Ein kleines Stück mehr Sicherheit

Heiße Pflege: Im Februar 2011 hat die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben das erste Mal ein Stück der Kyritz-Ruppiner Heide abgebrannt, um das Heidekraut zu verjüngen und die Brandgefahr zu senken. Ihre Erfahrungen will sie in diesem Jahr weitergeben.
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Heiße Pflege: Im Februar 2011 hat die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben das erste Mal ein Stück der Kyritz-Ruppiner Heide abgebrannt, um das Heidekraut zu verjüngen und die Brandgefahr zu senken. Ihre Erfahrungen will sie in diesem Jahr weitergeben.

Stiftung möchte weitere Flächen der Kyritz-Ruppiner Heide übernehmen / Vorbereitungen für geführte Touren laufen

svz.de von
07. März 2014, 15:12 Uhr

Die Sielmann-Stiftung ist bereit, weitere Flächen in der Kyritz-Ruppiner Heide zu übernehmen und als Nationales Naturerbe (NNE) zu erhalten. Laut Koalitionsvertrag sollen deutschlandweit 30 000 Hektar an Umweltverbände übertragen werden können. In der Heide stehen noch 8000 Hektar zur Verfügung. „Wenn es soweit ist, würden wir auf jeden Fall den Finger heben“, sagte Lothar Lankow von der Sielmann-Stiftung bei einer Sitzung von Pro Heide in Neuruppin (Ostprignitz-Ruppin).

Die Stiftung hat bereits vor zwei Jahren rund 4000 Hektar Fläche im Süden des ehemaligen Truppenübungsplatzes, auf dem von 1952 bis 1992 die sowjetische Armee übte, übernommen. Die restlichen rund 8000 Hektar liegen seit Abzug der Bundeswehr im Jahr 2011 in den Händen der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima). Offen ist, ob und wie viele Heide-Flächen noch in das NNE übernommen werden können. Weil es sich aber um ein riesiges zusammenhängendes Areal handelt und Stiftung sowie Bima bereits eng zusammenarbeiten, schätzt Lankow die Chance als gut ein.

Allerdings wird die Stiftung nicht alle Areale übernehmen können. Aufgrund der zum Teil sehr hohen Munitionsbelastung müssten diese Sperrgebiete bleiben, sagte Rainer Entrup von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima). Die Stiftung und die Bima bereiten derzeit alles dafür vor, dass möglicherweise schon im kommenden Jahr die ersten Wege in die Heide von ausgewählten Kutschern befahren werden können – ohne dass wie bisher ein Kampfmittelexperte dabei sein muss.

Nach der geomagnetischen Untersuchung größerer Abschnitte werden ab diesem Jahr 520 Testfelder untersucht, um herauszufinden, was dort wirklich im Boden liegt. Nördlich der Landesstraße 15 ist man laut Entrup auf mehr Störkörper im Boden gestoßen als angenommen. Genaueres werde die Untersuchung zeigen, sagt Entrup.


Oft wurde Munition ungewollt verloren


Größere Sorgen bereiten der Bima Granaten in den Randbereichen der Heide und auf angrenzenden Privatflächen, für die die Bima allerdings nicht zuständig ist. Die Munition sei bei Übungsflügen zumeist versehentlich abgeworfen worden, wenn der Pilot die Waffen neu durchgeladen hat.

Solange die Sprengkörper tief im Boden liegen, sieht der Bima-Mann weniger Probleme. „Uns interessiert für die Gefahrenbeurteilung vor allem das Nahe unter der Oberfläche – alles innerhalb des ersten halben Meters“, erläutert Entrup. Im nächsten Jahr soll die Testfeld-Untersuchung an den möglichen touristischen Routen abgeschlossen werden. „Ich halte es nicht für unrealistisch, dass wir dann zur Heideblüte die erste Freigabe vom Landkreis bekommen können“, sagte Entrup.

Die Stiftung lässt derzeit in Arbeitsförderprojekten Bänke und Pavillons für Besucher bauen. Zudem ist der Bau von Aussichtsplattformen geplant. Als Standorte kommen ein Platz an der Landesstraße 15, der Lutterower Berg und der Sielmann-Hügel auf dem Areal infrage. Laut Michael Beier, Vorstand der Sielmann-Stiftung, ist der Anschluss dieser Wege an Rheinsberg und Neuruppin geplant. „Hier haben wir pro Jahr rund 500 000 Übernachtungen und damit ein großes Potenzial.

Ein Freifahrtsschein ist diese Entwicklung nicht. So gibt es immer noch die Gefahr durch Streuwaffen. Um diese tennisballgroßen Körper, die bei der geringsten Berührung detonieren können, will sich die Bima im nächsten Jahr kümmern. „Das wird ein mehrjähriger Prozess“, so Entrup.

Aber nicht nur der Umgang und die Beseitigung von Munition steht auf der Agenda der Bima. Weil viel Schrott im Boden liegt, die Sowjetarmee Tankstellen, Kraftwerke und Panzerwaschanlagen betrieb, werden Boden und Grundwasser überprüft.

Die Arbeit in der Kyritz-Ruppiner Heide hat durchaus Vorbild-Charakter. Beim nächsten Konversionssommer will die Sielmann-Stiftung Eigentümer ähnlicher Flächen über die Heidepflege informieren. Um das Heidekraut zu verjüngen und damit auch die Brandgefahr zu senken, brennt die Bima jährlich einige Hektar bei kaltem Wetter ab.

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