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Landgericht verurteilt Hells Angel zu Haft : Ein blutiger Kampf um Macht

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Es war ein Denkzettel, den Hells Angels ihrem früheren Boss verpassen sollten. Dabei war das Opfer fast gestorben.

svz.de von
erstellt am 08.Mai.2015 | 22:00 Uhr

Es war ein Denkzettel, den Hells Angels ihrem früheren Boss verpassen sollten. Dabei war das Opfer fast gestorben. Ein Rocker wurde gestern wegen der Tat vom Frankfurter Landgericht zu sieben Jahren Haft verurteilt, ein weiterer Angeklagter erhielt einen Freispruch.

Es ist hartes Ringen um Macht, das die Berliner Hells Angels fast spaltet. Auf der einen Seite steht Rockerboss Holger „Hocko“ B., der 2008 angeblich wegen eines Streits um Geld bei den „Nomads“ vor die Tür gesetzt wurde. Sein Widersacher im hierarchisch organisierten Club ist sein früherer Gefolgsmann, André S., ein Ex-Hooligan, der die Führungsrolle übernimmt. Stolz, Geld und Rache sind Brandbeschleuniger in einem Fall, der seit Januar vor dem Landgericht Frankfurt (Oder) verhandelt wurde und gestern mit einem Urteil gegen zwei Hells Angels endet. Nach Auffassung des Gerichts kann jedoch nur dem 33-jährigen Angeklagten Christian M. nachgewiesen werden, dass er an einem blutigen Angriff auf B. im Mai 2011 vor dessen Wohnhaus in Altlandsberg (Märkisch-Oderland) beteiligt war.

Der Vorsitzende Richter Matthias Fuchs verhängt gegen ihn sieben Jahre Haft, wobei die Kammer auch frühere Verurteilungen einbezieht. M. sei durch mehrere Indizien überführt worden, sagt der Vorsitzende Richter. So wurde eine Hautschuppe von ihm auf der Jacke des Opfers gefunden, zudem sei das Fluchtfahrzeug auf ihn zugelassen. „Es gibt nichts, was sie entlasten würde. Sie sind auch alles andere als ein friedfertiger Mensch“, meint Fuchs und spielt auf die lange Vorstrafenliste des Angeklagten an.

Beim 38-jährigen Nico T. hingegen, ebenfalls Mitglied der Berliner Hells Angels, hat das Gericht große Zweifel, ob er an dem nächtlichen Überfall mit Baseballschlägern und Messern beteiligt war. Der Rocker aus Strausberg war allein durch die Aussage von Holger B. ins Visier der Justiz geraten. Das 54-jährige Opfer will ihn als Täter wiedererkannt haben. Doch dem schenkt die Kammer keinen Glauben.

Zweifel hatte das Gericht auch bei anderen Aussagen von Holger B., der während des Prozesses als Nebenkläger auftrat. Dieser entstamme selbst dem kriminellen Milieu und habe zwei Jahre beharrlich gegenüber den Strafverfolgungsbehörden geschwiegen – wie das in Rockerkreisen eben üblich sei, sagt Fuchs. Erst nachdem gegen ihn selbst Anklage wegen Anstiftung zum Mord vorlag, hatte er reinen Tisch gemacht. „Er wollte sich Strafrabatt im eigenen Verfahren verschaffen“, sagt Fuchs.

B. sei von großem Hass auf sämtliche Rocker der „Nomads“ getrieben, vor allem auf seinen Gegenspieler André S., den er durch einen Auftragskiller „kaltblütig“ ausschalten wollte und dafür im Dezember in Berlin zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt wurde. Schließlich habe der frühere Rockerboss B. während des Frankfurter Prozesses bei manchen Dingen schlichtweg gelogen, betont der Richter.

Hinzu kommt, dass er nach dem Rauswurf seine Rehabilitierung bei der Bruderschaft vorantrieb – selbst Frank Hanebuth, den lange Zeit führenden Kopf der Hells Angels in Deutschland, um Hilfe bat. Daher hatte es laut Fuchs im Berliner Club „großen Widerwillen“ gegeben, Holger B. wieder aufzunehmen. „Sie wollten ihm mit dem brutalen Überfall einen Denkzettel verpassen, er sollte sie in Ruhe lassen“, schildert er das Motiv des Überfalls in Altlandsberg. Doch einen versuchten Mord, wie es die Staatsanwaltschaft wertete, konnte das Gericht nicht erkennen. „Dann hätte man nicht auf das Bein, sondern auf den Oberkörper eingestochen“, so Fuchs.

Der Richter blieb damit deutlich unter der Forderung der Anklagerbehörde, die zehneinhalb Jahre Gefängnis für Martin M. und neun Jahre für Nico T. forderte. Die Verteidiger plädierten auf Freispruch für ihre Mandanten.

Nach dem gestrigen Urteil wollten sie nichts sagen. Der Anwalt von Holger B. kündigte jedoch an, eine Revision zu prüfen. Auch die Kontrahenten waren selbst nicht erschienen: André S. entsandte Gefolgsleute, die unter den Zuschauern saßen und von Polizisten in kugelsicheren Westen nicht aus den Augen gelassen wurden.

 

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