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Hochwasser : Eine Arche für die Elbe-Biber

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Der neue Ausweg könnte bei der nächsten Flut nicht nur den Tieren helfen.

Der Sandhaufen auf der freien Fläche im Schilfmeer am Elbufer bei Rühstädt (Prignitz) sieht unspektakulär aus. Doch im Notfall soll er Biberleben retten. Der Hügel liegt auf halbem Wege zwischen Deich und dem imposanten Biberbau am Ufer. „Beim nächsten Hochwasser soll er einen Ausweg bieten“, sagt Jürgen Herper, Mitarbeiter der Naturwacht im Biosphärenreservat Elbe in Brandenburg.

Im vergangenen Juni hatten sich zum Teil dramatische Szenen abgespielt. Für die Tiere war es eine Katastrophe: Sie schwammen im reißenden Wasser um ihr Leben. Künftig sollen sie sich in dem hohen Sandberg eingraben können. In etwa fünf Metern Höhe bietet ein kleines Plateau zudem einen Ruhepunkt. „Nehmen die Tiere das an, werden weitere Rettungsinseln angelegt“, sagt Herper. Zwei Archen für die unter Schutz stehenden Biber stehen bereit. Angelegt hat sie der Naturschutzfonds und der Wasser-Bodenverband Prignitz.

Elbebiber leben auch in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen. In Brandenburg wird die Zahl auf etwa 3000 geschätzt: rund ein Drittel des Gesamtbestandes. Etwa 80 Familien siedeln allein im Biosphärenreservat. Die Reviere sind etwa zwölf Hektar groß: mit Hauptburg, Nebensassen, Fressplätzen und Sommerresidenzen.

Das Verhältnis zwischen Mensch und Biber ist nicht immer entspannt. Dem Geschäftsführer des Brandenburger Landesfischereiverbandes, Lars Dettmann, sind vor allem Wühlaktionen ein Dorn im Auge. Teichwirte wollen vom Land einen Ausgleich bei Schäden. Auch ältere Deiche und Dämme könnten brechen, wenn Biber dort Schutz suchen, wird beklagt.

Naturwacht-Mitarbeiter Herper, der seit fast zwei Jahrzehnten das Leben der Biber genau beobachtet, plädiert für respektvolles Miteinander. Erfahrene Deichwachen erkennen sofort, wenn die Tiere Hilfe brauchen. „Wer einmal einen völlig ermatteten Biber gesehen hat, vergisst den Anblick nie“, sagt Herper. Damit sich das Tier aber nicht im Deichsockel eingräbt, wird es herausgenommen. „Das machen erfahrene Mitarbeiter, die genau wissen, wie ein Biber unter Stress reagiert“, sagt Herper. In Brandenburg wurde im Vorjahr kein einziger erschossen, um einen Deich zu schützen.

Biber sind etwa einen Meter lang und wiegen zwischen 20 und 30 Kilogramm. Sie sind Vegetarier. Mit ihren scharfen Schneidezähnen können sie dicke Bäume in einer Nacht fällen.

Anfang des 20. Jahrhunderts lebten nur noch wenige Elbebiber. Fell und Fleisch waren so begehrt, dass sie fast ausgerottet wurden. Heute steht das Tier unter Naturschutz. Der Biber ist aus Sicht der Naturschützer vom Bund Brandenburg nützlich für den Landschaftswasserhaushalt, den Natur- und Artenschutz und die Landschaftspflege. Er schaffe auch bessere Lebensbedingungen für viele andere gefährdete Tier- und Pflanzenarten, betonen sie. Biberschutz heiße in erster Linie, den Lebensraum zu schützen, sagt auch der Naturschutzbund Deutschland. Wichtiger Aspekt sei aber die Aufklärung der Bürger.

Beim letzen Hochwasser wurden viele Biberfamilien auseinandergerissen, die gerade geborenen Jungen ertranken, neue Paare mussten sich finden. Ende Juni wird der neue Nachwuchs erwartet. „Sind kleinere Nagespuren zu sehen, ist die Biberwelt wieder in Ordnung“, sagt Herper. Er hofft, dass die Jungen viel von den Alten lernen. Zum Beispiel, dass Archen beim Hochwasser ihr Leben retten.

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