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Startup-Szene wächst im Land : Eine App für den Radausflug

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Wenn Mountainbiker im Wald unterwegs sind, dann müssen sie oft Spaziergängern ausweichen – oder sie suchen sich alternative Routen. Aber auch Wanderer schweifen gerne einmal von ausgetretenen Wegen ab. An dieser Stelle setzt Komoot an, eine junge Firma aus Potsdam.

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erstellt am 08.Mai.2015 | 10:02 Uhr

Wenn Mountainbiker im Wald unterwegs sind, dann müssen sie oft Spaziergängern ausweichen – oder sie suchen sich alternative Routen. Aber auch Wanderer schweifen gerne einmal von ausgetretenen Wegen ab. An dieser Stelle setzt Komoot an, eine junge Firma aus Potsdam. „Wir geben ihnen das Werkzeug, um die Ausflüge mit allen Details zu planen“, sagt Tobias Hallermann.

Der aus dem Allgäu stammende Maschinenbauingenieur hat zusammen mit seinem Bruder und vier weiteren Mitstreitern vor fünf Jahren das Startup gegründet. Mittlerweile haben sie eine App herausgebracht, mit der sich Karten aus ganz Europa auf das Handy laden lassen.

„Letztlich haben wir auch aus persönlichem Interesse daran gearbeitet.“ So ist Firmenchef Markus Hallermann selbst Radrennen gefahren, die anderen Gründer haben früher das Abenteuer in der Wildnis gesucht. Doch das Kartenmaterial sei vielerorts überschaubar, erklärt Tobias Hallermann. Wer sich überlege, dann doch die andere Abzweigung zu nehmen, stehe meist verloren da. „Dabei verfügt heute fast jedes Handy über GPS. Das machen wir uns zunutze.“

Dabei bietet die App für die Planung einer Tour umfassende Informationen: Wegstrecke, Dauer, Höhenmeter sowie die Beschaffenheit des Untergrunds werden auf einen Blick aufgelistet. Darüber hinaus können sich Radfahrer über Sprachanweisungen navigieren lassen. Sämtliche Karten werden zudem offline angeboten – die Nutzer sind dann nicht auf Mobilfunknetze angewiesen. Ebenso werden Tipps und Fotos der Komoot-Gemeinschaft angezeigt.

Bereits zwei Millionen Mal wurde die App heruntergeladen, das Unternehmen verfügt heute über 20 Mitarbeiter. Getestet wurde die Software auch im Umland: „In Brandenburg gibt es wunderschöne Alleen und hervorragende Radwege“, schwärmt Hallermann. Ebenso seien die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ideal. „Das Land unternimmt viel, um Gründer zu unterstützen.“ Auch in anderen Städten Brandenburgs hat die Startup-Szene an Dynamik gewonnen. „Vor allem die technischen Hochschulen bieten einen idealen Nährboden für junge Unternehmer“, sagt Stephan Worch, Bereichsleiter für Medien sowie Informations- und Kommunikationstechnologien bei der Zukunftsagentur Brandenburg.

Von rund 500 Projekten, die von der Agentur im vergangenen Jahr betreut wurden, sei mehr als ein Drittel dieser Kreativbranche zuzuordnen. Allein im Umfeld der Babelsberger Filmstudios hätten sich etwa 100 kleine Unternehmen angesiedelt, die sich unter anderem mit der Digitalisierung von Bildern beschäftigen. „Startups gedeihen zwar vor allem in Berlin, aber Brandenburg kann von diesem Boom enorm profitieren. Wir sind sehr nahe dran“, erläutert Worch. Als Beispiel für ein Unternehmen, das sich wenige Jahre nach der Gründung bereits weltweit einen Namen gemacht hat, nennt er die Firma Kinematics aus Bernau (Barnim), die einen Roboterbaukasten für Kinder entwickelt hat.

In Hennigsdorf (Oberhavel) biete die Firma Trinckle einen 3D-Druck-Service an. Auch in ländlichen Regionen wie der Uckermark würde an aufregenden Software-Produkten gearbeitet. „Dort hat sich in einem Bauernhof eine Firma angesiedelt, die mit Computern Musik aus Tanz entwickeln. Die schätzen die Abgeschiedenheit“, erzählt der Experte. Auch die Landesinvestitionsbank ILB setzt auf Existenzgründer aus der Kreativbranche.

Gerade wurde dort ein Förderprogramm aufgelegt, mit dem Startups in der Übergangsphase mit bis zu 100  000 Euro unterstützt werden. Mittlerweile seien 1600 Startups in Berlin und Brandenburg tätig, die mehr als 9000 Jobs geschaffen hätten, sagt ILB-Sprecher Matthias Haensch. Beide Länder verfolgen eine gemeinsame Innovationsstrategie. „Stadtgrenzen existieren für viele Gründer nicht. Viele haben in Brandenburg studiert, wohnen in Berlin, siedeln sich dann aber doch im Umland an“, berichtet er. Allerdings schaffen es nicht alle, sich auf dem Markt zu etablieren: Laut Wirtschaftsstudien muss die Hälfte der Startups innerhalb der ersten fünf Jahre aufgeben. Tobias Hallermann zeigt sich mit der Entwicklung von Komoot zufrieden. Das Team hat bereits mehrere Geldgeber gefunden. Nur Gewinne sprudeln noch nicht. „Wir investieren derzeit viel, um die Bedienung der App zu vereinfachen.“ Irgendwann, so hofft er, schafft die Firma den endgültigen Durchbruch.

 

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