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Postfahrzeug brannte vollkommen aus : Ebay-Bomber gesteht Napalmpaket

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Aus einer Motorradbatterie, einer Zeitschaltuhr, einer Leiterplatte, einer pyrotechnischen Fontäne und Napalm, einem schnell entflammbaren Material, das er aus verdicktem Benzin hergestellt haben soll, baute der 35-Jährige laut Anklage Sprengsätze.

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erstellt am 18.Feb.2015 | 21:15 Uhr

Was sich Marcel B. aus Oranienburg (Oberhavel) da im Sommer vergangenen Jahres ausgedacht haben soll, erwies sich während des ersten Prozesstages im Frankfurter Landgericht als komplexe Tüftlerarbeit. Aus einer Motorradbatterie, einer Zeitschaltuhr, einer Leiterplatte, einer pyrotechnischen Fontäne und Napalm, einem schnell entflammbaren Material, das er aus verdicktem Benzin hergestellt haben soll, baute der 35-Jährige laut Anklage Sprengsätze. In zwei Paketen verpackt, gab er diese am 14. Juli 2014 in einer Postfiliale in Wandlitz (Barnim) ab. Die Sprengsätze zündeten im Wagen des Transporteurs als dieser eine weitere Filiale in Basdorf erreichte, nur einige Kilometer entfernt.

Die Anklage: besonders schwere Brandstiftung und das Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion. Fünf Jahre Gefängnis sind laut dem Vorsitzenden Richter Frank Tscheslog Mindeststrafmaß. Bereits seit dem 19. Juli sitzt B. in Untersuchungshaft.

Als Staatsanwalt Frank Riedel die Anklage verliest, geht Marcel B.s Blick nach unten, denn die Hintergründe für seine Tat erweitern die Anklage um zwei Betrugsfälle. B. habe zwei Verkäufe auf der Internetplattform Ebay getätigt. Dort soll er einen Apple-Laptop für 2221 sowie einen Beamer für 1815 Euro angeboten haben. Besessen habe er die technischen Geräte jedoch nie, hieß es. Stattdessen soll er geplant haben, nach Erhalt des Kaufpreises einen Versandschaden zu inszenieren. Ausgelöst durch Sprengsätze in den Paketen. Gestern sitzt der blonde Mann mit kurzärmligem, grau-weißem Hemd, Jeans und Turnschuhen vor dem Richter, spricht kaum – wenn, dann nur leise.

Zu Beginn der Verhandlung lässt er ein Geständnis durch seine Rechtsanwältin verlesen. Er habe nie gewollt, dass jemand zu Schaden komme, hieß es darin. „Es sollte nur brennen, nicht explodieren. Heute weiß ich, dass das blauäugig war.“ Wegen finanzieller Nöte wollte er zu Geld kommen und habe am Tattag die Droge Speed konsumiert, hieß es weiter. Auch habe er den Zündmechanismus genau so eingestellt, dass die Pakete dann zu brennen beginnen, wenn der Spediteur seinen nächsten Halt eingelegt habe und außer Reichweite sei.

Tatsächlich wollte Fahrer Rainer S. laut eigener Zeugenaussage gerade eine zweites Mal in die Basdorfer Poststelle, um eine weitere Ladung Pakete zu holen, als er ein Zischen aus dem Fahrzeuginneren bemerkte. Nur wenige Augenblicke später habe sein Transporter bereits lichterloh gebrannt, berichtet der 60-Jährige vor Gericht. Das Fahrzeug brannte vollkommen aus. Verletzt wurde niemand. Aber eine angrenzende Garage wurde beschädigt. Dabei entstand ein Schaden in Höhe von 6500 Euro. Wie B. den Zündzeitpunkt genau vorher wissen konnte, vermochte er auf Rückfrage des Vorsitzenden Richters nicht zu beantworten.

Dabei machte der gelernte Koch schon einmal schlechte Erfahrungen mit selbstgebastelten Sprengsätzen. Am Silvesterabend im Jahr 2011 verlor er beim Zünden eines Knallers den rechten Zeige- und Mittelfinger sowie einen Teil des Daumens. Videos, die die Polizei auf B.s Handy sicherte, zeigen ihn beim Zünden von Sprengsätzen in einer Waschmaschine sowie in einer Dixi-Toilette. Der Prozess wird am Montag fortgesetzt.

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