Entwicklung Potsdams : Die ungeduldige Stadt

Alles frisch, alles neu: Blick auf die FH Potsdam, dahinter die Nikolaikirche, links das frisch saniertes Filmmuseum, rechts das Stadtschloss.
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Alles frisch, alles neu: Blick auf die FH Potsdam, dahinter die Nikolaikirche, links das frisch saniertes Filmmuseum, rechts das Stadtschloss.

Potsdam verändert sich an allen Ecken und Enden – aber nicht immer so schnell wie gewünscht

svz.de von
23. November 2014, 09:00 Uhr

Das Glas könnte halb voll sein – mindestens, könnte man bei einem Spaziergang in Potsdam meinen. Der neue Landtag hat die Innenstadt grundlegend verändert. Zwischen dem Nachbau des ehemaligen Stadtschlosses und der Havel entsteht gerade eine prominente Häuserzeile, mit der Rekonstruktion ehemaliger Stadtpaläste, allen voran das Barberini, das später die Sammlung des Kunstmäzens Hasso Plattner aufnehmen soll. Auf der anderen Havelseite hat sich die alte Speicherstadt zu einem neuen Wohnviertel gemausert, und daneben wird für die neue Schwimmhalle von Stararchitekt Gerkan gebuddelt.

Im Rathaus und in vielen Bürgerinitiativen sieht man jedoch beim Blick auf die Innenstadt ein halb leeres Glas: die Zukunft der Garnisonkirche ist weiterhin ungewiss, für einen Abriss des Hotel Mercure vis-à-vis des Landtages zeichnet sich keine Chance ab und mehrere Brachen, wo historische Gebäude rekonstruiert werden sollen, verschandeln ungenutzt die Innenstadt.

Allen voran das Gelände hinter dem Filmmuseum, wo eine ganze Häuserzeile nicht bebaut werden kann, weil seit Jahren unklar ist, ob, wann und in welcher Form auf einer Ecke davon die immer wieder umstrittene Synagoge gebaut werden wird.

Die Rathausspitze wollte deshalb an anderer Stelle einen wichtigen Impuls setzen und das Gebäude der Fachhochschule neben Landtag und Nikolaikirche neu bebauen. Hier sollen im Anschluss historische Straßenzüge mit einzelnen barocken Bürgerhäusern wieder entstehen. Da der Umzug der Fachhochschule aus ihrem inzwischen heruntergekommen Plattenbau auf den neuen Campus im Norden der Stadt erst 2017 erfolgen soll, wollte Baubeigeordneter Matthias Klipp die Studenten zwischenzeitlich in ein ebenfalls für den Abriss vorgesehenes Rechenzentrum umziehen lassen. Die Proteste der Fachhochschule waren laut – und schrill. Der Präsident Eckehard Binas warnte vor Studentenprotesten wie aktuell in Hongkong.

Inzwischen zeichnet sich eine Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung ab, die den Studenten die Zwischenlösung ersparen will, zumal sie zusätzliche Kosten verursachen würde. Peter Schüler, Fraktionschef der Grünen in der Stadtverordnetenversammlung, sieht das Land in Zugzwang. Es müsse schneller die Vollendung des FH-Campus ermöglichen. „Wir wären glücklich, wenn es zügig mit der Entwicklung der Mitte vorangehen würde“, sagt Schüler. Auch die Bürgerinitiativen „Bündnis Mitte“ fürchten, das der Schwung und die Begeisterung, die mit dem Landtagsbau in die Stadt kam, verloren gehen könnten. Der Fraktionschef der Linken, Hans-Jürgen Scharfenberg, sieht die Gefahr nicht. Auf ein Jahr komme es nicht an, zumal auch seine Partei nicht mehr am alten Fachhochschulgebäude festhalten will.

Derweil wird an anderer Stelle im Zentrum weiter gebaut: Die Weiße Flotte bekommt (nach der für Potsdam üblichen jahrelangen Streiterei) ein neues Domizil, der zweite Teil der Speicherstadt ist in Vorbereitung und die Investitionsbank des Landes wird ihren repräsentativen Sitz vom Stadtrand an den Bahnhof verlegen. Außerdem soll der alte Landtag auf dem Brauhausberg veräußert werden und in seiner Umgebung ein neues Wohnviertel entstehen.

Die Landeshauptstadt, die jährlich um mindestens eintausend Einwohner wächst, muss in den nächsten Jahren für 160 Millionen Euro Schulen bauen und sanieren. Kürzlich wurde zudem ein 50 Millionen-Euro-Programm für den Ausbau der Straßenbahn beschlossen. Neue Stadtviertel im Norden müssen an den Öffentlichen Verkehr angeschlossen werden. Außerdem sind mehr und neue Bahnen nötig, weil die bisherigen die täglichen Menschenmengen kaum noch bewältigen können.

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