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vielfach noch hoher Sanierungsbedarf : Dorfkirchen sind gerettet

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Nur einige wenige seien noch im Bestand gefährdet, heißt es. Nun gelte es das Innere der Gotteshäuser zu sichern. Kirchengestühl, Altäre und Kanzeln seien oftmals in einem prekären Zustand.

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erstellt am 15.Sep.2014 | 08:00 Uhr

Die brandenburgischen Dorfkirchen sind laut Landeskonservator Thomas Drachenberg weitgehend gerettet. Nur einige wenige seien noch im Bestand gefährdet, heißt es. Nun gelte es das Innere der Gotteshäuser zu sichern.

„Bei Rettung der Ausstattung der Kirchen stehen wir noch ganz am Anfang“, schätzt Drachenberg ein. Kirchengestühl, Altäre und Kanzeln seien oftmals in einem prekären Zustand. Davon konnten sich die Brandenburger vielerorts am Wochenende zum Tag des Offenen Denkmals überzeugen. Als gravierendes Beispiel nannte er den Kirchenschatz der St. Marienkirche Frankfurt (Oder). Der geschnitzte gotische Rahmen des Hochaltares muss dringend behandelt werden.

Die Pfarrerin der Gemeinde, Susanne Seehaus, berichtet von 500 Exponaten, die aus der im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigten und inzwischen wieder mit einem Dach versehenen Kirche gerettet werden konnten. Bis zum Reformationsjubiläum 2017 soll versucht werden, einige der zahlreichen Holzepitaphe zu restaurieren und die Grabdenkmale in einer Sonderausstellung als Beleg der gewachsenen Bürgerfrömmigkeit nach der Reformation auszustellen.

Als Erfolg wird vom Landesamt für Denkmalpflege die Spendenaktion „Menschen helfen Engeln“ gewertet, bei der in den vergangenen Jahren 65 000 Euro für die Restaurierung von Taufengeln gesammelt werden. 20 der noch 150 in Brandenburg gezählten derartigen Figuren konnten damit gerettet werden. Ebenso viele Taufengel gelten noch als dringend restaurierungsbedürftig.

Laut Drachenberg gibt es nur noch wenige Dorfkirchen in Brandenburg, die als baulich gefährdet gelten. Dazu zähle das Gotteshaus in Laubst bei Cottbus, das wie der Ort selbst lange Zeit durch eine Tagebauerweiterung bedroht war und deshalb nicht baulich unterhalten wurde. Die Turmhaube musste inzwischen abgenommen werden, da der Turm als einsturzgefährdet galt.

Die Landesregierung beziffert die Zahl der Kirchen, die im Bestand gefährdet sind, auf bis zu 50, wobei nicht zwischen Dorf- und Stadtkirchen unterschieden wurde. In 200 Fällen wird von einem „hohen Sanierungsbedarf“ ausgegangen.

Laut evangelischer Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz wurden von ihren 2000 Kirchen, davon 1600 Dorfkirchen, in den letzten 24 Jahren 30 für eine weltliche Nutzung abgegeben. In 300 Kirchen werden neben Gottesdiensten auch andere Veranstaltungen wie Konzerte, Ausstellungen oder Lesungen durchgeführt.

Umgewidmet wurde zum Beispiel die Gutskapelle in Darsikow (Ostprignitz-Ruppin), in der heute ein Bildhaueratelier untergebracht ist. Die Kirche von Meßdunk (Potsdam-Mittelmark) wurde verkauft und wird heute für musikalische Veranstaltungen genutzt. Pressesprecher Volker Jastrzembski verweist auf 100 Kirchenbauvereine, in denen sich Bürger für die Erhaltung „ihrer“ Kirche engagieren, auch wenn sie nicht der Gemeinde angehören.

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