Gedenken an NS-Opfer : Diebe stehlen Stolpersteine

Künstler Gunter Demnig verlegte Stolpersteine in Beeskow.  Zwei von ihnen wurden kurz darauf gestohlen.
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Künstler Gunter Demnig verlegte Stolpersteine in Beeskow. Zwei von ihnen wurden kurz darauf gestohlen.

Anschläge von Neonazis auf die Messingplatten sind selten. Kurz nach ihrer Verlegung in Beeskow wurden jedoch mehrere Steine herausgerissen.

svz.de von
21. März 2014, 23:26 Uhr

Sie sind wichtige Orte der Erinnerung an NS-Opfer: Mittlerweile 700 Stolpersteine wurden in brandenburgischen Kommunen verlegt. Anschläge von Neonazis auf die Messingplatten sind selten. In der Nacht zu Freitag wurden zwei Steine jedoch in Beeskow (Oder-Spree) herausgerissen.

Zehnmal zehn Zentimeter klein sind die Messingplatten, die in immer mehr Straßen an frühere Bewohner erinnern, die von Nationalsozialisten deportiert und ermordet wurden. Oft verdecken schon Straßenschmutz und eine Patina viele Stolpersteine – manche Passanten nehmen sie gar nicht wahr. Bürgerinitiativen kümmern sich darum, dass die unscheinbaren Erinnerungsorte immer wieder gereinigt werden.

„Diese Form des Gedenkens ist durch das Land geschwappt“, sagt Ralf Dietrich vom Aktionsbündnis gegen Gewalt und Rechtsextremismus in Potsdam. Nach seiner Kenntnis gibt es bislang rund 700 Stolpersteine im Land. „Viele Bürgermeister präsentieren heute mit Stolz die Stolpersteine“, sagt er.

Von Widerständen gegen die Messingplatten hat Dietrich seit Jahren nichts gehört, ebenso lange Zeit nichts von rechtsextremen Anschlägen. Daher habe ihn die Nachricht, dass in Beeskow (Oder-Spree) zwei Stolpersteine einen Tag nach ihrer Verlegung von Unbekannten herausgerissen wurden, erschüttert. Zuletzt ereigneten sich mehrere Attentate im Herbst 2012: in Zossen (Teltow-Fläming), Schwedt (Uckermark) und im vorpommerschen Greifswald. Eine Statistik führt das Polizeipräsidium Potsdam nicht.

Stolpersteine gibt es auch in Wittenberge und Perleberg. Nach Kenntnis der Redaktion ist es hier bislang nicht zu ähnlichen Vorfällen gekommen.

Jörg Wanke, Sprecher der mehrere Jahre von Neonazis bedrohten Initiative „Zossen zeigt Gesicht“ berichtet, dass sich die Lage in seiner Stadt längst beruhigt habe. Die letzten Schändungen der sechs Stolpersteine mit schwarzer Farbe und Hakenkreuzen datieren vom Oktober 2012.

Auch in Kleinmachnow (Potsdam-Mittelmark) musste Martin Bindemann anfänglich viel Aufklärungsarbeit leisten. Und: „Es gibt noch immer Anwohner, die sagen, wir sollen doch endlich die Geschichte ruhen lassen. Andere befürchten gar, Stolpersteine schmälern den Wert ihrer Grundstücke“, erzählt der Diakon der Evangelischen Kirchengemeinde. „Wir haben aber jetzt eine große Akzeptanz erreicht.“

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