Leibniz-Institut deckt auf: : Einwohnerzahlen schöngerechnet

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Viele Städte im Osten schrumpfen – das ist bekannt. Jetzt aber belegt eine Untersuchung, dass die Bevölkerungsentwicklung selbst in zahlreichen Städten negativ ist, für die von der amtlichen Statistik ein Zuwachs ausgewiesen wird.

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10. März 2015, 22:00 Uhr

Glaubt man der amtlichen Statistik, so gehört Ludwigsfelde zu jenen Städten in Brandenburg, die einen Einwohnerzuwachs vorzuweisen haben. Seit 1990 soll das Plus auf 10,6 Prozent angewachsen sein. Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) hat jetzt aber ein Minus von 2,1 Prozent ermittelt. Hintergrund ist, dass die Wissenschaftler in ihrer Untersuchung ein entscheidendes Detail berücksichtigten, das bei amtlichen Erhebungen unberücksichtigt bleibt: Gebietsänderungen u.a. infolge von Gemeindegebietsreformen. In Ludwigsfelde wurden seit der Wende elf Dörfer eingemeindet.

Das IWH hat die Einwohnerentwicklung von 1990 bis 2013 in den größten ostdeutschen Städten analysiert, darunter auch in 26 Brandenburger Kommunen. Demnach gibt es ostdeutschlandweit etwa 20 Städte, die statt eines amtlich ausgewiesenen Zuwachses einen Bevölkerungsrückgang erlebt haben.

In anderen Fällen fällt der Zuwachs deutlich geringer aus als angenommen – etwa in Potsdam, wo bislang von einem Wachstum von 15,5 Prozent die Rede war, die Bevölkerungszahl tatsächlich aber nur um 9,6 Prozent gewachsen ist. Zudem zeigt die Untersuchung, dass der Bevölkerungsrückgang in den meisten Städten dramatischer ist als gedacht – so auch in Spremberg, wo die Statistik ein Minus von 7,4 Prozent, die IWH-Studie aber ein Minus von 24,2 Prozent ausweist. Nur 18 der 132 untersuchten Städte hatten bereits 1990 ihre heutige Ausdehnung. In diesen Fällen weichen die IWH-Zahlen nicht von der offiziellen Statistik ab. In allen anderen Fällen kamen zuvor selbstständige Gemeinden zum Stadtgebiet hinzu. So haben sich höhere Bevölkerungszahlen ergeben.

Für Wittenberge würde sich der Rückgang laut IWH von –  38,6 auf –  38,1 Prozent senken. Bei den Rangzahlen der Wachstumsrate würde die Elbestadt mit den Verwaltungsgrenzen von 1990 trotzdem vom 126 (2013) auf den 127 Platz abrutschen.

Insbesondere für Unternehmen sind die Erhebungen der Statistikämter relevant, wenn es um Investitions- und Standortentscheidungen geht. Aussagekräftig sind die Zahlen jedoch nur, wenn man die Entwicklung konstant in den heutigen Grenzen betrachtet, erläutert IWH-Mitarbeiter Albrecht Kauffmann. Die amtliche Statistik beziehe sich hingegen auf Volkszählungen zum jeweiligen Gebietsstand.

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