Kulturlandschaft Uckermark e. V. in Bedrängnis : Dunkle Wolken über Solarboot

31 Mal ist das Solarboot 2014 gemietet worden. Das kostspielige Vorhaben war von Anfang an umstritten.
31 Mal ist das Solarboot 2014 gemietet worden. Das kostspielige Vorhaben war von Anfang an umstritten.

Mit den ersten Frühlingsstrahlen bricht auch für die „Solar Explorer“ die Saison an. Das Projekt der Umweltbildung hat auch in seinem dritten Frühling kaum Chancen, in schwarze Zahlen zu fahren und bringt den Förderverein des Biosphärenreservates in Schieflage.

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23. März 2015, 09:03 Uhr

Mit den ersten Frühlingsstrahlen bricht auch für die „Solar Explorer“ die Saison an. Das Projekt der Umweltbildung auf dem Werbellinsee hat auch in seinem dritten Frühling kaum Chancen, in schwarze Zahlen zu fahren und bringt den Förderverein des Biosphärenreservates in Schieflage.

Zunächst die gute Nachricht: Die Staatsanwaltschaft Neuruppin hat nach einem halben Jahr der Prüfung entschieden, keine Ermittlungen gegen den Verein Kulturlandschaft Uckermark e.V. einzuleiten. Es sei kein Schaden entstanden, sagt Oberstaatsanwalt Detlef Hommes, dessen Behörde die Förderung des Solarbootes prüfte. Es habe sich weniger um eine wirtschaftliche Förderung als vielmehr um eine kulturelle Subvention gehandelt, argumentiert er.

Der mit Solarzellen betriebene Katamaran war zu Beginn des Jahrzehnts mit rund 335 000 Euro aus Bundes- und Landesmitteln gefördert worden. Der Kulturlandschaftsverein wollte damit Gruppen von Erwachsenen und Schulklassen bei Fahrten über den See und Blicken durch den Glasboden für die Natur und die Solarenergie begeistern. Kritische Stimmen, dass sich das Konzept nicht trage, wurden in den Wind geschlagen. Da der Verein den Eigenanteil von rund 100  000 Euro nicht aufbringen konnte, borgte man sich das Geld von befreundeten Unternehmern. Es blieb etwa eine Woche auf den Konten des Vereins, dann wurde es zurück überwiesen. Mit dem Kontoauszug jedoch erhielt der Verein den Förderbescheid und mit diesem dann einen Kredit bei einer Bank.

Als sich das Vorhaben weiter verteuerte, legten Vorstandsmitglieder zusammen und schossen einen Privatkredit von 86  000 Euro hinterher. Dem stehen verschwindend geringe Einnahmen in den vergangenen Sommern gegenüber. Laut Aussage von Vereinsmitgliedern war das Schiff im vergangenen Jahr 31 Mal gemietet worden. Einnahmen von 5000 Euro steht ein Vielfaches an Kosten für Kapitän, Versicherung, Liegeplatz und dergleichen gegenüber.

Vereinsvorsitzender Martin Krassuski will sich nicht dazu äußern. Der Kassenbericht zum Geschäftsjahr 2013 weist Verbindlichkeiten von insgesamt 259 000 Euro auf. Problematisch ist die Finanzsituation, weil der Verein der offizielle Förderverein des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin ist. Ende der 90er erwarb er mit Lottomitteln das heutige Weltnaturerbe Grumsin. Der Buchenbestand liegt im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin und gilt als einer der bedeutendsten Wälder dieser Art in Europa.


Ministerium soll Kosten übernehmen


Außerdem wurden dem Verein rund 200 Hektar Nutzflächen aus dem Nationalen Naturerbe übertragen. Aus den Pachterträgen sollen Naturschutzvorhaben finanziert werden – beispielsweise der Flächenerwerb von Landbesitzern, die in den Totalreservaten des Biosphärenreservates noch Eigentum haben.

Aus dem Protokoll der Mitgliederversammlung vom 16. Oktober vergangenen Jahres geht hervor, dass die Erträge aus dem Nationalen Naturerbe dafür verwendet werden sollen, das Solarboot über Wasser zu halten. Einen entsprechenden Vorschlag unterbreitete Martin Flade laut Protokoll den Mitgliedern – seines Zeichens Leiter des Biosphärenreservates. Es stelle sich die Frage, wie weit der Begriff Naturschutz ausgelegt wird. Letztlich diene auch die Umweltbildung im weiteren Sinne dem Naturschutz, wird Flade wiedergegeben. Außerdem empfahl er, beim Umweltministerium Personalkosten für Umweltpädagogen und Projektmanager für den „Solar Explorer“ zu beantragen.

Das Ministerium bestätigte, dass es entsprechende Anfragen gegeben habe. Allerdings sei noch kein Antrag gestellt worden, weil die Richtlinie dazu noch nicht existiere. Im Verein wurde außerdem die Variante diskutiert, dass Solarboot in einer neuen Gesellschaft auszugliedern und den Betrieb bundesweit auszuschreiben. Laut Sitzungsprotokoll wurde das Jahr 2015 von Vereinschef Krassuski als Jahr der Entscheidung zur Zukunft der „Solar Explorer“ erklärt. In wneigen Tagen berät der Verein erneut.

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