Stellen besetzt werden. Die Werbeoffensive im Nachbarland soll dem entgegengewirken.


Erst mal wird Deutsch gelernt


Dass die grenzüberschreitenden Bemühungen durchaus auf fruchtbaren Boden fielen, zeigen die Reaktionen der 17- und 18-jährigen Schüler aus Sulecin. Eine ganze Reihe konnte sich vorstellen, den Dienst bei der Polizei in Brandenburg anzutreten. Zwei von ihnen sind die 18-jährigen Magdalena Domeracka und Dominika Malecka. „Es besteht großes Interesse in unserer Klasse, nach Deutschland zu kommen, bei mir auch“, wird Magdalena Domerackas Antwort übersetzt. „Zunächst will ich aber ein Studium in Polen machen, um richtig Deutsch zu lernen.“ Für den Polizeidienst in Brandenburg sind einwandfreie deutsche Sprachkenntnisse Grundvoraussetzung für eine Einstellung. Allerdings bietet die Polizeifachhochschule Oranienburg polnischen Bewerbern einen Sprachkurs an der Viadrina in Frankfurt/Oder an, um Barrieren abzubauen.

Rund die Hälfte der Schüler vom Liceum aus Sulecin will nach dem Schulabschluss zur Polizei, die andere Hälfte zum Militär. Das liegt an der Schule selbst. Dorthin gehen Jugendliche, die in den Staatsdienst streben. Dass der Kontakt mit dieser Schule, die rund 100 Kilometer östlich von Frankfurt/Oder liegt, zustande gekommen ist, ist also kein Zufall. Ein Grund ist auch, dass dort Deutsch als Fremdsprache gelehrt wird.


Schüler fassen einen Dieb


Die 40 jungen Polen haben einen Tag an der Oranienburger Polizeifachhochschule verbracht. Sie erhielten neben Tipps zur Bewerbung auch praktische Anleitungen. Sie konnten zum Beispiel im Schießstand Übungswaffen anfassen und in der Bluebox einen imaginären Garagendieb stellen. Auch ein Besuch in der Lehrwache stand auf dem Programm. Sprachbarrieren wurden durch Polizisten aus den eigenen Reihen überwunden.

Neben polnischen Muttersprachlern mit deutschem Pass übersetzte auch Wojcieck Owsik. Der 25-Jährige ist der erste Anwärter bei Brandenburgs Polizei mit polnischem Pass. Als EU-Bürger stand seiner Bewerbung nichts im Weg.

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