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Naturschutz : Eichen werden umsorgt

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Über die Jahrhunderte gewannen Kiefern die Oberhand / Die Eichen blieben trotzdem nicht auf der Strecke

Spreewälder Gurken, Beelitzer Spargel und Eberswalder Würstchen – Brandenburger Produkte sind über die Landesgrenzen bekannt. Doch es gibt auch nicht so landläufige Marken. Eine gedeiht im märkischen Wald eher im Verborgenen, die Schlaubetaler Eiche. Sie ist in Industrie und Forschung begehrt. „Die Bäume liefern Qualitätsholz und anerkanntes Saatgut“, sagt Norbert Kannowsky, Geschäftsführer der Stiftung Stift Neuzelle. In den Wäldern der Stiftung wachsen diese bis zu 350 Jahre alten Bäume.

Das Waldstück erhielt einen besonderen Schutz. Heute stellt Forstminister Jörg Vogelsänger (SPD) den landesweit ersten sogenannten Generhaltungswald vor. Eigentlich ist die Eiche ein typisch märkischer Baum. Vor Jahrhunderten wuchsen vornehmlich Eichen in der Region, wie Jan Engel, Sprecher des Landeskompetenzzentrum Forst in Eberswalde (Barnim), berichtet. Doch im 17. und 18. Jahrhundert ließen die Preußenkönige wertvollen Bestände abholzen und verkauften sie nach England. Aus dem guten Holz bauten die Engländer Kriegsschiffe. „30 Hektar Wald sind damals locker für eine Fregatte draufgegangen“, schätzt der Wissenschaftler.

Das blieb nicht ohne Folgen für das Exportland. In der Mark laugten den Boden über die Jahrzehnte aus. Nur mit Hilfe der schnell wachsenden Kiefer konnte der Wald wieder aufgeforstet werden, der Boden sich erholen. Inzwischen hat sich die Trend geändert, Artenvielfalt ist gefragt. Die Kiefern werden „aufgemischt“, diverse andere Baumarten angepflanzt, der Wald regelrecht umgebaut.

Die Vielfalt von Bäumen und Sträuchern sei das forstgenetische Reservoir der heimischen Wälder, stellt Vogelsänger fest und spricht von einem „Schatz für heute und nachfolgende Generationen“. Mit einer Fläche von 614 Hektar ist das Waldgebiet mit den Schlaubetaler Eichen der größte zusammenhängende Lebensraum der heimischen Trauben-Eiche (Quercus petraea), wie der Landesbetrieb Forst berichtet. Im Schutzgebiet werde auf 29 Hektar Fläche Saatgut gewonnen. Diese Eicheln seien eine wichtige Grundlage, um Eichenbestände im ostdeutschen Tiefland anzulegen.

Die Exemplare im Schlaubetal sind unterschiedlich alt und werden seit Jahren auf großen Versuchsflächen beobachtet und erforscht. Themen seien die Zusammenhänge von Wald und Klima, Klima und Wachstum, der Zustand der Böden und Lebensräume für Tiere, erklärt Engel. „Es geht um die gesamte genetische Vielfalt.“ Es gebe Urwaldflächen mit Totholz für Insekten und andere Tiere, aber auch Flächen, die bewirtschaftet werden. Alte Eichenwälder zögen bestimmte Insekten an, wie etwa Hirschkäfer.

Radler und Wanderer ist gestattet, sich dennoch in dem Wald zu bewegen, wo auf bestimmten Flächen auch Holz gefällt wird. „Allerdings dürfen Besucher die Wege nicht verlassen“, betont Engel. Über das „Kleinod“, wie er es nennt, informiert eine Tafel im Wald.

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