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„Langen Kerls“ : Er ist der Größte unter den Großen

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Groß müssen sie sein. Sehr groß. Mindestens 1,88 Meter Körperlänge sind nötig, um bei den „Langen Kerls“ mitzumachen.

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erstellt am 21.Mai.2015 | 10:13 Uhr

Groß müssen sie sein. Sehr groß. Mindestens 1,88 Meter Körperlänge sind nötig, um bei den „Langen Kerls“ mitzumachen. Das ist historische Tradition und entsprach im 18. Jahrhundert sechs preußischen Fuß. Der 37-jährige Gerd Köhler, Ur-Potsdamer und inzwischen Berliner, ist seit 20 Jahren Mitglied des Vereins. Der hat sich darauf spezialisiert, Geschichte und Mythos um die Lieblinge Friedrichs I., der sich mit den besonders großgewachsenen Soldaten schmückte, wiederzubeleben und führt weltweit Exerziershows auf.

Mit 2,10 Meter ist Gerd Köhler prädestiniert für den Verein, weshalb einer Mitgliedschaft mit seiner Volljährigkeit nichts im Weg stand. Noch beeindruckender wird seine Erscheinung, wenn der Jurist mit tiefer, rauchiger Stimme und kerzengerader Haltung aus der roten Uniform spricht und man den Kopf in den Nacken legen muss, möchte man ihm ins Gesicht schauen. Doch was bewegt den 37-Jährigen dazu, seit so vielen Jahren immer wieder in die maßgeschneiderte Uniform zu schlüpfen, das schwere, etwa 1,50 Meter lange Gewehr zu nehmen und auf Befehl zu exerzieren, wie vor gut 300 Jahren?

„Ich habe mich schon immer für die Potsdamer Geschichte interessiert“, antwortet er dann. „Und es ist unbestritten ein sehr schönes Gefühl, wenn man aufmarschiert und die Leute klatschen.“ Wenn Zuschauer im Anschluss an eine Veranstaltung das Gespräch mit den Grenadieren suchen, räumt Gerd Köhler gern mal mit der historischen Wirklichkeit auf.


Er überragt immer alle


So unterstand die Potsdamer Riesengarde des 18. Jahrhunderts ständigem Drill. Diesen Teil der Geschichte sehe er durchaus kritisch. „Wenn wir exerzieren, zeigen wir nur eine Seite der Geschichte und wirken über die Optik, die Ästhetik. Ich bin immer gern zu einem Gespräch bereit. Auch, zu sagen, dass ich zu dieser Zeit nicht gern Grenadier gewesen wäre“, erklärt er. „Ich mache das heute, weil ich weiß, ich kann die Uniform wieder ausziehen und das schwere Gewehr weglegen“, sagt er weiter.

Die Auftritte der etwa 30 aktiven Mitglieder führten Gerd Köhler schon in viele Teile der Erde: Großbritannien, Ukraine, Brasilien, Italien, die USA, unzählige deutsche Städte. Eine Anekdote, die jeder im Verein kennt, ist ganz klar die Begegnung mit Arnold Schwarzenegger am Schauspielhaus in Berlin. Größen aus Hollywood und Politik, die Präsidentengarde der USA, Gerd Köhler hat so einige getroffen.

Mit seiner Körpergröße überragte Gerd Köhler schon immer alle anderen. Auch seine Eltern, die beide 1,85 Meter messen. Ein Problem mit Hänseleien in der Schule habe er nie gehabt. „Ich hatte immer einen guten moralischen Rückhalt durch meine Eltern“, sagt er. Heute werde er manchmal angestarrt oder mit Fragen wie „Wie ist das Wetter da oben?“ genervt. Aber einen Vorteil muss es doch haben, so groß zu sein. „Alles was mit Menschenmengen zu tun hat, ist für mich kein Problem. Konzerte, Kino, sehr gerne.“

 

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