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Lennépark : Drogen, Pöbeleien und Angst

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Ein Park in Frankfurt (Oder) entwickelt sich immer mehr zum Problemgebiet – Gebüsche werden als Verstecke für Rauschgift benutzt

svz.de von
erstellt am 18.Sep.2014 | 12:25 Uhr

Dunkelheit. Nichts als Dunkelheit. Die Nacht hat ihren schwarzen Umhang um den Lennépark in Frankfurt (Oder) gelegt. Hier irgendwo müssten sie eigentlich sein: Drogendealer. Männer, die Passanten anpöbeln, Frauen belästigen. Und Jugendliche, die bis tief in die Nacht trinken und so laut sind, dass die Nachbarn nicht schlafen können. Aber es ist ruhig. Das Zirpen von Grillen ist zu hören, Fledermäuse flattern durch die Luft.

Seit Wochen wird in Frankfurt (Oder) heftig über den Lennépark diskutiert. Thomas Hermann* wohnt genau am Park. Top-Wohnlage. Mitten im Zentrum. Eine riesige Grünfläche mit Teich und Bänken direkt vor der Haustür. Genug Auslauf für seinen braunen Schäferhund. Idylle. Mitten in Frankfurt. Wenn das mit den Drogen nicht wäre.

„Jugendliche, die laut sind, Anwohner, die Gitarre spielen und Wein trinken, alles kein Problem. Aber die Drogen“, sagt Thomas Hermann. Seine Stimme klingt ruhig. Es ist die Stimme eines Mannes, der anscheinend sehr geduldig ist. Seit 19 Jahren wohnt der 48-Jährige hier. Thomas Hermann trägt einen grauen Zopf, streng nach hinten gebunden und eine Jogginghose. Er macht nicht den Eindruck, als könnte ihn so schnell etwas aus der Fassung bringen.

Aber das Problem mit den Drogen beschäftigt den Frankfurter schon. Dabei wurde es in den vergangenen Jahren ruhig um den Lennépark, der bereits früher als Treffpunkt für Abhängige und Dealer galt. „Seit Anfang des Jahres ist es extrem geworden“, sagt Thomas Hermann und berichtet von jungen Männern, die schon nachmittags auf Bänken oder Mauern sitzen und scheinbar nichts tun als warten.

„Als ich das zum ersten Mal gesehen hatte, dachte ich mir nichts dabei. Die warteten eben“, sagt der Frankfurter. Aber bald fiel ihm auf, dass sich die Männer nicht nur auf Bänke und Mauern im Park setzen, sondern auch in den Büschen direkt vor seinem Haus herumtreiben. Nach seinen Beobachtungen verstecken sie dort Drogen, die sie in der Nähe verkaufen. „Da vorne“, sagt der Frankfurter und zeigt auf einen Busch in der Nähe.

Einige hundert Meter weiter glimmt eine Zigarette in der Dunkelheit. Eine Straßenlaterne flackert alle paar Sekunden auf. Die Zigarette gehört zu einem Mann, der seinen Namen wie Thomas Hermann auch nicht in der Zeitung lesen will. Aber im Gegensatz zu dem 48-Jährigen, hat Walter Reinsch* Angst. Nicht davor, was abends vor seinem Balkon abgeht. „Ich hab‘ doch einen Stock“, sagt der Rentner. Nein, der Frankfurter hat Angst, „dass sich jemand die Klingelschilder anschaut, wenn was in der Zeitung steht.“ Um an den Balkon des Rentners zu gelangen, braucht es nur ein wenig Geschick. Botanisches Niemandsland. Und grüne Grenze. Ein perfektes Versteck. „Vor meinem Balkon lagen auf einmal Beutel und Tragetaschen im Busch“, sagt er. Drogen? „Ja, ja. Das weiß man ja.“


Der Rentner griff zur Heckenschere


Walter Reinsch wusste sich nicht anders zu helfen, als vor seinem Balkon selbst für Ordnung zu sorgen. „Ich habe ein bisschen Grün weggeschnitten“, sagt er und zieht an seiner Zigarette. Entscheidend geändert hat sich die Situation vor Reinschs Haus nicht. „Die lagern jetzt alles da vorne im Busch“, sagt der Frankfurter und zeigt auf die Laterne. Sie geht aus. Dunkelheit.

Von den Dealern ist nichts zu sehen. Aber sie sind da – meist schon am Nachmittag –, und sie kommen immer wieder. Das weiß man auch im Rathaus. Jetzt soll der Sicherheits- und Präventionsrat tagen und Lösungsstrategien entwickeln. Im Vorfeld ist aus der Stadtverwaltung nichts zu erfahren. Man duckt sich weg. Oder bereitet sich vor. Je nach Perspektive.

Thomas Hermann fragt sich schon lange, wie es nun weitergehen soll im Lennépark. Er erzählt von Tütchen mit Cannabis-Zeichen, die auf den Wegen liegen. Seine Stimme wird lauter. Er erzählt von einer Begegnung mit einem vermutlichen Dealer: „,Mach, dass du wegkommst‘, hat er mich angezischt.“ Der Frankfurter hebt einen Zeigefinger, wie der Mann damals. Seine Augen funkeln. „Man kann nicht alle über einen Kamm scheren, aber es ist schwer, die Distanz zu halten“, sagt er. Er gibt sich Mühe, nicht rassistisch zu klingen. Sucht nach den richtigen Worten, um zu erklären, dass die meisten der Dealer, die er beobachtet hat, junge Männer mit dunkler Hautfarbe sind.

Dass die Drogenverkäufer aus Berlin kommen, glaubt Thomas Hermann nicht. „Einige wohnen hier in der Straße.“ Das sagt auch Walter Reinsch. In der Stadt hält sich hingegen hartnäckig das Gerücht, dass die Dealer in dem Flüchtlingsheim in der ehemaligen Oderland-Kaserne leben, die nur einen Steinwurf von hier entfernt liegt. „Die Problematik hat nichts mit der Unterbringung in der Kaserne zu tun“, stellt ein Polizeisprecher klar. So lautet auch die offizielle Antwort auf eine Anfrage an das Brandenburger Innenministerium. Viel weiter will man sich in Potsdam nicht aus dem Fenster lehnen.

Die Frankfurter Polizei kämpft derweil ihren eigenen kleinen Krieg gegen die Szene im Lennépark. Mit welcher Taktik? Kein Kommentar.

Thomas Hermann fühlt sich trotzdem nicht sicher. Seine Stimme zittert. „Irgendjemand muss doch mal was unternehmen!“ *Namen geändert

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