Einsatz für die Katz

Wolfgang Welenga kümmert sich bei der Feuerwehr um Tierrettung.
Wolfgang Welenga kümmert sich bei der Feuerwehr um Tierrettung.

Bei der Frankfurter Feuerwehr gibt es speziell ausgebildete Tierretter / Das wissen die Bürger zu nutzen

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21. August 2015, 16:00 Uhr

Nächtlicher Notruf in der Frankfurter Leitstelle: Eine Frau meldet, dass sich eine Fledermaus in ihrer Wohnung verirrt habe und sie nicht mehr weiter wisse. Die Tiere könnten schließlich Tollwut übertragen. Also muss die Feuerwehr anrücken. Sie öffnet das Fenster und die Fledermaus flattert hinaus. „Auf die Idee hätte die Anruferin auch kommen können“, sagt Wolfgang Welenga.

Der Feuerwehrmann und seine Kollegen werden immer dann alarmiert, wenn Tiere als vermeintliche Bedrohung angesehen werden, keinem Besitzer zugeordnet werden können oder aber sich in Gefahr befinden. Oft jedoch stellt sich heraus, dass die geschilderten Umstände nicht ganz der Wahrheit entsprechen. Doch dann sind die Rettungskräfte schon vor Ort. „Den immer wieder beschriebenen Fall, dass eine Katze auf einen Baum flüchtet und dort oben hilflos mauzt, gibt es eigentlich kaum“, sagt Welenga, der seit vielen Jahren mit Käfigen, Schlingen und anderen Gerätschaften zu Tierrettungseinsätzen in Frankfurt (Oder) ausrückt und dafür geschult wurde. Meist stünden Nachbarschaftskonflikte im Vordergrund.

So hatte in der Vorwoche ein Mieter gemeldet, dass ihm eine Katze über den Balkon zugelaufen sei. Was nicht stimmte, da der Vierbeiner einer Familie im gleichen Haus gehörte, mit der er über Kreuz lag. „Für ihn war das die Chance, den anderen eins auszuwischen“, so Welenga. Aber auch Hunde, die kurzzeitig einmal das Grundstück verlassen, geben Anlass zu Anrufen.

Helmut Otto, Leiter des Amtes für Brand- und Katastrophenschutz, beobachtet diesen Trend mit Sorge. „Bei diesen Einsätzen wird Technik und Personal gebunden und sie verursachen Kosten“, sagt er. Die entstehen vor allem im Tierheim, wo Katzen, Hunde oder zuweilen Exoten aufgenommen werden. Später dann können die angeblich herrenlosen Tiere den Besitzern zugeordnet werden. Dabei können die Rettungseinsätze – seit Januar wurden bereits 140 registriert, 2014 rund 300 – für Tierhalter teuer werden. Im Schnitt 160 Euro Gebühren werden fällig, sagt Otto. Allein das Feuerwehrfahrzeug kostet in der Stunde 330 Euro, hinzu kommen Personalkosten. „Jeder verantwortungsvolle Besitzer sollte daher eine Haftpflicht abschließen“, rät der Amtsleiter.

Mittlerweile gibt es selbst Firmen, die sich in der Hauptstadtregion auf Tierrettung spezialisiert haben. Das sorgt mitunter für Gerangel: So wurde die Berliner Feuerwehr vielfach gelobt, eine Katze aus einem brennenden Gebäude geborgen und wiederbelebt zu haben. Private Retter übten jedoch Kritik. Dabei sind Einsätze wegen ausgebüxter Tiere auch in der Hauptstadt nur Nebensache. Bis zu sechsmal täglich werde man deswegen alarmiert, sagt Behördensprecher Sven Gerling. Spektakulär seien die Einsätze kaum: „Mal befreien wir einen Fuchs aus einer Büchse, mal eine Entenfamilie aus einem Gulli, im Winter festgefrorene Schwäne“, erzählt er.

Um Wildtiere müssen sich auch die Frankfurter Feuerwehrleute kümmern, wenn diese mitten in der Stadt auftauchen. So dauerte die Verfolgungsjagd nach einem Reh im vergangenen Sommer mehrere Stunden. Das Tier spazierte zuerst an der Sparkasse vorbei und nahm dann eine Route quer durch das Zentrum. Dutzende Bürger riefen an. „Mit einem Trick hatten wir es irgendwann“, sagt Otto.

Dagegen können die Brandschützer über einen weiteren Fall nur den Kopf schütteln: Eine Frau hatte ein wenige Tage altes Rehkitz mit nach Hause genommen, wo es die Flaschennahrung verweigerte. „Als wir dort eintrafen, war das Tier schon tot“, berichtet Feuerwehrmann Michael Wallmann. „Man kann es leider nicht oft genug betonen: Hände weg von Wildtieren. Die gehören in die Natur.“ Auch mit Igeln müssen sich die Tierretter befassen. So kommt es nicht selten vor, dass die stachligen Allesfresser in einem Karton in der Wache abgegeben werden, nachdem sich ihr Zustand verschlechtert hat. „Die haben Durchfall, weil die natürlich keine Kuhmilch trinken“, sagt Otto. Für diese Fälle wurde eine spezielle Nahrung angeschafft. Anschließend geht es zur Igel-Aufzuchtstation.

Gefährlich kann es für Welenga und seine Kollegen ebenfalls werden. Davon zeugen Narben an den Händen. „Wir müssen manchmal höllisch aufpassen“, meint er. Wenn nichts mehr hilft, wird ein Tierarzt herbeigerufen, der über ein Betäubungsgewehr verfügt. Auf diese Weise konnte letztlich auch eine kleine Horde Affen gebändigt werden, die aus einem Privatzoo ausgebüxt war.

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