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Verschärfter Wettbewerb : Dienstwagen für Lehrlinge

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Die Suche nach Lehrlingen wird für Unternehmen immer schwieriger. Die Firmenchefs lassen sich daher einiges einfallen, um Nachwuchs zu locken – vielfach werden Auslandsaufenthalte, Dienstwagen oder Prämien geboten.

svz.de von
erstellt am 22.Okt.2014 | 07:45 Uhr

Einen spannenderen Ort für ein Praktikum hätte der angehende Chemielaborant Maximilian Lautenbach kaum wählen können. Der Auszubildende der Firma B.R.A.H.M.S. aus Hennigsdorf (Oberhavel) arbeitete vier Wochen in einem internationalen Forschungsinstitut in Nairobi, der Hauptstadt von Kenia. Gefördert wurde der Aufenthalt über ein Modellprojekt der Industrie- und Handelskammer (IHK).

Auch das Logistikunternehmen Hüffermann in Neustadt (Dosse) unterstützt Aufenthalte von Azubis in anderen Ländern, damit diese zusätzliche Erfahrungen sammeln. „Die jungen Menschen kehren beeindruckt und mit neuem Schwung zu uns zurück“, sagt Stefanie Softic, die für derzeit 30 Lehrlinge bei Hüffermann zuständig ist.

Es gibt kaum einen besseren Zeitpunkt als jetzt, eine Ausbildung zu starten. Die meisten Unternehmen zahlen nach Tarif und teilweise auch Vergütungen, die darüber liegen. „Die Betriebe werden einfallsreicher, um Lehrlinge zu gewinnen“, sagt Silke Hartwig, Ausbildungsberaterin bei der IHK Frankfurt (Oder). Es gebe „Lockmittel“ wie Prämien und Monatskarten. Zuweilen gibt es auch Bares: So zahlte ein Bäckermeister im sächsischen Colditz glatt 1000 Euro Begrüßungsgeld für jeden neuen Lehrling.

Ein ausgeklügeltes Ausbildungsmarketing spielt nach ihrer Erfahrung eine immer größere Rolle. „Eine Stellenanzeige reicht längst nicht mehr. Die Firmen suchen über soziale Netzwerke, sprechen Jugendliche direkt an“, sagt Hartwig. Zudem müssten Firmen attraktive Plätze anbieten, um eine Chance zu haben. „Branchen, in denen an Wochenenden oder körperlich schwer gearbeitet wird, geraten deutlich ins Hintertreffen.“

Eine Branche, die sich strecken muss, ist beispielsweise das Hotelgewerbe. Daher erhalten Lehrlinge dort mitunter eigene Firmenwagen, um zumindest eine reibungslose Anfahrt zu gewährleisten. Dafür hat der brandenburgische Hotel und Gaststättenverband einen Leasingpartner organisiert. Aber auch Vergütungen hätten deutlich zugelegt – seit 2012 rund 20 Prozent, sagt Verbandsgeschäftsführer Olaf Lücke.

Das Bäckerei-Handwerk wirbt mit Karrierechancen in den Betrieben. „Wir haben bei Konditoren einen hohen Zulauf von Abiturienten“, sagt der Innungsgeschäftsführer Johannes Kamm. „Die Durchlässigkeit zur Führungsebene ist im Handwerk eben besonders groß.“

„Es ist ein Wettbewerb um Köpfe und dieser Wettbewerb hängt auch mit Geld zusammen“, sagt Uwe Hoppe, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Frankfurt (Oder). Allerdings würden die Firmen darauf achten, dass der Bogen nicht überspannt werde. Hoppe kennt auch andere erfolgreiche Beispiele: So hatte unlängst ein Sanitärunternehmer aus Woltersdorf ein Sportcamp im Olympiastützpunkt Kienbaum organisiert. „Mit dem Ergebnis, dass sechs Azubis bei ihm unterschrieben haben.“

Andere Betriebe haben weniger Glück. Momentan sind nach Angaben der IHK Potsdam noch 1800 Lehrstellen landesweit nicht besetzt. „Freie Kapazitäten gibt es in allen Branchen“, sagt Sprecher Detlef Gottschling. Dagegen laufen Projekte, mit denen junge Menschen im EU-Ausland für eine Ausbildung in Deutschland begeistert werden sollen, schleppend an. Schließlich müssten sprachliche Barrieren überwunden und auch persönliche Sorgen geklärt werden. „Das hat manchmal etwas von einer Reiseleitertätigkeit“, sagt Gottschling.

 

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