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Geschenk an Tom Hanks : Ein Trabi schwimmt nach Amerika

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Ein Präsent an Hollywood-Schauspieler Tom Hanks geht mit der „Sunrice Ace“ von Bremerhaven auf große Fahrt

svz.de von
erstellt am 14.Nov.2014 | 12:00 Uhr

Die längste Reise seines Lebens hat der Trabant, den ein Brandenburger im Mai Hollywood-Star Tom Hanks geschenkt hatte, in dieser Woche angetreten. Von Bremerhaven aus ist der Oldtimer mit der „Sunrice Ace“ in Richtung Amerika in See gestochen. Ziel ist ein Automobil-Museum in Los Angeles. Doch bis es so weit kommen konnte, hat sich das kultige Gefährt auf den letzten Metern wie ein widerspenstiges Pferd gesträubt.

Die runden Scheinwerfer aufgeblendet und mit dem so typischen Zweitakter-Klang treibt Alena Wulff den himmelblauen Trabant die stählerne Rampe hinauf, die im Bauch der „Sunrice Ace“ endet. Immer wieder würgt die Mitarbeiterin der Logistikfirma den Motor auf halber Strecke ab und der Trabant rollt gemächlich zurück aufs deutsche Festland. Erst beim dritten Versuch gelingt es ihr, den Pkw, den ein Leser der Märkischen Oderzeitung im Mai US-Schauspieler Tom Hanks geschenkt hatte, auf Deck 7 des 200 Meter langen Frachtschiffs zwischen Hunderten Mercedes-Neuwagen einzuparken. Dass Alena Wulff auf dem Fahrersitz Platz genommen hat, wo schon Hollywood-Star Tom Hanks im Mai dieses Jahres bei einer Rundfahrt durch Eisenhüttenstadt saß, findet sie „einfach nur geil“.

Ihr Einparkmanöver ist zugleich der Abschied von Deutschland. Hanks will den Trabant im Automobil-Museum in Los Angeles ausstellen lassen. Vier Wochen lang braucht Dmitry Nesterov, Kapitän der „Sunrice Ace“, um das Schiff in den Hafen von Long Beach im US-Bundesstaat Kalifornien zu steuern. Unter der Besatzung des 2008 gebauten Schiffes hat sich die prominente Fracht unter den insgesamt mehr als 5000 Autos an Bord lange herumgesprochen. Allein in Bremerhaven „verschluckt“ die „Sunrice Ace“ 1500.

„Das Schiff kam aus Südafrika, hat dann ein paar Häfen zum Löschen angefahren und nimmt von Bremerhaven aus Kurs auf Charleston an der Ostküste Amerikas“, erzählt Klaus-Peter Rinke von der United Shipping Agency, die in Bremerhaven nicht nur dieses Schiff betreut.

Rinke sitzt vor seinem Computer in der vierten Etage des Gatehouse 3 und sieht aus dem Fenster das blau-weiße Ro-Ro Cargo Schiff, vor dessen offener Ladeluke der kleine Trabant aus Frankfurt (Oder) kaum wahrzunehmen ist. Erst in der Nacht zuvor war es angekommen, seit dem frühen Morgen wird es in zwei Schichten beladen. „Fast ausschließlich mit Neuwagen von Mercedes, die in Richtung Ost- und Westküste der USA gehen“, sagt Rinke. Der Trabant ist ein Exot.

Gerade das hatte Tom Hanks bei seinen bislang zwei Besuchen in Eisenhüttenstadt so begeistert. Sein Trabi-Selfie präsentierte er voll Stolz in der ZDF-Unterhaltungssendung „Wetten, dass...“ bei Markus Lanz, schon zuvor hatte er bei David Letterman im US-Fernsehen von der sozialistischen Retortenstadt „Iron Hut City“ und deutschen Autobahnen geschwärmt. Am Ende stellten unsere Kollegen von der Märkischen Oderzeitung den Kontakt zwischen Hanks und ihrem Leser Martin Vilser her, der dem Schauspieler den 1989 gebauten Trabant 601 überließ.

Deutsche Autobahnen hat nun auch der himmelblaue Trabant auf seiner Abschiedstour von Frankfurt (Oder) hoch an die Nordseeküste noch einmal kennenlernen dürfen. 520 Kilometer bei Tempo 100 über die A 24 in Richtung Hamburg, Huckepack auf dem Anhänger von Transporteur Thomas Neuser aus Schwarzenbach in Bayern. Der Unternehmer ist auf Oldtimer spezialisiert, die private Auftraggeber nach Deutschland importieren, einen Trabant aber hat er noch nicht im Schlepptau gehabt.

Den Auftrag hat er Trans Global Logistics Europe GmbH zu verdanken, die ihren Hauptsitz nicht ohne Grund im Rhein-Main-Gebiet hat. Die gerade hier stationierten Streitkräfte des US-Militärs beflügelten lange Zeit das Geschäft. „Viele hatten während ihrer Zeit in Deutschland ihre Privatautos mitgebracht“, sagt Stephanie Grieger.

Autos, Flugzeuge, Baumaschinen, Boote und Yachten sind das Geschäft des Unternehmens, das wie im Fall von Tom Hanks den Transport von Haustür zu Haustür organisiert. Inklusive aller nötigen Unterlagen für den deutschen und amerikanischen Zoll. „Wir kümmern uns nicht nur um die Verzollung, sondern mit unseren Kollegen in den USA auch um das Importhandling“, sagt die Trans-Global-Angestellte. Darunter sind auch Prominente – aber Diskretion ist oberstes Gebot. Dass Tom Hanks seinen Trabant über Trans Global abholen und direkt ins Petersen-Museum nach Los Angeles liefern lässt, ist inzwischen kein Geheimnis mehr.

„Der Schauspieler verfolgt den Transfer mit großem Interesse. Tom Hanks lässt alle Beteiligten grüßen und bedankt sich für die Mühen“, teilt sein Management mit. Hanks stecke mitten in den Dreharbeiten – nicht irgendwo, sondern in Erkner.

Nach der Ankunft der „Sunrice Ace“, voraussichtlich am 6. Dezember im Hafen von Long Beach, rollt der Trabant vermutlich als eines der ersten Fahrzeuge die Rampe hinunter. Vom Festland ist es nur noch ein Katzensprung bis ins knapp 40 Kilometer entfernte Petersen-Museum, wo man sich schon auf die Ankunft des DDR-Volkswagens vorbereitet.

Dem Vernehmen nach will Tom Hanks selbst zur Übergabe anreisen – natürlich standesgemäß und nicht im Oldtimer made in Zwickau, denn der ist stillgelegt und für den Straßenverkehr nicht mehr zugelassen. Das Museum des 2007 verstorbenen Automäzens Robert E. Petersen am Wilshire Boulevard von Los Angeles mit mehr als 1000 Besuchern am Tag ist eines der renommiertesten in ganz Amerika. 30 Millionen Dollar hat die Petersen-Stiftung seit der Gründung vor 20 Jahren in die Ausstellung gesteckt. Zu sehen sind spektakuläre Filmautos sowie der dunkelgrüne Jaguar XKSS aus dem Jahr 1956, an den Schauspieler und Rennfahrer Steve McQueen sein Herz verlor.

Das von Tom Hanks hängt am himmelblauen Trabant aus Frankfurt. An dem Fahrzeug erinnert eine spezielle Schlüsseltasche aus Leder an den Termin der Übergabe in Eisenhüttenstadt im Mai dieses Jahres.

Der 30-jährige Martin Schmidt aus Eisenhüttenstadt hat sie in seinem Formwerk-Atelier angefertigt – ein Hobby des gelernten Grafikers. Auch Alena Wulff, die den Oldtimer auf den letzten Metern mit deutschem Boden unter den Reifen steuerte, hat mit ihrer Kollegin Evelyn Lampe eine persönliche Botschaft im Handschuhfach hinterlassen. „Lieber Tom, hab Spaß mit dem Auto. Beste Wünsche und freundliche Grüße“ steht auf dem Blatt Papier in pinker Schrift. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass dieser Gruß aus Europa Tom Hanks in Los Angeles tatsächlich erreicht.

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