Krankenhaus : Ein letzter Wunsch

Van Toan Nguyen im Eberswalder Krankenhaus: Er hat Krebs im Endstadium und will seine Familie noch einmal sehen.
Van Toan Nguyen im Eberswalder Krankenhaus: Er hat Krebs im Endstadium und will seine Familie noch einmal sehen.

Van Toan Nguyen liegt im Sterben. Nun will er seine Frau nach über 14 Jahren noch einmal treffen.

svz.de von
17. Juli 2014, 14:00 Uhr

Immer wieder füllen sich Van Toan Nguyens Augen mit Tränen, als er über seine Krankheit spricht. Er wünscht sich nichts mehr. Für ihn wurde schon alles getan, beteuert er immer wieder. Trotzdem würde er vor seinem Tod seine Familie gern noch einmal sehen.

In einem rührenden Brief hat sich Nguyen an das Eberswalder Werner Forßmann Krankenhaus (Barnim) gewendet. Der 55-jährige Vietnamese ist sterbenskrank. Seine Überlebenschancen sind gleich null. Ihm bleiben nur noch wenige Monate.

„Mein letzter Wunsch wäre, wenn mir etwas zustoßen sollte, dass Sie die Frau Thi Ngan Vu (Dolmetscherin) telefonisch oder schriftlich informieren. Frau Thi Ngan Vu wird dann meine Ehefrau in Vietnam und die vietnamesische Botschaft in Berlin informieren“, schreibt er in dem Brief.

Vor vierzehn Jahren kam Van Toan Nguyen nach Deutschland. Zuvor arbeitete er bereits von 1988 bis 1990 als Gastarbeiter in Finsterwalde. Dann kehrte er nach Vietnam zurück. Dort Arbeit zu finden, stellte sich allerdings als schwierig heraus. Um seine Familie weiter versorgen zu können, entschied er sich, zur Jahrtausendwende wieder nach Deutschland zu kommen.

Eine lange Reise über Russland und Polen brachte ihn schließlich nach Brandenburg. Unterkunft fand er in der Wohn- und Begegnungsstätte der Kulturen in Garzau-Garzin bei Strausberg.

Beim Duschen hatte er eines Morgens starke Kopfschmerzen. Danach folgte sein erster Besuch im Krankenhaus.

Dann passierte alles ganz schnell. Zuerst wurde er am Kopf operiert und nach und nach wurden andere Erkrankungen festgestellt. Auf der Station spekuliert man über eventuelle körperliche Auswirkungen des Vietnamkrieges. „Wir glauben, dass er während des Krieges Berührung mit toxischen Stoffen hatte“, sagt Dr. Priska Hecht, leitende Oberärztin der nephrologischen Station des Krankenhauses.

Seit elf Jahren leidet Van Toan Nguyen unter einer Nierenerkrankung. Seitdem ist er Dauerpatient der nephrologischen Station des Eberswalder Krankenhauses. Drei bis fünf Stunden Dialyse muss er jeden zweiten Tag über sich ergehen lassen, in denen sein Blut entgiftet wird. Wie viele Operationen es waren, seitdem er wieder in Deutschland ist, kann er nicht mehr zählen. Zu viele, winkt er ab. Die große Narbe über seinem Bauch ist nur ein Beleg dafür.

Arbeiten konnte er durch seinen Krankheitsverlauf nicht mehr. „Wir haben für Herrn Van Toan Nguyen einen Aufenthaltstitel beantragt. Dieser wurde aufgrund seiner Situation auch genehmigt“, sagt Jutta Reimann, Mitarbeiterin der Begegnungsstätte Garzau-Garzin. „Wenn er zur Dialyse musste, wurde er von einem Krankentransport abgeholt. Seit etwa sechs bis acht Wochen ist er nun aber nicht mehr bei uns“, fügt sie hinzu.


Rettung ist nicht mehr möglich


Van Toan Nguyen ist nun mehr oder weniger ans Bett gefesselt. Die Ärzte haben zusätzlich Lungenkrebs bei dem 55-Jährigen festgestellt, bestätigt er. Und sie haben ihm auch mitgeteilt, dass sein Zustand medizinisch aussichtslos ist. Eine Chemotherapie würde er in seinem Zustand nicht mehr verkraften. Das weiß Van Toan Nguyen.

„Sein Brief hat uns alle sehr gerührt“, sagt Oberpfleger Michael Seidel. „Er ist ein sehr bescheidener Mensch. Wir wollen ihm seinen letzten Wunsch erfüllen . Er soll seine Familie noch ein letztes Mal sehen können.“ Die Reise soll durch den Förderverein des Krankenhauses – der Gesellschaft der Freunde und Förderer der Klinikum Barnim GmbH Werner Forßmann Krankenhaus – ermöglicht werden.

Van Toan Nguyen hat eine Frau, der er seit 14 Jahren nicht mehr begegnet ist. Und zwei Kinder – einen Jungen und ein Mädchen. Beide sind mittlerweile erwachsen, haben selbst Familien. Seine Tochter (23) hat er noch nie gesehen, seinen Sohn (30) kennt er nur als Kind. Sie leben in Nam Dinh, einer Stadt im Norden Vietnams.

„Aus ärztlicher Sicht ist es möglich Herrn Van Toan Nguyen zurück nach Hause reisen zu lassen, wenn er in Vietnam weiterbehandelt werden kann. Sollte sich der Zustand hier zu schnell verschlechtern, werden wir alles in Bewegung setzen und seine Frau nach Deutschland einladen“, sagt Seidel.

„Ich möchte mich nochmals eine Million Mal bei allen bedanken, die mir mein Leiden erträglicher gemacht haben und somit meine Schmerzen linderten“, schreibt Van Toan Nguyen in seinem Brief an das Krankenhaus. Nun hoffen alle, dass sie ihm seinen letzten Wunsch noch erfüllen können.

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