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Prozess : „Dreiste Tricks und Nebelkerzen“

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Nebenkläger üben im Maskenmann-Prozess Kritik an der Verteidigung / Gericht lehnt Beweisanträge ab

svz.de von
erstellt am 22.Mai.2015 | 15:38 Uhr

Achtzehn Seiten umfasst das Konvolut an neuen Beweisanträgen, das Rechtsanwalt Axel Weimann am Morgen vorlegt. Panos Pananis, Anwalt des mutmaßlichen Entführungsopfers Stefan T., ist darauf vorbereitet, verteilt die Schriftfassung seiner Erwiderung sogleich nicht nur an die Prozessbeteiligten, sondern auch an Pressevertreter im Saal. Außerdem greift er Weimann scharf an, hält ihm eine „Verschleppungstaktik“ sowie das Zünden von „Nebelkerzen“ vor. Inhaltlich seien die Beweisanträge „irrelevant“, vieles werde falsch dargestellt. Weimann gehe es darum, sich mit dem Prozess einen Namen zu machen, dafür setze er auf „dreiste Tricks, die man sonst nur aus Amerika kennt“.

Der Angegriffene zeigt sich von der Schärfe der Kritik überrascht. Er verwahrt sich gegen die „absurden“ Vorwürfe. Eine deutlichere Reaktion verkneife er sich aus Gründen der Kollegialität, fügt er hinzu. Dann verlängert er die Liste neuer Beweisanträge weiter: Der 2012 entführte Stefan T. solle noch einmal gehört werden, ebenso jene Frau, die der Maskenmann 2011 überfallen haben soll. Dazu nimmt wiederum die Nebenklage Stellung, worauf Weimann erneut etwas erwidert. Ein Wort gibt das andere. Begleitet von häufigen Beratungspausen des Gerichts geht das so vom Morgen bis um 15.45 Uhr. Dann klagt Mario K., der Mann, um den sich alles dreht, über Kopfschmerzen, und die Verhandlung wird für diesen Tag unterbrochen. Fortsetzung am 4. Juni.

Inhaltlich drehen sich Weimanns Beweisanträge um zwei altbekannte Fragen: Kann sich die Entführung des Managers T. am Storkower See im Oktober 2012 so abgespielt haben, wie von ihm geschildert? Und: Kommt möglicherweise ein anderer Mann als Täter in Frage, zu dem bislang nur wenig ermittelt wurde?

Um T.s Aussagen weiter zu erschüttern, will Weimann die Flüge eines Polizeihubschraubers an den Tagen der Entführung und die dabei gemachten Videobilder noch einmal detailliert auswerten lassen. Seine These: An Tag eins der Entführung lag vor jener Schilfinsel, zu der das Opfer aus seinem Haus verschleppt worden sein soll, kein Kajak, an Tag zwei aber sehr wohl. Es könnte also nachträglich dort abgelegt worden sein, um eine Entführung vorzutäuschen, so die Vermutung des Rechtsanwalts.

Der Vorsitzende Richter Matthias Fuchs wischt den Beweisantrag schließlich vom Tisch. Auf den Bildern der Kamera sei nichts zu erkennen, eine nochmalige Sichtung habe keinen Erkenntniswert. Auch alle Untersuchungsaufträge mit Blick auf den Ex-Polizisten Andreas K. weist der Vorsitzende zurück. Jener Mann war kurzzeitig im Visier der Ermittler.

Wie er in dieses geraten konnte, ist für Weimann eine der vielen Merkwürdigkeiten in dem Prozess. In den Akten finde sich kein Hinweis darauf, wer warum gegen den inzwischen aus dem Dienst ausgeschiedenen Mann ermitteln ließ, kritisiert er. Andreas K.s Alibi, in den Augen der Nebenklage „hieb- und stichfest“, zweifelt die Verteidigung des Angeklagten massiv an.
Es gebe viele Gründe, eine Tatbeteiligung von Andreas K. eingehender zu prüfen, fordert die Verteidigung. Die Vernehmung unter anderem von dessen Ex-Frau und seines damaligen Vorgesetzten wird deshalb gefordert sowie die Erstellung umfangreicher DNA-Profile, die belegen sollen, dass Andreas K. etwas mit der Entführung zu tun hat. Das Gericht berät lange und erteilt Weimann dann eine Absage. Fuchs’ Begründung: „Es gibt keinen Tatverdacht gegen Andreas K.“

 

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