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Der Fall Maskenmann : „Ein Jahr Todesangst“

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Opfer sagen im Maskenmann-Prozess aus. Ein Personenschützer zahlte für seinen Einsatz für eine Unternehmertochter einen hohen Preis.

Ein früherer Personenschützer hat den „Maskenmann“ von Storkow als einen geübten Schützen beschrieben. Der 33-Jährige, der nach einem Schuss auf ihn querschnittsgelähmt im Rollstuhl sitzt, sagte gestern vor dem Landgericht Frankfurt (Oder) als Zeuge aus.

Sein Schützling, die Tochter eines Berliner Unternehmers, berichtete von ihrer Todesangst, als ein Maskierter im Oktober 2011 auf sie und den Wachmann in Bad Saarow geschossen hatte. „Ich habe gedacht, ich werde augenblicklich hingerichtet“, sagte die 25-Jährige.Der Angeklagte soll zwei Berliner Millionärsfamilien in Brandenburg überfallen und dabei auch einen Manager mit einem Kajak auf eine See-Insel entführt haben. Der Familienvater konnte später flüchten.

Weil der 46 Jahre alte Beschuldigte maskiert gewesen sein soll, wird er „Maskenmann“ genannt. Er bestreitet die Tat. Vier Opfer sind in dem auf Indizien beruhenden Prozess Nebenkläger.

Der frühere Personenschützer war von einer der Familien engagiert worden, nachdem ein Unbekannter die Ehefrau eines Unternehmers im August 2011 am Familienanwesen in Bad Saarow zusammengeschlagen und schwer verletzt hatte. Etwa zwei Monate später habe ein Maskierter auf ihn und die Tochter der Frau auf dem Grundstück geschossen, sagte der 33-Jährige mit kräftigem Oberkörper und Tätowierungen. „Er war ein geübter Schütze, hundertprozentig.“ Das Opfer saß im Rollstuhl und machte vor Gericht mit ruhiger, fester Stimme seine Aussage.

Am Tattag sei er unbewaffnet mit der jungen Frau auf dem Rückweg von einer Pferdekoppel gewesen. Dann sei ein Unbekannter mit gezogener Schusswaffe aufgetaucht und habe beide bedroht. Der Wachmann habe die Frau aufgefordert, wegzulaufen. Der Täter habe kurz danach die Waffe durchgeladen und abgedrückt. „Er hat mich aus dem Weg geschossen“, sagte der Mann. „Er hat mir feige in den Rücken geschossen.“ Die Unternehmertochter blieb unverletzt, der Wachmann überlebte seine schweren Verletzungen und lag monatelang im Krankenhaus. Vor Gericht sagte er mit Blick auf seinen Schützling: „Eigentlich hat sie großes Glück gehabt, dass sie relativ weit gerannt ist.“ Auf die Frage, warum der Täter geschossen habe, sagte das Opfer: „Ich denke, er hat geschossen, weil ihm die Situation entglitten ist.“ Möglicherweise habe er nicht das bekommen, was er gewollt habe. Der 33-Jährige schloss aus, dass der Angriff ihm gegolten haben könnte.

Die 25-Jährige erzählte von einem Schuss knapp an ihrem Kopf vorbei, während sie schreiend flüchtete. Insgesamt sollen drei Schüsse gefallen sein. Als sie zuvor den Täter gesehen hatte, sei ihr die Szenerie noch unwirklich vorgekommen. „Man hatte den Eindruck, er sei einem Computerspiel entsprungen.“ Der Täter habe ihr noch, bevor sie losgerannt sei, befohlen: „Geh auf den Boden, Mädchen.“ Dem Wachmann habe er einen Kopfschuss angedroht. Die Angriffe auf sie und ihre Mutter seien nicht spurlos an ihnen vorbeigegangen. „Unsere Familie hat ein gutes Jahr in Todesangst gelebt.“ Sie bedauerte, dass ein Mann „wegen mir im Rollstuhl sitzt“.

Ihre Mutter hatte an einem anderen Tag vor Gericht gesagt, dass der Täter ihre Tochter möglicherweise habe entführen wollen. Sie ist sich sicher, dass der Angeklagte der „Maskenmann“ ist. Der ehemalige Wachmann, der als Verwaltungsfachangestellter arbeitet, wollte sich nicht festlegen. Er betonte aber zugleich: „Es ist definitiv nicht ausgeschlossen.“

Der Verteidiger des Angeklagten bezeichnete die Aussage des 33-Jährigen als „sehr bewegend“. Seinem Mandanten werden unter anderem versuchter Mord, versuchter Totschlag, schwere Körperverletzung und räuberische Erpressung zur Last gelegt.

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