Schäden gehen in die Hunderttausende : Diebe bremsen Buhnen-Sanierung

Auftrag mit Nebenwirkungen: Werner Kulle sitzt in seinem Bagger an der Oder bei Brieskow-Finkenheerd und lädt Schüttgut in einen Behälter. Seine Firma ist in den letzten Monaten immer wieder Opfer von Kriminellen geworden.
Auftrag mit Nebenwirkungen: Werner Kulle sitzt in seinem Bagger an der Oder bei Brieskow-Finkenheerd und lädt Schüttgut in einen Behälter. Seine Firma ist in den letzten Monaten immer wieder Opfer von Kriminellen geworden.

Teilweise wird erst zum Arbeitsbeginn gemerkt, dass Diesel abgezapft wurde – auch das ist schon passiert – als zusätzliche Strafe Sand in den Tank gefüllt wurde oder Werkzeug verschwunden ist.

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21. August 2015, 08:00 Uhr

Der Septemberabend vor einem Jahr bei Oderkilometer 568 in Aurith (Oder-Spree) hat Unternehmer Werner Kulle aus Eisenhüttenstadt vom Glauben abgebracht. Nachdem dem Geschäftsführer der Tief-, Wasserbau und Schifffahrts GmbH immer wieder Baustellen ausgeplündert worden waren, wusste sich Kulle nicht anders zu helfen, als nachts Personal auf den Schiffen zurückzulassen – selbst wenn das Personalkosten verursacht. So auch an diesem Abend, wo sein Mitarbeiter gegen 22.30 Uhr seltsame Geräusche bemerkte, auf das Deck ging und plötzlich vier Männern gegenüberstand, die zuvor mit einem kleinen Boot angelegt hatten und dabei waren, das Arbeitsschiff nach brauchbarem Diebesgut zu durchforsten. „Es kam zu einem Gerangel an Bord“, erzählt Kulle, anschließend hätten die „Piraten“ ohne Beute das Schiff verlassen und seien geflüchtet.

Kulle ist mit seinen zehn Kollegen seit Jahren auf der Oder unterwegs. Im Auftrag des Wasser- und Schifffahrtsamts Eberswalde saniert er auch derzeit zwischen Eisenhüttenstadt und Frankfurt (Oder) das Buhnensystem auf deutscher Seite und sorgt dafür, dass die Fahrrinne für Güterschiffe passierbar bleibt. Seit Jahren hat er auch mit einer ausgeprägten Kriminalität und hohen Verlusten zu kämpfen. Mal verschwinden über Nacht Tausende Liter Dieselkraftstoff, mal fehlen bei Arbeitsbeginn Wasserpumpen oder Kettensägen. „Als wir in Reitwein am Ufer lagen, haben sich die Diebe so sicher gefühlt, dass sie sich sogar Wasser an Bord kochten“, klagt Kulle. Wie hoch die Schadenssumme in den zurückliegenden Jahren ist, kann Kulle nur grob schätzen, denn über die Versicherung lässt er die wenigsten Tiefschläge regulieren. „Als uns ein luftgefederter Sitz aus dem Bagger gestohlen wurde, wäre ich bei der Versicherung mit 6000 Euro Selbstbeteiligung dabei gewesen – der Sitz kostet 3000 Euro“, erklärt Kulle. Zur Not, sagt er, können auch zwei Bierkästen den Baggersitz ersetzen, denn an einem neuen werde er wahrscheinlich auch nicht lange Freude haben.

Die Sorgen Kulles kann Kai Herrmann, Chef der Frankfurter Firma Ingenieur-, Wasser- und Tiefbau GmbH (IWT), verstehen – und teilen. Auch IWT arbeitet für die Schifffahrtsbehörde auf der Oder, und Herrmann kalkuliert mittlerweile die zu erwartenden Verluste durch Kriminalität in die Kalkulation seiner Angebote mit ein. Ein Schaden zwischen 70 000 und 130 000 Euro würde ihm jährlich durch Diebstahl entstehen. „Wir tanken nur noch so viel, wie bis zum Feierabend verbraucht wird“, sagt er. Überwachungskameras habe er an den Baustellen in luftiger Höhe installiert. „Die sind geortet und entfernt worden“, erzählt er. Erst Anfang der Woche sei aus dem Motorraum eines Baggers ein Verteilerstück herausgeschraubt worden – der Bagger kann jetzt über längere Zeit nicht eingesetzt werden. „Die sind immer hemmungsloser – und die Polizei verwaltet den Diebstahl lediglich“, klagt Herrmann.

Das Wasser- und Schifffahrtsamt ist jedoch auf die externe Hilfe angewiesen, um den Grenzfluss in Schuss zu halten. 500 Euro pro Uferkilometer werden nach Angaben der Behörde für Leistungen Dritter im jährlichen Etat eingeplant, auch für die allein 912 Buhnen unterschiedlicher Bauart im Bereich Frankfurt. „Eine gepflasterte Buhne hat eine deutlich längere Lebensdauer als eine Buhne aus Schüttsteinen, die unter Umständen schon beim ersten massiveren Eisgang zerstört werden kann“, heißt es zur Erläuterung beim WSA. Die Behörde kennt die Problematik ihrer Auftragnehmer nur zu gut. Erst unlängst ist das Dienstboot im Frankfurter Winterhafen gestohlen und kurze Zeit später ohne den Außenbordmotor wiedergefunden worden. Blaulicht und die Aufschrift „Schifffahrtspolizei“ am Bootskörper hielten die Täter nicht von ihrem Vorhaben ab.

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