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Nach Tankstellen-Besetzung : Ende eines Benzin-Moguls

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Der mysteriöse Tod des Polen Adam Baranowski scheint nach einem Jahr aufgeklärt.

Im April 2013 ließ der Besitzer der polnischen Tankstellenkette Apexim die Station eines Konkurrenten bei Schwedt (Uckermark) gewaltsam besetzen. Zwei Monate später fand man ihn tot in seiner Wohnung.

Adam Baranowski war einer der reichsten Polen in der Grenzregion zu Deutschland. Denn er nannte 14 florierende Tankstellen sein Eigen – vom Grenzübergang Zittau im südlichen Sachsen bis zu dem bei Schwedt im Nordosten Brandenburgs. Die Umsätze der Marke „Apexim AB“ (die Großbuchstaben waren seine Initialen) beliefen sich dank der deutschen Kunden auf Hunderte Millionen Euro im Jahr. Aus dem einfachen Benzinhändler, als der Baranowski 1992 in die Zeit des wilden Kapitalismus startete, war längst ein Multimillionär geworden.

Doch im vergangenen Jahr fand sein Leben ein unerwartetes Ende. Zunächst sorgte er noch mit dem Kampf um eine weitere Tankstelle bei Schwedt für Schlagzeilen. In der Nacht vom 20. zum 21. April hatte ein Kommando schwer bewaffneter und vermummter Männer die Station eines Konkurrenten in Krajnik Dolny besetzt.

Sechs Tage währte das Ringen, in dem beide Seiten behaupteten, das Gelände rechtmäßig gekauft beziehungsweise gepachtet zu haben. Erst dann setzten Polizisten dem „Tankstellenkrieg“ ein Ende, der freilich gezeigt hatte, mit welch harten Bandagen in dem lukrativen Geschäft gekämpft wird.

Doch nicht wegen dieser Auseinandersetzung sollte Baranowski vor genau zwölf Monaten sein Leben verlieren. Der 57-Jährige galt als aufbrausend, seit er nach einem Herzanfall im Rollstuhl sitzen musste. Piotr Sz. – einer seiner Fahrer und Leibwächter – wurde in dieser Situation auch noch zu seinem Pfleger.

Jahrelang lebte er mit seinem Chef in dessen 700 Quadratmeter großen Luxusvilla in einem Vorort von Zielona Góra. Und ertrug die Launen des Millionärs geduldig. Doch am Abend des 4. Juni 2013 kam es dann zu einer schlimmen Auseinandersetzung. Piotr Sz. soll eine hohe Summe als Geschenk von Baranowski gefordert haben, was dieser strikt ablehnte. Daraufhin muss der Leibwächter den Tankstellen-Mogul mit schweren Schlägen traktiert haben. Am nächsten Morgen wurde Baranowski von weiterem Personal tot in seinem Haus gefunden.

Wegen der Bekanntheit des Toten, der nicht nur über zahlreiche Verbindungen zur Politik verfügte, sondern einen Teil seines Vermögens auch für soziale Zwecke gespendet hatte, hüllten sich die Ermittler in Schweigen. „Der erste Verdacht lautete auf Mord, doch die Ergebnisse der Leichensektion waren nicht eindeutig“, berichtet Zbigniew Fafera von der Staatsanwaltschaft in Zielona Góra erst heute. Der Leichnam wurde noch einmal exhumiert und ein zweites Mal untersucht.

„Das Ergebnis stellte sich so dar, dass das Opfer durch die Schläge erst einen Schock und später einen Herzinfarkt erlitt, an dem es dann verstarb“, erläutert Fafera. Die jetzt vor Gericht erhobene Anklage gegen Piotr Sz. – der zwei Tage nach dem Vorfall bei einer eher zufälligen Verkehrskontrolle festgenommen wurde und sich seither in Haft befindet – lautet also nicht auf Mord, sondern auf unbeabsichtigte Herbeiführung des Todes. Der Prozess soll im Herbst beginnen.

Das von Baranowski aufgebaute Imperium ging in die Hände seiner Tochter über, die in London lebt. Dank des ungebrochenen Kundenstroms aus Deutschland konnte Apexim AB in diesem Frühjahr seine 15. Station eröffnen.

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