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Die Resonanz ist überschaubar : Eine App für „Straßensheriffs“

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Mit einem Smartphone für Recht und Ordnung auf Gehwegen und Straßen sorgen – für viele Bürger ist das eine schöne Vorstellung.

svz.de von
erstellt am 03.Feb.2015 | 14:06 Uhr

Mit einem Smartphone für Recht und Ordnung auf Gehwegen und Straßen sorgen – für viele Bürger ist das eine schöne Vorstellung. Denn der Ärger über Falschparker und Verkehrsrowdys wächst, nicht immer schreiten die Ordnungsämter ein. Heinrich Stößenreuther liefert das technische Werkzeug, um diese Verstöße zu dokumentieren. Der passionierte Radfahrer aus Berlin zieht vor allem gegen Autofahrer zu Felde. „Natürlich will ich polarisieren und den Finger in die Wunde legen“, sagt 47-jährige Schöpfer einer Falschparker-App, die er vor rund einem Jahr unter dem Titel „Straßensheriff“ vorstellte. „Wir wollen ein Zeichen gegen Egoismus und Rücksichtslosigkeit im Straßenverkehr setzen“, meint er.

Das Prinzip ist einfach: Wer Autos sichtet, die auf Bürgersteigen, auf Behindertenparkplätzen oder vor Einfahrten parken, kann es mit dem Handy lokalisieren und mit Angaben über Fahrzeugmarke, Adresse, Verkehrsverstoß oder gar einem Foto ergänzen, auf dem das Kennzeichen allerdings geschwärzt wurde. Ursprünglich sollte über die App eine Anzeige an das Ordnungsamt ermöglicht werden, woran jedoch die Kommunen kein Interesse zeigten.

Mittlerweile wurden bundesweit knapp 8000 Verkehrsverstöße gemeldet, die auf der Webseite „Wegeheld“ in einer interaktiven Karte aufgeführt sind – davon in Berlin rund 1000, in Brandenburg einige Dutzend. Aus einer ersten Bilanz geht zudem hervor, dass – bezogen auf die absoluten Zulassungszahlen – vor allem Luxuskarossen die Statistik anführen. Ebenso wurde das Parken auf Gehwegen als häufigstes Ärgernis genannt.

Stößenreuther räumt ein, dass er sich eine größere Resonanz erhofft hätte. Die Kosten der Initiative in Höhe von 10  000 Euro hat er bislang aus eigener Tasche bezahlt. Doch von seinen Forderungen an die Politik will er nicht abrücken: Zusammen mit anderen Verbänden fordert er eine deutliche Erhöhung der Bußgelder für Falschparker. Diese lägen in Deutschland 75 Prozent unter dem EU-Durchschnitt.

Zugeparkte Gehwege sind nach den Erfahrungen des Fachverbandes Fußverkehr auch ein Problem im ländlichen Raum. „Senioren mit Rollatoren und Frauen mit Kinderwagen müssen immer wieder auf die Straße ausweichen, was durch die Raserei in Ortschaften gefährlich ist“, sagt der Verbandsvorsitzende Stefan Lieb. Ihn ärgert, dass diese „Blockaden“ nur selten von Politessen geahndet werden. „Es fehlt Personal und manchmal auch Mut, da einzuschreiten“, sagt er. Auch Lieb unterstützt die App, da diese zur öffentlichen Diskussion anrege. „Es geht nicht darum, andere zu denunzieren.“

Dies sehen Verkehrsclubs anders. So meldet der ADAC datenschutzrechtliche Bedenken an und befürchtet, dass mit derartigen Apps der Dialog zwischen den Verkehrsteilnehmern leidet. Ähnlich äußert sich der Verkehrsclub Deutschland (VCD). „Andere zu verpetzen, ist der falsche Weg“, sagt VCD-Sprecherin Anja Smetanin. „Das wird das Klima auf der Straße nicht gerade verbessern.“

Brandenburger Kommunen verweisen dagegen für Beschwerden auf die Hotline der Ordnungsämter sowie das Online-Portal „Märker“. „Es gibt insgesamt kein großes Denunziantentum anderen Verkehrsteilnehmern gegenüber“, sagt Wolfgang Wessely, Leiter des Frankfurt Ordnungsamtes. „Das wäre kontraproduktiv.“ Grundsätzlich habe jeder Bürger die Möglichkeit, einen anderen schriftlich anzuzeigen. Auch Karl-Ludwig Böttcher, Geschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes, erklärt: „Die Leute bleiben sachlich [...] Daher brauchen wir solche Apps nicht.“

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