Ein Knie übersät mit Narben

Landgericht führt Maskenmann-Prozess mit medizinischem Gutachten fort

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10. März 2015, 18:24 Uhr

Im Prozess gegen den sogenannten Maskenmann drehte es sich gestern erneut um das Knie des Angeklagten. Nach einer Schussverletzung aus dem Jahr 1997 soll geklärt werden, wie belastbar das Körperteil ist. Die Verteidiger von Mario K. wollen auf diesem Weg beweisen, dass ihr Mandant die anspruchsvolle Entführung des Berliner Unternehmers Steffen T. niemals hätte bewältigen können.

Nachdem an einem vorangegangenen Prozesstag ein Orthopäde zu dem Thema ausgesagt hatte, folgte jetzt der Oberarzt und Neurologe Steffen Heider vom Carl-Thiem-Klinikum Cottbus. Über den Angeklagten sagte der 42-jährige Mediziner: „Er hat schraubstockartige Kraft in den Armen.“ Anders sehe es im rechten Bein aus. „Es ist übersät mit Narben“, erklärte der Neurologe. Als Gutachter bekam er die Aufgabe zu prüfen, ob sich der Angeklagte mit einer diagnostizierten Arthrose im Knie „tänzelt wie ein Boxer“ bewegen könne.

Mit solch einer Gangart war ein maskierter Mann im August 2011 auf Petra P. vor ihrem Haus in Bad Saarow (Oder-Spree) zugestürmt. Die Frau gilt als erstes Opfer in der Serie von Verbrechen. Immer wieder hatte Petra P. im Gerichtssaal vorgemacht, wie der Maskenmann auf sie zukam. Aber verbarg sich hinter der Verkleidung Mario K.?

Oberarzt Heider spricht im Gerichtssaal über Untersuchungen wie der Elektroneurografie. Damit könne ein Arzt messen, mit welcher Geschwindigkeit ein Nerv einen elektrischen Impuls weiterleite. Bei Mario K. habe ein Nerv krankhaft reagiert.

Fünf Stunden dauerte die Untersuchung des Patienten. Dabei kommt auch die Elektromyografie in dem Cottbuser Krankenhaus zum Einsatz. Bei der Methode wird mithilfe von Nadeln die Muskelaktivität gemessen. Mit einem vorhersehbaren Resultat: Die Muskulatur des rechten Beins reagierte „sehr zögerlich“. Wobei der Neurologe nicht mit Bestimmtheit sagen konnte, ob die Reaktion vom Patienten bewusst beeinflusst wurde.

Unterm Strich trifft der Mediziner zwei Aussagen. Erstens sei es für ihn vorstellbar, dass die Behinderung von Mario K. zu solch eigenartigen Bewegungen führen kann, wie sie Frau P. gesehen hat. Zweitens sagt er aber auch, er könne nicht ausschließen, dass er solche Bewegungen nicht machen könne.

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