Protestaktion geplant : Ein Ende nach 161 Jahren

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Er verband die beiden größten Städte im damaligen Preußen, zu dem auch die Provinz Schlesien gehörte.

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07. Dezember 2014, 08:29 Uhr

Im Herbst 1853 fuhr der erste Schnellzug zwischen Berlin und Breslau. Er verband die beiden größten Städte im damaligen Preußen, zu dem auch die Provinz Schlesien gehörte. Und der „Fliegende Schlesier“ – ein Schnellzug, der in den 1930er Jahren eingerichtet wurde, benötigte für die 329 Kilometer zwischen dem „Schlesischen Bahnhof“ (heute Ostbahnhof) und Breslau nur etwas mehr als zweieinhalb Stunden.

Eine Rekordzeit, die nach dem Zweiten Weltkrieg – als Breslau zum polnischen Wroclaw wurde – niemals mehr erreicht werden sollte. Der aktuell noch existierende Eurocity „Wawel“ benötigt laut Fahrplan genau fünf Stunden und drei Minuten, verspätet sich in der Realität aber oft um Stunden.

Ab Sonntag ist aber auch damit Schluss. „Weil sich unser polnischer Partner, die PKP, nicht mehr beteiligt, und wegen der geringen Auslastung wird der Wawel eingestellt“, bestätigt Bahnsprecher Holger Auferkamp. Stattdessen soll es nur noch einen Schnellbus geben, den die Bahn schon seit zwei Jahren einsetzt (Fahrzeit 4 Stunden und 14 Minuten), sowie zwei Busse von „polskibus“, einem Anbieter aus dem Nachbarland. Allerdings haben diese den Nachteil, dass sie nicht wie der Zug noch unterwegs in Lübbenau, Cottbus und Forst halten.

Alle Proteste, die es gegen die seit Monaten bekannte Entscheidung gab, haben nichts genützt. Bereits im Mai hatte der Hauptgeschäftsführer der IHK Cottbus, Wolfgang Krüger, darauf verwiesen, dass „mit dem EC-Wawel die einzige Fernverkehrsverbindung auf der Schiene von Cottbus in den Wirtschaftsraum Breslau entfällt“. Dies sei gerade in Zeiten zunehmender wirtschaftlicher Verflechtung mit Polen ein ernster Rückschritt.

Auch aus Berlin und von polnischer Seite gibt es Proteste. „Beim Ausbau der Verbindungen in unser nächstes Nachbarland hat sich die Deutsche Bahn bisher nicht mit Ruhm bekleckert“, kritisiert etwa der Verkehrsexperte der Berliner SPD, Daniel Buchholz. Er sieht zudem die Gefahr, dass mit dem Ersatz des Zuges durch einen Bus ein „bedenkliches Exempel auch für andere Fernverbindungen geschaffen wird“. Den Konkurrenzkampf mit Billigbussen werde die Bahn aber nicht bestehen können.

Gemeinsam mit anderen Politikern, darunter dem SPD-Landeschef Jan Stöß, will sich Buchholz an einer Art „Trauerzug“ in der letzten Fahrt am Sonnabend beteiligen. Auf dem Cottbuser Bahnhof soll es eine symbolische Kranzniederlegung geben. Polnische Intellektuelle aus dem Umkreis der Universität Breslau haben im Internet ein Petitionsforum gegen die Abschaffung der Zugverbindung geschaffen. Sie verweisen auch darauf, dass Breslau 2016 den Titel Kulturhauptstadt Europas tragen wird.

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