Potsdam : Elias weiter spurlos verschwunden

Der sechsjährige Elias wird seit sechs Tagen vermisst.
Der sechsjährige Elias wird seit sechs Tagen vermisst.

Polizei erhält mehr als 300 Hinweise im Fall des vermissten Sechsjährigen aus Potsdam.

svz.de von
14. Juli 2015, 21:00 Uhr

Knapp eine Woche nach dem spurlosen Verschwinden des sechsjährigen Elias aus Potsdam ermittelt die Polizei verstärkt in Richtung eines Verbrechens. In den kommenden Tagen will die Polizei weiterhin intensiv im Umfeld des Plattenbauviertels Schlaatz suchen, wo Elias am Mittwoch plötzlich verschwunden war.

„Wir haben kein Ergebnis zu verkünden, das uns oder die Bevölkerung befriedigt“, sagt Michael Scharf, Leiter des Direktionsstabes der Polizeidirektion West gestern. Es ist schon eine Woche her, dass der sechsjährige Elias in der Potsdamer Wohnsiedlung Am Schlaatz zum letzten Mal gesehen wurde. Die Anteilnahme und das Echo in der Bevölkerung waren enorm. Binnen kürzester Zeit organisierten sich Hunderte Bürger über die sozialen Netzwerke, um bei der Suche nach dem verschwundenen Elias zu helfen. Mehr als 500 freiwillige Helfer konnten anfangs mobilisiert werden. Ein beispielloser Vorgang. Aber er blieb ohne Erfolg. Inzwischen werden die Freiwilligen immer weniger.

Die Zentrale der Bürgersuchtrupps ist das Bürgerhaus Am Schlaatz in direkter Nachbarschaft zum Inselhof. Dort wo Elias wohnte. Gestern treffen sich dort erstmals keine Bürgersuchtrupps. Einzelnen Helfern, die die Suche unterstützen möchten, wird gesagt, dass aufgrund der schlechten Wetterlage keine Suchaktion organisiert wird, und sie allenfalls auf eigene Faust losziehen könnten. Unzufriedenheit und Ratlosigkeit dominieren.

Inzwischen müssen die Gründer der freiwilligen Initiative immer mehr Kritik von Mitgliedern der selbst gegründeten Facebook-Gruppe „Suche Elias“ einstecken. „Das ist schon so weit gegangen, dass mir heute jemand mit dem Auto hinterher gefahren ist“, beklagt Geromé James von der Einsatzleitung der Freiwilligen.

Polizist Michael Scharf ist dagegen mit der Zusammenarbeit sehr zufrieden. Es gebe immer eine Chaosphase in solchen Fällen und Bürger und Polizei bräuchten eine gewisse Zeit, um sich zu koordinieren. Die sei in diesem Falle aber sehr kurz gewesen, so Scharf weiter.

Drei Möglichkeiten zieht die Polizei beim Verschwinden des Kindes in Betracht. Ein Unglück, Ausriss oder ein Verbrechen. „Die Chance, dass es sich bei Elias noch um einen Ausreißer handelt, tendiert mittlerweile gegen null. Da wir ansonsten keine stichhaltigen Hinweise haben, möchte ich persönlich die Unglücksversion nicht abschreiben“, sagt Sven Mutschischk, Leiter der Kriminalpolizei in der Polizeidriektion West.

Systematisch haben Beamte und Freiwillige vom Ort des Verschwindens aus die Gegend großflächig abgesucht. Bis zu 15 Stunden waren sie teilweise auf den Beinen. Von 314 Hinweisen seien bisher 126 bearbeitet worden. 210 Stunden Videomaterial aus öffentlichen Verkehrsmitteln und Plätzen und über 800 Bilddateien liegen der Polizei zur Auswertung vor. Bisher ohne Ergebnis.

„Wir werden die Arbeit intensiv fortsetzen und alles tun, um Klarheit zu schaffen. Wir geben weder die Hoffnung noch die Suche auf“, erklärt Scharf sichtlich betroffen. Auch der Austausch mit den Kollegen der Soko-Inga aus Sachsen-Anhalt, die vor zwei Monaten verschwand, blieb bisher ergebnislos. Elias bleibt weiterhin spurlos verschwunden.

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